Hypo sieht Schiff trotz Wellengang auf Kurs

24.08.2016 • 20:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Alles im Plan, heißt es von der Hypo Vorarlberg zu den aktuellen Halbjahreszahlen. Foto: VN/Steurer
Alles im Plan, heißt es von der Hypo Vorarlberg zu den aktuellen Halbjahreszahlen. Foto: VN/Steurer

Rückgänge beim operativen Ergebnis und Ergebnis vor Steuern. Kunden halten Treue.

bregenz. (VN-reh) Einmaleffekte können Bilanzen beflügeln oder genau das Gegenteil bewirken. Denn es sind entweder Erträge oder Kosten, die das Ergebnis eines Unternehmens in der Bilanz dann dementsprechend erhöhen oder mindern. Genauso führen sie dazu, dass sie im Jahr danach – wenn diese Sondereffekte fehlen, das Ergebnis meist eklatant ins Plus oder Minus reißen.

Für die Hypo Vorarlberg war beispielsweise 2015 eines der besten Jahre für die Bank. Auch deshalb, weil das Vorjahrsergebnis durch die Heta-Risikovorsorge belastet war und dieser Sondereffekt im vergangenen Jahr wegfiel. Für das heurige Geschäftsjahr war von Anbeginn klar, dass das Ergebnis zwar positiv, aber nicht mehr in dem Umfang der letzten Jahre ausfallen würde. Eben weil Sondereffekte fehlen und weil Negativzinsen und steigende Kosten durch Regulatorien und Abgaben die Bank weiter belasten.

So ist es auch eingetreten, wie die aktuellen Halbjahreszahlen der Hypo Vorarlberg zeigen. Das operative Ergebnis der ersten sechs Monate liegt um zehn Prozent unter dem Vorjahr. Vorstandsvorsitzender Michael Grahammer ist angesichts der Umstände aber zufrieden. Man liege im Plan.

Kritik an Bewertung

Dass das Ergebnis vor Steuern um 70 Prozent auf knapp 29 Millionen Euro zurückging, liegt laut Grahammer vor allem an negativen Bewertungseffekten. Das sieht er kritisch. Die nach IFRS zwingend vorgeschriebene Bewertung eigener Verbindlichkeiten über die Erfolgsrechnung sei eine „sinnbefreite Regelung“. Zudem musste die Hypo für den europäischen Abwicklungsfonds 6,4 Millionen Euro aufwenden. Und das Zinstief führte dazu, dass trotz gesteigertem Kreditvolumen der Zinsüberschuss dennoch um rund fünf Prozent zurückging.

Aber es gibt auch Positives zu berichten. Die Kunden halten trotz der Schlagzeilen der vergangenen Monate rund um Panama-Papers und Untersuchungsausschuss weiterhin an ihrer Bank fest. Das zeigt sich daran, dass die Verbindlichkeiten um 17 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro stiegen. Die Kunden hätten uneingeschränktes Vertrauen in die Stabilität der Hypo, freut sich Grahammer. Ebenfalls zufrieden ist er mit der Eigenkapitalausstattung. Eigenmittel und Kernkapitalquote wurden weiter gesteigert.

Gut, aber unter Vorjahr

Wie geht es weiter? Klar ist, die Belastungen bleiben den Banken erhalten. Auch für das Gesamtjahr rechnet Grahammer deshalb zwar mit einem „guten Ergebnis, das operativ aber unter den Vorjahren liegt“. Einen positiven Effekt hätte jedenfalls eine Einigung in der Causa Heta. Eine Lösung zeichne sich ab, bis Oktober solle ein neues Angebot des Ausgleichszahlungsfonds vorliegen. Damit sollte eine Insolvenz vom Tisch sein und wieder Ruhe einkehren. Auch weil sich internationale Anleger deshalb zuletzt scheuten, österreichische Anleihen zu normalen Bedingungen zu zeichnen. Wie auch immer das Jahr 2016 für die Hypo Vorarlberg letztlich wird, eines steht schon fest: Der Vorstandsvorsitzende, der die Jahresbilanz präsentiert, wird dann Michel Haller heißen.

Diese hohen Liquiditätszuflüsse zeigen das Kundenvertrauen.

Michael Grahammer

Zahlen

Hypo Vorarlberg: 1. Halbjahr 2016

» Ergebnis vor Steuern: 28,9 Mill. Euro (-72%)

» Operatives Ergebnis: 49 Mill. Euro (-10,0%)

» Zinsüberschuss: 84,9 Mill. Euro (-5,2%)

» Verbindlichkeiten gegenüber Kunden: 5,8 Mrd Euro (+17,1%)

» Eigenmittel: 1,2 Mrd. Euro (+10,5%)