Hubert Rhomberg

Kommentar

Hubert Rhomberg

Extrem stark

Markt / 20.01.2017 • 22:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Wir sind schon wieder voll im neuen Jahr angekommen und blicken erwartungsvoll in die Zukunft. Werden sich die Hektik und die Fragilität weiter beschleunigen?

Hier eine These dazu: Das Internet revolutioniert die Gesellschaft, denn es sorgt für eine Machtverschiebung vom Anbieter hin zum Nachfrager. Das liegt vor allem an der vollkommen neuen Systemarchitektur, die das weltweite Netz auszeichnet und die sich vor allem in drei Elementen zeigt. Vorab in einer enormen Zunahme der Vernetzungsdichte: Jeder kann in Echtzeit alles erfahren; dann in der Spontanaktivität in den Netzwerken: Jeder kann sofort und ungefiltert auf Neuigkeiten reagieren; und drittens, als Voraussetzung, in der Bereitstellung von Techniken wie der Retweet-Funktion bei Twitter, die die Grundlage bilden für eine um sich selbst kreisende und sich immer schneller zuspitzende Erregung.

Kurz gesagt: Das Internet und speziell die sozialen Netzwerke haben die Tendenz zur Selbstaufschaukelung. Eine unbedachte Äußerung, ein nicht sofort und transparent kenntlich gemachter, oft vielleicht sogar nur vermeintlicher Produktfehler können so innerhalb weniger Momente zu einem veritablen Shitstorm und irreparablen Imageschäden führen. Beispiele dafür gibt es genug.

Ob und wann der Sturm losbricht, lässt sich allerdings nicht vorhersagen. Wird eine Information nicht ausreichend geteilt, passiert nämlich rein gar nichts. Zudem ist das Internet ein nichtlineares System, da sitzt immer der Schmetterlingseffekt dazwischen; geringfügigste Änderungen in den Anfangsbedingungen können also zu einem völlig anderen Ergebnis führen.

Nichtsdestotrotz gibt es eine Möglichkeit, solche Entwicklungen zu antizipieren: Sie heißt Empathie, also: Wahrnehmung dessen, was resonanzfähig ist. Wer einigermaßen nah dran ist am Menschen und am (Meinungs-)Markt, der kann zwar immer noch nicht vorhersehen, was passiert, aber er hat ein Gefühl für die Resonanzmuster der Gesellschaft.

Wir können es uns nicht leisten, uns nicht zu ändern!

An diesem Punkt brauchen wir ein Umdenken. Jedem muss klarwerden, dass die Machtverhältnisse sich verschoben und wir extrem starke Kunden, extrem starke Mitarbeiter, extrem starke Bürger haben. Wenn es nicht gelingt, darauf angemessen zu reagieren, dann bekommen wir in den nächsten Jahren gravierende Probleme.

Momentan bin ich mir aber nicht so sicher, ob unsere aktuellen Systemverantwortlichen das verstanden haben. Da sitzen alle wie das Kaninchen vor der Schlange und sind von der Dynamik der Bewegungen überfordert. Bei weiterem Stillstand prognostiziere ich einen politischen Umbruch mithilfe genau der oben beschriebenen Mechanik und Geschwindigkeit.

Wir können es uns nicht leisten, uns nicht zu ändern!

markt@vn.at
Hubert Rhomberg ist Baumeister und Geschäftsführer der Rhomberg Holding.