„Als die Mengen kamen, waren die Bedenken weg“

Markt / 03.06.2016 • 20:21 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Michael Riedmann in der efef-Produktion in Hohenems. Dort liegt der Schwerpunkt auf Rohwurst, Speck, Streichwurst und Fleisch für Vorarlberg.  Fotos: VN/Hartinger
Michael Riedmann in der efef-Produktion in Hohenems. Dort liegt der Schwerpunkt auf Rohwurst, Speck, Streichwurst und Fleisch für Vorarlberg. Fotos: VN/Hartinger

Hohenems. Michael Riedmann ist Geschäftsführer der Rewe Austria Fleischwaren GmbH mit zwei efef-Betrieben und drei Zerlegebetrieben. Im Interview spricht er über die Wichtigkeit der Herkunft und vegetarische Trends.

efef ist seit 2012 im Besitz von Rewe. Wie hat sich das auf den Betrieb und die Firmenphilosophie ausgewirkt?

riedmann: Für die Mitarbeiter hat sich im Prinzip nicht wirklich etwas verändert. Auch an unserer Philosophie nicht, da hatten wir absolut freie Hand. Das, was sich für uns am meisten geändert hat, ist zugleich der größte Vorteil. Denn zuvor hatte Adeg stark an Marktanteilen verloren und wir dadurch an Mengen. Mit der Übernahme durch Rewe haben wir ein großes Potenzial am österreichischen Markt dazubekommen, weil wir zusätzlich Billa und Merkur bedienen. Es waren Bedenken da. Als die Mengen kamen, war die Stimmungslage aber sofort besser. Da ist eine riesige Tür aufgegangen. Dem Betrieb hat das sehr viel Schwung gebracht. Nun wachsen wir jedes Jahr im zweistelligen Bereich.

Welche Stellung haben nun die Vorarlberger Landwirte?

Riedmann: Die Vorarlberger Landwirtschaft ist nach wie vor ein wichtiger Partner. Da hat sich nichts geändert. Was sich im Land geändert hat, ist, dass immer weniger Schweine da sind. Bei Kälbern und Kühen ist das anders. Da nehmen wir aus Vorarlberg sehr viel ab. Das versuchen wir auch im Normalfall, wenn einmal ein Überhang da ist. 80 Prozent des Kalbfleischs kommen aus dem Land, beim Rind sind es 70 Prozent. Was wir zukaufen, ist alles österreichischer Herkunft. Bei unseren großen Mitbewerbern in Innerösterreich ist das bei vielen nicht der Fall.

Sie waren früher Geschäftsführer im eigenen Betrieb, heute führen Sie die Geschäfte als Angestellter. Macht das für Sie einen Unterschied?

riedmann: Zuvor war ich alleiniger Geschäftsführer, heute gibt es insgesamt drei Geschäftsführer, weil unter der Rewe Austria Fleischwaren GmbH unsere beiden efef-Betriebe sowie die drei Billa-Fleisch-Zerlegebetriebe zusammengeführt wurden. Ich bin für alle fünf Betriebe für Verkauf, IT und Logistik zuständig. Das, was sich für mich also am meisten geändert hat, ist weniger die Arbeitsweise, sondern dass ich ein zweites und drittes Büro in Wiener Neustadt und Radstadt dazubekommen habe. Es ist anders als vorher, aber die Vorteile überwiegen absolut. Ich war sehr positiv überrascht.

Sie produzieren in Hohenems und in Radstadt. Gibt es unterschiedliche Fokussierungen in den Betrieben?

Riedmann: Ja, absolut. Nur in Hohenems machen wir Rohwurst, Speck, Streichwurst sowie das ganze Frischfleisch für Vorarlberg. Denn Vorarlberg ist beim Fleisch speziell, vor allem wegen des hohen Kalbfleischanteils. In Radstadt werden das Putenwurstsortiment und die Sülzen produziert. Schinken machen wir in beiden Betrieben, der Schwerpunkt liegt aber auf Radstadt. Das Fleisch für Österreich ist auf unsere Zerlegebetriebe ausgelagert.

Es gibt einen Trend zur fleischlosen Küche, aber auch zu hochqualitativem Fleisch. Wie gehen Sie mit solchen gegensätzlichen Anforderungen um?

Riedmann: Vegetarier gibt es, die Entwicklung wird weitergehen. Uns kommt es zugute, dass viele auf hochqualitatives Fleisch schauen. Wir sind nicht die Billigsten. Wir wollen eine hohe Qualität. Die österreichische Herkunft haben nicht alle, wir verwenden keine Geschmacksverstärker und alle unsere Produkte sind gluten- und laktosefrei. Das gilt auch für die Produkte von Clever und Hofstädter. Denn es gibt immer mehr Unverträglichkeiten. Auf den Trend zu Steaks und Grillen haben wir damit reagiert, dass wir Vakuumverpackungen anbieten, sodass das Fleisch weiter reift. Zudem haben wir Nischen mit Biofleisch und Geflügel mit Pro Planet Gütesiegel. Darum habe ich keine großen Bedenken, auch wenn der Fleischkonsum in Zukunft nicht größer wird.

Also wird es bei efef keine vegetarische Wurst geben?

Riedmann: Der Wurst ohne Fleisch werden wir uns nicht widmen. Es gibt andere, die das machen. Wir haben es probiert und verkostet, aber bei der Käsekrainer ohne Fleisch fehlt einfach der Genuss.

Fleisch ist heute für alle leistbar. Teilweise sind die niedrigen Preise in den Supermärkten kaum nachvollziehbar.

riedmann: Fleisch ist ein Aktionsartikel, die Preise sind teilweise schwer nachvollziehbar. Aber der Markt ist hart. Wir versuchen durch mehrere Schienen dem Konsumenten verschiedene Wahlmöglichkeiten zu bieten. Tierschutz ist ein immer größeres Thema, mit dem wir uns im Konzern stark befassen. Das Pro Planet Siegel verspricht zum Beispiel eine deutlich geringere Besatzungsdichte – also weniger Hühner pro Quadratmeter. Aber diese Produkte sind dann teurer und schlussendlich entscheidet der Konsument, was künftig in der Produktion forciert wird.

Es ist ein Markt da, aber wir werden auf den Zug der vegetarischen Wurst nicht aufspringen.

efef produziert in Hohenems und Radstadt nicht nur Eigenprodukte, sondern auch für die Marken Clever und Hofstädter.
efef produziert in Hohenems und Radstadt nicht nur Eigenprodukte, sondern auch für die Marken Clever und Hofstädter.

Kennzahlen

» Gegründet: 1978, seit 2012 Teil der Rewe Austria Fleischwaren GmbH

» Geschäftsführer: Michael Riedmann, Anton Eisenführer, Michael Riegler

» Betriebe: efef in Hohenems und Radstadt, drei Rewe-Fleischverarbeitungsbetriebe

» Mitarbeiter: Hohenems 105, Radtstadt 50, Rewe Fleischwaren insgesamt 430

» Tagesproduktion efef: 28 Tonnen

» Produkte: 100 in 250 Varianten

Zur Person

Michael Riedmann

Geschäftsführer Rewe Austria Fleischwaren GmbH

Geboren: 08.09.1972

Ausbildung: Handelsakademie

Laufbahn: 1993 Assistent der Marktleitung im AGM Hohenems, sechs Jahre später zum Marktleiter bestellt; 2002 Wechsel als Assistent der Geschäftsführung zu efef; ab August 2005 neben Heinz Model zweiter Geschäftsführer;
2006 wurde er alleiniger Geschäftsführer der efef Fleischwaren Gmbh

Familie: verheiratet, drei Kinder