Investitionsboom erfasst Lech

Markt / 19.07.2016 • 22:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bgm. Ludwig Muxel und Tourismus-Chef Hermann Fercher.
Bgm. Ludwig Muxel und Tourismus-Chef Hermann Fercher.

120 Millionen werden verbaut, Sommer gewinnt an Bedeutung. In Zürs bleiben Hotels zu.

Lech. Der Sommer gewinnt für die Tourismusregionen eine immer größere Bedeutung. Und auch wenn sich in der Saison deutlich weniger Geld verdienen lässt als im Winter, wollen viele Tourismusbetriebe dadurch das Dorf am Leben erhalten und auch die Mitarbeiter ganzjährig binden. In Lech führen die erfolgreichen Sommer der letzten Jahre dazu, dass ein regelrechter Bauboom ausgebrochen ist. Viele Hotels und Seilbahnen investieren in die Modernisierung. Und die Liste ist lang: So baut der Almhof Schneider Wellnessan­lage und Mitarbeiterzimmer, das Hotel Stäfeli in Zug wird erweitert, beim Hotel Sonneburg zu- und umgebaut. Anstelle des ehemaligen Hotel Marmotta in Stubenbach wird derzeit am „Blumen Haus“ gebaut, einem neuen 5-Sterne-Chalethotel mit neun Suiten. Bei der Bergbahn Oberlech entsteht eine neue Berg- und Talstation sowie eine unterirdische Gepäck-Verladestation. Dazu kommen die neuen Seilbahnprojekte für die Skigebietsverbindung zwischen Zürs und St. Anton. Alle Orte am Arlberg sind damit künftig auf Skiern erreichbar. Der Helikopter-Hangar wurde abgebrochen und wird neu gebaut, und an der Bergstation Schlegelkopf eröffnet ein neues Restaurant.

Kaum neue Betten

Das gesamte Investitionsvolumen beziffern Bürgermeister Ludwig Muxel und Tourismuschef Hermann Fercher im VN-Gespräch mit rund 120 Millionen Euro. So viel sei in den letzten 30 Jahren nicht investiert worden. Die Investitionen würden den Sommer weiter stärken und seien von Seiten der Hoteliers ein starkes Zeichen des Vertrauens in die Zukunft, sagt Muxel. Dabei wird aber hauptsächlich in die Qualität investiert, nicht so sehr in Betten. Nur 50 neue Betten kommen durch die diversen Hotelprojekte hinzu.

Zürs-Hotels geschlossen

Insgesamt gibt es in Lech und Zürs über 8300 Betten im Winter, im Sommer sind es rund 4000. Allerdings wohnen die Urlaubsgäste nur in Lech, denn Zürs bleibt im Sommer geschlossen. Das liege daran, dass in Zürs der dörfliche Charakter fehle, sagt Muxel. Und dieser ist gerade bei den Sommergästen stark gefragt. Ein Etappenziel wäre zumindest eine Öffnung im Herbst. Das gehe aber nicht ohne Aufstiegshilfen, wie zum Beispiel durch den Seekopf-Lift. Und sowieso ist da noch das Problem mit dem Verkehr. Denn momentan rollen Autos und Busse direkt durch den Ortskern. „Das Ziel ist eine Ortsumfahrung“, betont Muxel. Das habe man bereits beim Land deponiert. Je nach Möglichkeit solle diese unterirdisch oder neben dem Zentrum geführt werden. Das böte auch die Möglichkeit, Zürs im Winter zu einer Art „Skiressort“ zu entwickeln, so dass man als Gast mit den Skiern direkt zu den Hotels fahren kann.

Wie aus gut informierten Kreisen der Vorarlberger Immobilienszene zu hören ist, stehen derzeit drei große Hotels in Zürs zum Verkauf. Konkretes habe er nicht gehört, sagt der Bürgermeister. Aber auch von diesen möglichen neuen Investoren wird abhängen, wie sich Zürs weiterhin entwickeln wird.

Potenzial wäre jedenfalls noch vorhanden. Verbuchte Lech im Sommer vor sechs Jahren noch 125.000 Nächtigungen, sind es heuer über 160.000. Das Ziel liege bei 200.000 Nächtigungen, betont Fercher. Allein der Lech-Weg sorgte für 6000 Nächtigungen mehr, der neu eröffnete Golfplatz als wichtiger Mosaikstein für den Sommertourismus werde 3000 zusätzliche Nächtigungen bringen.

Krane prägen derzeit das Ortsbild von Lech. Die Tourismusgemeinde freut sich im Sommer über steigende Gästezahlen. Foto: VN/hartinger
Krane prägen derzeit das Ortsbild von Lech. Die Tourismusgemeinde freut sich im Sommer über steigende Gästezahlen. Foto: VN/hartinger