Für Wettbewerb auf Augenhöhe

23.08.2016 • 20:20 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Privatunterkunft statt Hotel: Der Markt für Online-Vermietungsplattformen wie Airbnb wächst. Foto: VN
Privatunterkunft statt Hotel: Der Markt für Online-Vermietungsplattformen wie Airbnb wächst. Foto: VN

Onlinevermietungsplattformen wie Airbnb boomen. Wien verschärft nun die Regeln. Vorbild für Vorarlberg.

Schwarzach. (VN-reh) Pünktlich zum Oktoberfest räumen jährlich viele Münchner ihre Zimmer oder Wohnungen und vermieten diese zu guten Preisen an Besucher. Denn zu der Zeit sind die Hotels in der Stadt meist ausgebucht und privater Wohnraum dementsprechend begehrt. Dieser Trend, private Zimmer, Wohnungen oder Häuser zu vermieten, hat sich in den vergangenen Jahren massiv verstärkt. Und Plattformen wie Airbnb (Abkürzung für „Airbed and breakfast“), haben sich von ihrem Ursprungsgedanken – ein Dach über dem Kopf, eine Luftmatratze und ein Frühstück – ein großes Stück weit entfernt. Denn längst sind es nicht nur mehr Private, die an Private vermieten, sondern genauso gewerbliche Betreiber, die diese Plattformen nutzen. Airbnb ging 2008 an den Start und ist heute 30 Milliarden Dollar wert. Seither wurden 100 Millionen private Übernachtungen vermittelt. Die Onlinevermietungsplattformen gehören heute zum Tourismus dazu. Allerdings, und das ist die Hauptkritik, spielen nicht alle Anbieter nach den gleichen Spielregeln.

Viele deutsche Großstädte haben mittlerweile Zweckentfremdungsverbote erlassen. Dort ist die Vermietung von privatem Wohnraum nur unter engen Voraussetzungen möglich. Auch Wien hat nun einen Schritt gesetzt. Durch eine Novelle des Tourismusförderungsgesetzes soll der wachsende Tourismuszweig neue Regeln bekommen. Die Plattformbetreiber müssen dann die Vermietungsdaten an die Stadt weiterleiten. Denn im Gegensatz zu gewerblichen Anbietern und ehrlichen Privatzimmervermietern versteuern nicht alle Anbieter ihre Einnahmen und haben bislang auf das Abführen der Ortstaxe verzichtet. Dem soll die Novelle Einhalt gebieten.

Auch in Vorarlberg sind Airbnb und Co. ein Thema, wenngleich nicht in dem Umfang wie in großen Städten.

306 Unterkünfte in Vorarlberg

Rund 306 Unterkünfte werden derzeit allein auf Airbnb angeboten. Vor zwei Jahren waren es noch rund 40. Das reicht vom Zimmer in der Privatwohnung am Bodensee, bis hin zum exklusiven Chalet am Arlberg, dem alten Bauernhaus im Bregenzerwald oder dem Haus mit Indoorpool und Badeteich im Oberland. Man sehe Airbnb & Co. als neues touristisches Angebotssegment, sagt Harald Furtner, Geschäftsführer der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, im VN-Gespräch. Man sei nicht gegen neue Angebote. „Der Markt soll das regeln“, so Furtner. Allerdings müssten für alle Marktteilnehmer die gleichen Rahmenbedingungen gelten. Deshalb sei es nur fair, wenn ein privater Airbnb-Gast ebenso wie ein Hotelgast eine Ortstaxe bezahle, weil auch dieser die touristische Infrastruktur nutze. Den Wiener Vorstoß bezeichnet Furtner als „vorbildlich“ und ist überzeugt, dass mehr Bundesländer diesem Beispiel folgen werden. „Der Grundgedanke ist richtig“, so der Tourismus-Geschäftsführer. Auch für Vorarlberg prüfe man derzeit, wie das im Vorarlberger Tourismusgesetz 1:1 umsetzbar ist. Man arbeite an einer entsprechenden Formulierung und werde das im Herbst dann mit dem Land besprechen.

Ortstaxenpflicht besteht

Vom Land kommen dazu positive Signale. Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser weist aber auch darauf hin, dass bereits eine Ortstaxenpflicht bestehe. Durch das Tourismusförderungsgesetz hätten Gemeinden die Möglichkeit, diese einzuheben – auch für den Airbnb-Gast. „Das Problem ist, dass man oft nicht weiß, dass eine Wohnung für Airbnb-Zwecke verwendet wird oder dem Vermieter nicht bewusst ist, dass er eine Ortstaxe abführen muss“, konkretisiert Rüdisser. Wenn im Herbst die Höhe der Ortstaxe neu geregelt wird, werde im Zuge dessen auch geschaut, „ob die bestehenden Bestimmungen ausreichen oder es Präzisionsbedarf gibt“, so Rüdisser. „Die Frage ist, wie man besser zu entsprechenden Informationen kommt.“ Denn letztlich sei eine unberechtigte Ungleichbehandlung zwischen Hotel- und Airbnb-Gast nicht das Ziel.

Dem Wiener Beispiel werden viele Bundesländer folgen.

Harald Furtner, WKV