Elf Schnittstellen, fünf Partner und ein Ziel

Markt / 23.10.2016 • 19:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Viele Partner wirkten mit, um den Güterzug auf die Schiene nach Rotterdam zu bringen.  FOTO: VN/Steurer
Viele Partner wirkten mit, um den Güterzug auf die Schiene nach Rotterdam zu bringen.  FOTO: VN/Steurer

Zwei Mal pro Woche schickt Gebrüder Weiss seit Kurzem einen Güterzug von Vorarlberg nach Rotterdam.

LAUTERACH. (VN-sca) Vorarlberg ist Exportweltmeister. Jahr für Jahr werden mehr Industriegüter aus dem Land in alle Welt verschickt – aber natürlich müssen dafür auch jedes Jahr mehr Rohstoffe ins Land transportiert werden. Oft auf der Straße, aber immer öfter und wenn möglich mit der Bahn.

Dieser Transport funktioniert jetzt auch in Richtung Rotterdam. Nach dreijähriger Vorlaufzeit und mit dem Kunden Blum Beschläge an der Seite hat der Vorarlberger Logistiker Gebrüder Weiss im Mai den regelmäßigen Güterverkehr in den Hafen Rotterdam gestartet. Zwei Mal monatlich rollt der Zug in die Niederlande. Transportiert werden 1000 Container, die in einem der größten Seehäfen der Welt und dem mit Abstand größten Tiefwasserhafen Europas dann auf Schiffe verladen werden.

Ökonomisch und ökologisch

„Die Herausforderung war“, so Michael Kramer vom Gebrüder Weiss Air and Sea Terminal in Wolfurt, „nicht so sehr der Transport Vorarlberger Produkte nach Rotterdam, sondern die Auslastung des Zuges bei der Rückfahrt nach Vorarlberg.“ Fünf Partner mit elf Schnittstellen waren in die Logistikaufgabe eingebunden, denn die Auslastung war den Beteiligten aus ökonomischer wie ökologischer Sicht wichtig. Rund 600 Meter lang ist so ein Zug, transportiert werden pro Fahrt 1600 Tonnen. Wenn die Güter aus Vorarlberg am Hafen entladen werden, nimmt der Zug als Retoure Rohstoffe vom Blum-Lieferanten Wuppermann mit ins Land. „Das funktioniert sehr gut“, bestätigt auch Ingmar Blum, bei Blum Beschläge für die Transportlogistik und damit auch für dieses Projekt zuständig. „Für uns ist die Verbindung von großer Bedeutung. Wir transportieren bereits 37 Prozent unserer Ware mit der Bahn. Der Zug hat für unsere Firma auch im Sinne der Nachhaltigkeit höchste Priorität. Wo es geht, wollen wir auf den Lkw verzichten.“ Und: Auch die Kontinuität und die Zuverlässigkeit sprechen für dieses Transportmittel. Dass die neue Transportmöglichkeit für Blum maßgeschneidert ist, zeigt die Auslastung. „Geplant waren 20 Container, jetzt transportieren wir zwischen 25 und 30 Container mit dem Zug“, so Blum. Werbung für das Transportmittel Bahn ist für Willibald Nigsch, Niederlassungsleiter von Gebrüder Weiss in Wolfurt und Feldkirch, wichtig. „Wir wollen damit auch anderen Firmen diese wirtschaftliche und umweltfreundliche Transportmöglichkeit offerieren.“

Und man habe bei Gebrüder Weiss die Möglichkeit dazu. „Keiner unserer Mitbewerber kann das bieten“, so Nigsch. Für andere Firmen ist der Güterzug nach Rotterdam bereits eine Option, denn Blum sorgt zwar für die Grundauslastung, aber bestückt nicht den ganzen Zug. Die Nachfrage ist so groß, dass eine dritte Verbindung in Planung ist.

Vorrang für die Bahn

„Uns sind fünf Güterzüge lieber als 200 Lkw“, so Franz Zauner, Repräsentant des Hafens Rotterdam in Österreich. Man habe deshalb das Projekt, in das auch Rail Cargo Österreich eingebunden ist, von Anfang an unterstützt und die notwendigen Slots und Terminalzeiten zur Verfügung gestellt und werde das weiterhin machen. „Rotterdam bietet sich für die Vorarlberger Wirtschaft auch deshalb an, weil wir in den meisten Fällen der erste Hafen sind, der angelaufen wird, und der letzte, wenn die Schiffe wieder auslaufen.“ Das erhöht die Effizienz für die Kunden. Für Vorarlberg ist Rotterdam auch eine Alternative zum Hafen Hamburg, über den ebenfalls viele Waren aus den heimischen Fabriken transportiert werden.

Zwölf Millionen Container werden im riesigen Hafen in Rotterdam umgeschlagen. Dieses erstreckt sich über ein Gebiet von 40 Quadratkilometern und ist für rund 300.000 Menschen Arbeitsplatz. Neben der Bahn und dem Lkw wird die Ware auch mit Binnenschiffen in den niederländischen Hafen transportiert, der für weiteres Wachstum gewappnet ist.