Getzner bekleidet Afrika

11.11.2015 • 17:56 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Vorstandsvorsitzender Josef Lampert: Gewaltige Investitionen für gewaltige Umsatzziele.  Fotos:tm/hechenberger
Vorstandsvorsitzender Josef Lampert: Gewaltige Investitionen für gewaltige Umsatzziele. Fotos:tm/hechenberger

In ihrer 200-jährigen Geschichte machte die Getzner Textil AG noch nie so hohe Umsätze wie heute.

Bludenz. (tmh) 1818: Karl Marx erblickt in Trier das Licht der Welt, „Stille Nacht, heilige Nacht“ wird bei Salzburg uraufgeführt, und in Bludenz gründen Christian Getzner, Franz Xaver Mutter und Andreas Gassner das Familienunternehmen Getzner, Mutter & Cie. Das Textilunternehmen, ursprünglich auf die Produktion robuster Arbeitsbekleidung fokussiert, hat in den fast 200 Jahren seines Bestehens immer wieder wechselhafte Zeiten miterlebt.

Heute glänzt das Unternehmen mit Umsätzen, die jährlich neue Rekordhöhen erreichen: 2013 waren es schon 145 Millionen Euro, 2014 legte man noch einmal um 25 Prozent auf 182 Millionen Euro zu. Diesen Erfolg verantwortet maßgeblich Josef Lampert, seit 1995 Geschäftsführer der Getzner Textil. Und er sieht noch mehr Potenzial. „Heuer ist ein Umsatzziel von 200 Millionen Euro angepeilt, bis 2018 soll er gegenüber 2014 noch einmal um 50 Prozent wachsen“, gibt der smarte Geschäftsmann gewaltige Ziele vor. Um sie zu erreichen, werden in den Ausbau der Produktionskapazitäten vor allem am Stammwerk in Bludenz und im Werk Gera (in Thüringen, Deutschland) enorme Summen investiert.

Neben hochwertigen Stoffen für Hemden sind es technische Textilien, vor allem aber Damaststoffe, die diesen enormen Aufschwung befeuern. Das ist besonders bemerkenswert.

Erfolg mit dem Sorgenkind

In den späten 1970er-Jahren hatte sich eine existenzbedrohende Krise angebahnt. Getzner verdiente bis dato sehr viel Geld mit Bettwäsche aus Damast: Ein Stoff, der nur mit aufwendiger Webtechnik und aus hochwertigen Materialien hergestellt werden kann und entsprechend kostspielig ist. Mehr und mehr eroberten die deutlich billigeren Alternativen wie Satin oder Seersucker den Bettwäschemarkt.

Bei Getzner Textil hat man damals die Zeichen der Zeit erkannt. Man wollte die Damastproduktion reduzieren und andere Schwerpunkte setzen: Diese Fähigkeit, frühzeitig auf geänderte Märkte zu reagieren, war seit der Firmengründung und ist bis heute eine ganz besondere Stärke des Bludenzer Familienunternehmens. Als der Beschluss fiel, Damast „aufzugeben“, befanden sich aber noch 1,5 Millionen Quadratmeter Damast im Lager.

Der damals gut 20-jährige Produktmanager Wolfgang Kunze machte sich auf den Weg, um Abnehmer für diesen Restbestand zu suchen. Nach nur einem Monat hatte er den gesamten Lagerbestand verkauft, und zwar in Afrika, wo Damast aus Bludenz seither immer mehr begeisterte Abnehmer findet. Nicht als Bettwäsche, sondern für die Herstellung hochwertiger Bekleidung.

35 Millionen Quadratmeter Stoffe produziert die Getzner Textil AG jedes Jahr allein in ihrem Stammwerk in Bludenz.
35 Millionen Quadratmeter Stoffe produziert die Getzner Textil AG jedes Jahr allein in ihrem Stammwerk in Bludenz.