„Mein Rücktritt ist keine spontane Entscheidung“

Markt / 06.04.2016 • 22:58 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Hypo-Vorstand Michael Grahammer als VN-Gast im Gespräch mit Chef­redakteur Gerold Riedmann. FOTO: VN/PHILIPP STEURER
Hypo-Vorstand Michael Grahammer als VN-Gast im Gespräch mit Chef­redakteur Gerold Riedmann. FOTO: VN/PHILIPP STEURER

Spannungsverhältnis zwischen Politik und Bank-Geschäft: Klartext des Hypo-Chefs.

Sie hatten in der Dienstagausgabe der VN erstmals gesagt, dass Sie zurücktreten wollen, so die Prüfungen der Finanzaufsicht Unregelmäßigkeiten ergeben. Nun, zwei Tage später, der Rücktritt. Weshalb?

Grahammer: Weil die öffentliche Diskussion ein solches Ausmaß angenommen hat, dass ich beschlossen habe, zurückzutreten. Dies ist keine spontane Entscheidung, sondern eine, die ich schon länger mit mir herumtrage. Über das letzte Jahr haben sich Ereignisse kumuliert. Nach der jüngsten medialen Vorverurteilung sagte ich mir: Das muss ich mir nicht länger antun. Ich ziehe mich zurück, durchaus in der Hoffnung, dass das für die Bank mehr Ruhe bedeutet.

Rücktritt aus dem Affekt?

Grahammer: Nein. Ich habe auch mit meiner Frau öfters darüber diskutiert, länger mit dem Gedanken gespielt. Ich kann meine Aufgabe nicht mit vollem Elan machen, wenn ich jeden dritten Tag darüber nachdenke, ob ich im Leben das Richtige tue.

Welche Ereignisse?

Grahammer: Unter anderem war die dann nicht weiter verfolgte Möglichkeit des Zusammengehens mit der Dornbirner Sparkasse frustrierend, weil wir viel Energie hineingelegt hatten. Ich hätte das für ein gutes Projekt gehalten. Auch das Heta-Moratorium war sehr herausfordernd, die Turbulenzen der Pfandbriefbank hätten zu einer Staatskrise führen können.

Sind Sie sich immer noch sicher, dass die Untersuchungen keine Verfehlungen ergeben werden?

Grahammer: Ja. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir rechtlich absolut sauber gearbeitet haben. Was nun geprüft wird, ist schon vor vier Jahren geprüft worden.

Kernfrage ist, ob bei Offshore-Deals bekannt war, wer hinter Treuhändern stand.

Grahammer: Ja, für uns war der Kunde völlig klar: Es ist ein Oligarch, ein vermögender Russe – aber wir kannten den Kunden dahinter immer. Wir haben ständig Recherchen zu ihm betrieben und es gab nichts Negatives. Er ist ein Rohstoffhändler, der mit Erdöl und Ergasgeschäften groß geworden ist. Wir haben per se nichts Negatives daran gefunden, einen reichen Russen zum Kunden zu haben.

Muss eine Landesbank russische Yachten finanzieren?

Grahammer: Wir haben die Yacht nicht mal finanziert, sondern nur den Bau abgewickelt. Tatsache ist: im Mittelmeer ist es der Regelfall, dass Schiffe über Finanzvehikel angemeldet sind. Tatsache ist auch: wir sind eine Landesbank, aber keine kleine Bank mehr – sondern die zehntgrößte von 600 in Österreich. Das starke Wachstum der letzten Jahre wäre allein in Vorarlberg nicht möglich gewesen. Wir verwalten Vermögen aus legalen Quellen, es werden keine Steuern hinterzogen.

Klingt nach Schere zwischen Regionalbank und Wachstum außerhalb des Landes?

Grahammer: Das ist ein Spannungsfeld. Wir beschäftigen 55 Mitarbeiter in Wien, haben Filialen in Oberösterreich, der Steiermark und auch in Deutschland, der Schweiz und Norditalien. Die Diversifizierung in den verschiedenen Regionen ist unsere Stärke. Andererseits wird das ein zunehmendes Spannungsfeld mit der Politik. Die Vorarlberger Firmenkunden sind Exporteure, die wollen im Auslandsgeschäft begleitet werden – dazu brauchen wir das Akkreditivgeschäft mit chinesischen, russischen, tunesischen oder iranischen Banken. Da muss man sich entscheiden, was man will.

Spürten Sie stets den Rückhalt des Haupteigentümers?

Grahammer: Ich verhehle nicht, dass wir auch schon mal unterschiedliche Standpunkte hatten, aber wir haben uns zusammengerauft. Die öffentliche Hand als Eigentümer hat Positives, wie die Stabilität. Der Nachteil ist die Öffentlichkeit, da alles politisch diskutiert wird.

Wie geht’s für die Hypo weiter?

Grahammer: Die Hypo ist eine hervorragende Bank, hat ausgezeichnete Leute. Ich bin wie alle anderen nicht unersetzbar. Was strategisch entschieden werden muss: Lässt man die Hypo weiter wachsen – und was heißt das für das Land? Denkbar wäre ja auch, die Hypo zu spalten, etwa in einen Bereich, der das Privatkundengeschäft in Vorarlberg betreut, und den Rest zu verkaufen.

Und für Sie persönlich?

Grahammer: Ich habe keine konkreten Pläne. Außer: nächste Woche mache ich Urlaub, sortiere die Gedanken.

Zur Person

Dr. Michael Grahammer

Geboren: 23. Juli 1964, Lustenau

Karriere: 1993-97 Raiffeisen Zentralbank AG; 1997-2000 Raiffeisenbank Prag, ab1999 als Vorstand; 2000-01 Erste Bank Dornbirn, Landesdirektor Kommerz; ab 2001 Hypo Vorarlberg, ab 2012 als Vorstandsvorsitzender

Unternehmen: 800 Mitarbeiter, 644 in V, Bilanzsumme EUR 13,9 Mrd.

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