„EU-Beitritt hat Ungarn zum Teil geschadet“

Markt / 21.09.2016 • 19:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
200 Mitarbeiter sind in Ungarn für den Vorarlberger Wellpappeproduzenten tätig. Foto: Rondo ganahl
200 Mitarbeiter sind in Ungarn für den Vorarlberger Wellpappeproduzenten tätig. Foto: Rondo ganahl

Rondo Ganahl ist seit über 20 Jahren in Budapest in der Wellpappeproduktion tätig.

FRASTANZ. (cro) Österreich und Ungarn, da ist was? Nein nicht die gute alte k.u.k-Monarchie ist gemeint, sondern die politische Verstimmung beider Nationen. Besonders die Diskussion um die Flüchtlinge trübte zuletzt politisch das Verhältnis zwischen den ehemaligen Brüderstaaten. „Zum Glück hat die Wirtschaft bis zu einem gewissen Grad eigene Gesetze“, meint Dieter Gruber, Vorstandsvorsitzender der Rondo Ganahl AG. „Auf die wirtschaftlichen Beziehungen hat sich das nicht ausgewirkt. Bei uns ist jedenfalls davon nichts zu spüren.“ Das Vorarlberger Paradeunternehmen mit Stammsitz in Frastanz hat seit 1995 ein eigenes Werk in Budapest, in dem Wellpappe produziert wird. Stattliche 200 Mitarbeiter beschäftigt Rondo Ganahl am Standort Ungarn und erwirtschaftet dabei einen Jahresumsatz von 40 Millionen Euro. Produziert wird vorwiegend für den ungarischen Markt.

Relativ kleiner Markt

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs erlebten die Magyaren einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Doch ausgerechnet der EU-Beitritt im Jahr 2004 wirkte sich zum Teil negativ aus. „Internationale Unternehmen zogen sich aus dem Land zurück, weil der relativ kleine Markt von etwa zehn Millionen Konsumenten auch von schon bestehenden großen Produktionsstandorten – zum Beispiel Polen – bedient werden konnte. Man hat somit Produktionsstätten zusammengelegt, was zum Teil Ungarn geschadet hat“, weiß Gruber. Das war mitverantwortlich dafür, dass Viktor Orban 2010 an die Macht kam. Der umstrittene Premier lockte unter anderem Industriebetriebe mit Steuervorteilen ins Land. Noch in den Jahren 2014 und 2015 zählte Ungarn zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften in Europa. In den ersten drei Monaten dieses Jahres ist die Wirtschaftsleistung allerdings um 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal geschrumpft.

Ungarn optimistisch

Die Ungarn sind ein Volk, das auch wegen der vergangenen Zeiten nicht gerade vor Optimismus sprüht. „Dennoch haben wird dort auch sehr fleißige und leistungsorientierte Mitarbeiter“, zeigt sich Gruber sehr zufrieden mit der Entwicklung. Rondo hat es aus der Sicht des Vorstandsvorsitzenden mittlerweile geschafft, als ungarisches Unternehmen betrachtet zu werden.

Der Austausch zwischen der Zentrale in Frastanz und dem Werk in Budapest ist rege. „Ein ehemaliger Mitarbeiter unseres ungarischen Werks ist heute IT-Leiter am Standort in Frastanz“, nennt Gruber ein Beispiel.

Rondo Kft, Budapest

» Werkseröffnung 1995

» heute 200 Mitarbeiter

» 40 Mio. € Umsatz