Junge sind fordernder

28.07.2016 • 14:04 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In Mehrgenerationen-Belegschaften braucht es ein spezielles Management, um Konflikte zu vermeiden.
In Mehrgenerationen-Belegschaften braucht es ein spezielles Management, um Konflikte zu vermeiden.

Mitarbeitergenerationen unterscheiden sich. Judith Heizer und Michaela Angerer wissen wodurch.

DEMOGRAFIE. (VN-cro) Spätestens ab 2020 wird die Erwerbsbevölkerung in Österreich deutlich abnehmen. Bereits 2014 lag die Differenz zwischen den aus dem Arbeitsmarkt Ausscheidenden und den neu Hinzukommenden bei minus 16.000. Kaum ein Unternehmen reagiert jedoch adäquat auf die Herausforderung des demografischen Wandels. „Der Großteil der Verantwortlichen ignoriert den auf sie zukommenden Alterungs-Tsunami“, stellen die beiden Wirtschaftscoaches Judith Heizer und Michaela Angerer fest.

Die größten Chancen für Arbeitgeber und Beschäftigte sehen die beiden Tirolerinnen im gelungenen Management von Mehrgenerationen-Belegschaften. Der Grund: Die heutigen Jungen treten fordernder und selbstbewusster auf als die Generationen vor ihnen.

„Wir können heute nicht voraussehen, wie sich die Generationen Y und Z dauerhaft in den Arbeitsmarkt integrieren. Der Respekt der Personaler ihnen gegenüber ist hoch, weil sie sich ihrer Macht der geringen Zahl und damit ihrer vielfachen Optionen bewusst sind. Dafür braucht es andere Führungswerkzeuge und Strategien, wenn man sie finden und binden will“, sagt Heizer.

Für die beiden Coaches geht es um individuelle Lösungen und darum, was Mitarbeiter brauchen, um lange engagiert, gesund und leistungsfähig sein zu können und zu wollen – und das im gleichen Betrieb.

„Wir haben uns darauf spezialisiert, mit dem jeweiligen Betrieb eine maßgeschneiderte Lösung zu entwickeln. Wir erarbeiten gemeinsam Strategien zu einzelnen Faktoren wie individualisierte Karriereplanung, moderne Arbeitszeitmodelle, Feedback-Kultur, ganzheitliches Gesundheitsmanagement und Optionen für ein wirksames Führungsverhalten.“ Zu wenig Nachwuchs und der daraus resultierende Kampf um Talente ist allerdings nur ein Teil des Problems.

Laut aktueller Gallup- Umfrage liegt der Anteil der emotional nicht engagierten Mitarbeiter in den Betrieben bei über 80 Prozent. Die Kosten für Konflikte und unkooperatives Verhalten belasten deutsche Unternehmen jährlich mit ca. 30 Milliarden Euro, bis zur Hälfte der wöchentlichen Arbeitszeit von Führungskräften muss dafür verwendet werden. Hinzu kommen Fluktuation und mehr psychisch bedingte Fehlzeiten. Das Konfliktpotenzial und der Reibungsverlust von Mehrgenerationenbelegschaften stehen trotz der Betonung eines produktiven Miteinanders kaum im Fokus des betrieblichen Alltags.

Was passiert, wenn Arbeitsverständnis und Bedürfnisse von 25-Jährigen auf eine knapp 60-jährige Führungskraft prallen, ist den meisten aus der Praxis wohlbekannt. Andererseits endet Personalentwicklung in den meisten Firmen mit dem 45. Lebensjahr, eine Negativstrategie für Motivation und Bindung ans Unternehmen.