Die Gründer sind immer jünger und öfter weiblich

Markt / 28.01.2016 • 21:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Mit 947 neuen Selbstständigen gab es 2015 in Vorarlberg aber einen Rückgang.

schwarzach. (VN-reh) Sich selbstständig zu machen, erfordert vor allem eines: Mut. Denn die Rahmenbedingungen werden nicht einfacher, im Gegenteil. Jeden Tag werden neue bürokratische Hemmnisse aus dem Hut gezaubert. In Vorarlberg kratzt die Zahl der Neugründungen seit Jahren konstant an der 1000er-Marke. Geknackt wurde sie aber auch im letzten Jahr nicht, als 947 Personen den Schritt in die Selbstständigkeit wagten – 47 weniger als im Jahr zuvor.

In Österreich zeigt die Zahl überraschenderweise ins Plus. Die Neugründungen stiegen um 4,8 Prozent auf 29.561, was selbst WKÖ-Präsident Christoph Leitl erstaunt. In einem „Land in kollektivem Depressionszustand hätte es niemanden überrascht, hätte ich ein Minus von zehn Prozent verkündet“. Aber diese Zahlen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Österreich bei den Neugründungen im EU-Vergleich hinterherhinkt. Die Selbstständigenquote, der Anteil der Selbstständigen an allen Erwerbstätigen, liegt bei nur 8,8 Prozent. Die gesamte EU kommt auf 12,5 Prozent, Länder wie Italien sogar auf über 20 Prozent.

Minus wegen Top-Jobs

In Vorarlberg will man ob des Rückganges bei den Neugründungen aber von keiner negativen Entwicklung oder gar Trendumkehr sprechen. Christoph Mathis, der Leiter des Gründerservice in der Wirtschaftskammer, der mit seinem Team im Jahr viele Hunderte Gespräche mit potenziellen Gründern hat, führt den Rückgang auf ganz etwas anderes zurück. „In Vorarlberg gibt es sehr viele qualifizierte Arbeitsplätze in Top-Unternehmen, da fällt beispielsweise der Wunsch von Facharbeitern, sich selbstständig zu machen, nicht so ausgeprägt aus.“

Der Durchschnittsgründer in Vorarlberg ist dabei immer jünger und immer öfter weiblich. Er ist 37,4 Jahre alt (Vorjahr: 38,4 Jahre) und der Frauen-Anteil liegt mittlerweile bei 48,3 Prozent – Tendenz steigend. Von den neu gegründeten Unternehmen sind nach drei Jahren noch acht von zehn am Markt, nach fünf Jahren noch sieben. Nicht geändert haben sich die Motive der Neo-Selbstständigen. Sie wollen ihr eigener Chef sein und ihre Zeit flexibel einteilen. In die Selbstständigkeit „gedrängt“, zum Beispiel aufgrund von Arbeitslosigkeit, werden rund acht Prozent der Neugründer. Was etwas verwundert: Nur 43 Prozent haben im Rahmen der Gründung einen Businessplan erstellt.

Voneinander lernen

Auf dem Thema Gründen liegt heuer auch der Fokus der Jungen Wirtschaft Vorarlberg (JWV). Das Kernthema der letzten Jahre, die Familienunternehmen, wird zudem weiterverfolgt. Für die Verantwortlichen, Vorsitzende Stefanie Walser und Geschäftsführer Peter Flatscher, war es wichtig, Bewusstsein zu bilden und die gesellschaftliche Bedeutung von Gründungen nach außen zu tragen. Mit Erfolg. Das Thema ist mittlerweile auch Teil des österreichweiten JW-Programms. Verstärkt will man nun die Relevanz des jungen Unternehmertums aufzeigen. An der Gründerlandstrategie des Wirtschaftsministeriums wurde mitgearbeitet. Deren Ziel ist es, in Vorarlberg 1800 zusätzliche Gründungen sowie 3600 neue Jobs bis 2020 zu schaffen. Eine wichtige Rolle spiele das Voneinander- lernen – von Start-Ups bis hin zu Handwerkern –, ist Peter Flatscher überzeugt. Insgesamt brauche es aber ein stärkeres Commitment der Politik. Der Staat müsse mehr Partner als Vater sein. „Wir wollen ein Land der Gründer, der Verlässlichkeit und der Eigenverantwortung“, fordert Flatscher. Ansonsten wird das ambitionierte Ziel der Gründerstrategie wohl kaum zu erreichen sein.

Wollen die Relevanz des jungen Unternehmertums zeigen.

Stefanie walser, JWV