Größte Werbeagentur im Land wandert nach Liechtenstein ab

Markt / 15.11.2015 • 18:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eingangsbereich des Businesscenters Kokon in Ruggell, wo die Montfort-Werbung ihr neues Hauptquartier errichtet.  Foto: Trummer
Eingangsbereich des Businesscenters Kokon in Ruggell, wo die Montfort-Werbung ihr neues Hauptquartier errichtet. Foto: Trummer

Montfort Werbung bricht nach Ende des Prozesses die Zelte in Vorarlberg ab. 

Klaus, Ruggell.  Am 18. September 2015 war für den Klauser Unternehmer Richard Morscher ein dunkles Kapitel für ihn selbst und seine Firma Montfort Werbung beendet. Sämtliche Ermittlungsverfahren gegen ihn und sein Unternehmen wurden eingestellt. Auch der Sicherstellungsbescheid über 11,4 Millionen Euro durch den österreichischen Verwaltungsgerichtshof wurde damit aufgehoben. Acht Jahre dauerten die Ermittlungen.

Der letzte Akt

Nun erfolgte der letzte Akt in dem Drama. Montfort Werbung schließt das Hauptquartier in Vorarlberg und übersiedelt, wie die VN in Erfahrung bringen konnten, dorthin, wo Gesellschafter Morscher schon länger lebt – nach Liechtenstein. 

Die Causa Morscher/Montfort Werbung/Gildemeister hat sich damit in Luft aufgelöst. Ins Rollen gebracht wurden die Beschuldigungen gegen den Unternehmer durch anonyme Schreiben, aufgrund deren die Staatsanwaltschaft Feldkirch und das Finanzamt Ermittlungsverfahren einleiteten. Fast ein Jahrzehnt dauerte das Verfahren, bis auch der letzte Vorwurf fallengelassen wurde. Aber natürlich sind die Wunden nicht verheilt. Morscher rechnet sich gute Chancen aus, wenn er die Republik auf Amtshaftung und Schadenswiedergutmachung klagt. „In diesen acht Jahren beläuft sich der Schaden für Richard Morscher, hervorgerufen durch Reputationsverlust, entgangene Aufträge und Vertretungskosten, auf geschätzte 30 Millionen Euro“, rechnet Anwalt Wilhelm Klagian vor.

Schaden für Standorte

Der Schaden wird für den bisherigen Standort Klaus noch größer. Die Gildemeister-Nachfolgefirma DMG Mori hat Vorarlberg bereits den Rücken gekehrt und ihre Europazentrale in der Schweiz errichtet. Der Abzug des Werbeunternehmens ist keine Drohung, sondern Fakt. Die Montfort Werbung Holding ist bereits aus dem Firmenregister gelöscht, die Umzugskartons gepackt.

Der neue Firmensitz wird im Bürogebäude Kokon im liechtensteinischen Ruggell gerade eingerichtet. Zwei Etagen stehen für die Werbeagentur schon bereit. Die GmbH wird mit der seit Jahren im Fürstentum bestehenden Montfort Werbung AG verschmelzen. Die international angebotenen Leistungen, so Firmenanwalt Klagian, werden in Zukunft von Lichtenstein aus gelenkt. Die Vorarlberger Zentrale wird geschlossen, damit fallen im Land auch 70 hochwertige Arbeitsplätze weg. Für Morscher ist die Entscheidung klar, wie er im Gespräch mit den VN feststellt: „Als international agierende B2B-Full-Service-Marketingagentur sind für uns die Verkehrsanbindung und die gesetzlichen Voraussetzungen mit Rechtssicherheit entscheidend. Wir wollten aber vor allem auch unsere Kräfte bündeln und fokussieren, was wir nun mit der Verschmelzung und Zusammenführung unserer Firmen am Standort in Liechtenstein umsetzen.“

Expansion geht weiter

Die zukünftige Aktiengesellschaft wird in Liechtenstein rund 90 Mitarbeiter beschäftigen. Die operativ tätige GmbH machte 2013 rund 36 Millionen Euro Umsatz, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit betrug 5,11 Millionen Euro.

Zur Holding zählen Standorte in Schanghai und Chicago. Vor einem halben Jahr eröffnete Montfort Werbung, eine der größten B2B-Agenturen Europas einen neuen Standort in Tokio. Kurz vor der Eröffnung steht eine Dependance der Werbeagentur in Russlands Hauptstadt Moskau.

VN-Bericht vom 18. September 2015.

VN-Bericht vom 18. September 2015.