Die Kosten überholen den Umsatz

Markt / 16.01.2017 • 20:17 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Höhere Auslastung in Hotellerie. Aber Analyse zeigt, Gebühren und Steuern rennen Zimmerpreisen davon.

Wien. (VN) Die Auslastung der rund 808.000 gewerblichen Betten von 206.000 Betrieben im heimischen Tourismus ist zuletzt auf knapp über 40 Prozent gestiegen, so eine Analyse der Statistik Austria. Die Bettenkapazitäten seien aber auf die Spitzenzeiten ausgerichtet, kontert die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV). Demnach reißen die Zwischensaisonen den Durchschnitt nach unten. Derzeit profitiere der heimische Tourismus sehr von der international unsicheren Lage, die viele Touristen eine Urlaubsentscheidung für Österreich treffen lasse. Dieser Trend überdecke momentan eine Strukturschwäche, die in der Branche gegeben sei.

Denn eine andere Analyse zeigt ein differenzierteres Bild, den Jubelmeldungen über Nächtigungsrekorde im Tourismus zum Trotz. Demnach sind die Umsätze laut einer Analyse des Branchenexperten Clemens Westreicher für die ÖHV von 2010 bis 2015 zwar um 27 Prozent gestiegen, jedoch sind die Kosten um 29 Prozent nach oben geklettert. Der Fachmann hat dafür mehr als 3000 Bilanzen von Tourismusbetrieben analysiert.

Teure Bürokratie

„Das rückt die oft gefeierten Nächtigungsrekorde ins rechte Licht: Die Steuern, Abgaben und Gebühren galoppieren den Zimmerpreisen davon“, kommentiert ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer. Viele Gesetzesänderungen seien der Branche teuer zu stehen gekommen – etwa die Streichung der Energieabgabenvergütung, die Anschaffung neuer Kassensysteme, die Auflösungsabgabe, die Allergenverordnung oder Investitionen in den Nichtraucherschutz. Ab 2016 hätten sich auch die Erhöhung der Umsatzsteuer von 10 auf 13 Prozent, die Verlängerung der Abschreibungsdauer um sieben Jahre und die erhöhte Grunderwerbsteuer in den Bilanzen negativ ausgewirkt. Dass die Bettenanzahl zuletzt trotzdem stieg, sei auf ein Wachstum einiger Großer in der Top-Kategorie zurückzuführen, während „Kleine reihenweise zusperren“, erläutert die Österreichische Hoteliersvereinigung.