So finanziert Europa die Pensionen

12.11.2015 • 17:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Pensionssysteme in der EU sind sehr unterschiedlich. Foto: EPA
Die Pensionssysteme in der EU sind sehr unterschiedlich. Foto: EPA

Auf unterschiedlichen Wegen zur Pension. Die Altersvorsorge in der Europäischen Union.

Schwarzach. (VN) Die erste Säule ist in Österreich mit einem Gesamtbeitragssatz von 22,8 Prozent umlagefinanziert und erfasst etwa 95 Prozent aller Erwerbstätigen. Im Gegensatz zu skandinavischen Ländern werden auch Invaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspensionen in diesem System erfasst und finanziert. Die Nettoersatzrate beträgt rund 80 Prozent, was einen europäischen Spitzenwert darstellt und auch dazu führt, dass die zweite, freiwillige kapitalgedeckte Säule der Altersversorgung eine untergeordnete Rolle spielt und auch die rein private Altersvorsorge kaum einen Stellenwert hat. Mit einem Anteil am BIP von 14,5 Prozent liegt die gesetzliche Rentenversicherung deutlich über der europäischen Durchschnittsquote von 10,4 Prozent.

Aber welche Pensionssysteme werden in anderen europäischen Ländern angewandt? Ein Blick über die Grenze: Die Rentensysteme der Mitgliedstaaten der EU zeichnen sich insgesamt dadurch aus, dass sie den Begünstigten einen durchschnittlichen Lebensstil im Ruhestand sichern. Dies geschieht zum ganz überwiegenden Teil über umlagefinanzierte, staatlich garantierte Leistungen, ergänzt durch Modelle privater, betrieblicher sowie durch individuelle Altersvorsorge.

Eine europarechtliche Kompetenz zum Eingriff in die Pensionssysteme der Mitgliedstaaten besteht nicht. Dennoch widmet sich die Europäische Kommission seit Mitte der Neunzigerjahre verstärkt der Thematik der langfristigen Finanzierbarkeit der Rentensysteme. Es wurden wiederholt Projektionen der staatlichen Rentenausgaben bis zum Jahr 2050 veröffentlicht, um die Notwendigkeit von Eingriffen in die Rentensysteme zu unterstreichen. Die Mitgliedstaaten haben sich auf einen dreigleisigen Ansatz zur Beherrschung der budgetären Auswirkungen der alternden Gesellschaft geeinigt, nämlich die Beschäftigungsquoten anzuheben, die öffentliche Verschuldung zurückzufahren und die Rentensysteme selbst zu reformieren.

Die Reformbemühungen der einzelnen Mitgliedstaaten der letzten 15 Jahre sind unterschiedlich verlaufen und aufgrund länderspezifischer Merkmale nicht uneingeschränkt vergleichbar. Dennoch zeichnet sich eine stärkere Zuwendung zu kapitalgedeckten, das Umlageverfahren ergänzenden Rentensystemen ab. Insbesondere in Deutschland werden jährlich rund zwölf Mrd. Euro für die Förderung privater Vorsorgemaßnahmen ausgegeben, um das Ziel einer Senkung des staatlichen Zuschusses zu erreichen. Aber auch Schweden hat mit der Pensionsreform das einkommensbezogene Umlagesystem dahingehend reformiert, dass vom Gesamtbeitragssatz (18,5 Prozent) zweieinhalb Prozentpunkte in ein kapitalgedecktes System eingebracht werden. Die darüber hinaus weit verbreitete kapitalgedeckte betriebliche Altersversorgung umfasst ca. 90 Prozent der Beschäftigten.

Das Pensionssystem und seine Zukunft

VN und Arbeiterkammer laden zur Pensionsdiskussion ein. Das österreichische Pensionssystem steht immer wieder im Mittelpunkt: Wie lange können die Pensionen finanziert werden, braucht es eine zweite Säule? Fachleute für die Altersvorsorge diskutieren auf dem Podium.

» Referenten: Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Mazal, Uni Wien; Sektionschef a. D. Walter Pöltner; Dr. Josef Wöss (Arbeiterkammer Wien); Dir. Rainer Keckeis, AK Vorarlberg

» Anmeldung per E-Mail unter kammerbuero@ak-vorarlberg.at

» Freitag, 13. 11. um 18.30 Uhr, AK Feldkirch.