Schock bei Bank Austria

11.11.2015 • 21:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Bank-Austria-Mutter Unicredit streicht 18.200 Stellen. Starke Einschnitte auch in Österreich.

mailand, Wien. (VN-sca) Dass bedeutende Änderungen im Busch sind, zeichnete sich in den letzten Wochen und Monaten ab. In der Bank-Austria-Zentrale wiegelten die Entscheidungsträger seit Wochen ab; nun hat die Mutter Unicredit ihre Pläne bekannt gegeben. Das italienische Institut will bis zum Jahr 2018 rund 18.200 Stellen abbauen, wie es am Mittwoch mitteilte.

670 Jobs in Österreich

Davon betroffen ist die deutsche Tochter HypoVereinsbank. Besonders schwer trifft es aber Österreich. Hier will der Konzern das Filialgeschäft der Bank Austria entweder verkaufen oder drastisch sanieren. Zunächst geht es konkret um 670 Jobs, die in Österreich bis 2018 wegfallen, vorausgesetzt der Verkauf der verlustbringenden Filialsparte gelingt. Zudem soll die Zentrale des Osteuropageschäfts von Wien nach Mailand verlagert werden. Allein durch den Verkauf des Ukraine-Geschäfts und die Fusion der Fondstochter Pioneer mit einer Sparte der spanischen Bank Santander sollen rund 6000 Stellen wegfallen.

Zu den Sparmaßnahmen hat Bank-Austria-Chef Willibald Cernko am Mittwoch nicht persönlich Stellung genommen. Reagiert hat der Banker aber dennoch. Via Inserat (siehe Seite D3) wendet er sich an Kunden, Mitarbeiter und die Öffentlichkeit und bittet: „Geben Sie uns noch bis Anfang Dezember Zeit, um zu einer verantwortungsvollen Richtungsentscheidung zu kommen.“ Weiterhin werde die Bank Austria künftig im Firmenkundengeschäft, im Corporate- und Investmentbanking sowie im Private Banking tätig bleiben. Das schwächelnde Privatkundengeschäft steht zur Disposition. Wenn es denn Interessenten gäbe, wäre ein Verkauf die liebste Variante der Banker. Da aber auch die anderen Banken mit ihren privaten Kunden keine guten Geschäfte mehr machen, steht durchaus auch eine Schließung im Raum.

Der Vorarlberger Bank-Austria-Statthalter Hans Winter ist so schweigsam wie sein Vorgesetzter. Er wolle und könne nichts sagen, verwies er auf die Sprachregelung in der Österreich-Filiale des italienischen Finanzkonzerns. Klar ist in der derzeit arg geschüttelten Bankenbranche, dass auch Vorarlberg im Zuge des Konzernumbaus Federn lassen muss, obwohl man – so Helmut Bernkopf, Vorstand Privat- und Firmenkunden, im Spätsommer im VN-Gespräch – in Vorarlberg bereits vorgearbeitet und den Apparat schlank gehalten habe. Ob es noch zum „Roll out“ des neuen Filialdesigns kommen wird, ist unklar. Obwohl das Privatkundengeschäft nichts bringt, hat die Bank in Vorarlberg in diesem Bereich im laufenden Jahr einen Zuwachs erzielt. Landesdirektor Winter noch vor Kurzem: „Besonders bei der Finanzierung von Wohnbaukrediten gibt es eine beachtliche Steigerung.“

Gewinn halbiert

Zu den Unicredit-Plänen passen auch die Zahlen der Bank Austria im laufenden Jahr. Das Institut hat nach neun Monaten 2015 mit 660 Millionen Euro Nettogewinn unter dem Strich nur etwa halb so viel Profit geschrieben wie voriges Jahr um diese Zeit (1,190 Mrd. Euro). Die Bilanzsumme lag mit 194 Mrd. Euro um 2,6 Prozent höher als zum Jahresende 2014.

Bank Austria in Vbg.

» Mitarbeiter: 99, 5 Lehrlinge

» Standorte: 8 Filialen,
1 Landes­direktion, 1 SB-Filiale

» Geschäftsvolumen 1. Halbjahr: 4,84 Mrd. Euro (+13,4 %)

» Betriebserlöse:
22,6 Mill. Euro (+11,1 %)