Vom Schraubenschlüssel, der zur Maschine wird

20.01.2017 • 17:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Für Manuela Auer und Gabi Sprickler-Falschlunger ist das Thema „Arbeit 4.0“ von großer Bedeutung und eine Herzensangelegenheit. Foto: SPÖ
Für Manuela Auer und Gabi Sprickler-Falschlunger ist das Thema „Arbeit 4.0“ von großer Bedeutung und eine Herzensangelegenheit. Foto: SPÖ

Wie die SPÖ Vorarlberg die Arbeitnehmer auf die neue Arbeitswelt vorbereiten will.

Bregenz. (VN-reh) Die Industrie hat in den vergangenen Jahrhunderten viele Meilensteine vollbracht. Vom ersten mechanischen Webstuhl bis hin zur Elektrifizierung und dem Einzug der Computer. Heute stehen die Fabriken noch stärker im Wandel als je zuvor. Viele Techniken werden digitalisiert, Abläufe automatisiert, Kommunikation neu gedacht. Industrie 4.0 nennt sich diese industrielle Revolution, die schon längst im Alltag vieler Unternehmen angekommen ist. Davon sind auch die Arbeitnehmer betroffen, die sich künftig deshalb ganz neuen Anforderungen hinsichtlich Bildung und Weiterqualifizierung stellen müssen. „Wer bisher mit dem Schraubenschlüssel gearbeitet hat, wird in Zukunft eine Maschine programmieren müssen, die die Arbeit des Schraubenschlüssels erledigt“, umreißen SPÖ-Landesvorsitzende Gabi Sprickler-Falschlunger und AK-Vizepräsidentin Manuela Auer das Thema „Arbeit 4.0“, das nun auf ihrer Agenda steht. Es sei höchst an der Zeit, die Arbeitnehmer auf die Umwälzungen in der Arbeitswelt vorzubereiten, und nicht einfach zu hoffen, dass sich die Herausforderungen von selbst lösen, sagen sie über ein Thema, das tief in den sozialdemokratischen Wurzeln verankert ist.

„Jobs gehen verloren, neue entstehen. Viele Wertschöpfungsketten greifen betriebsübergreifend. Es wird völlig neue Beschäftigungsverhältnisse geben. Arbeiten werden virtuell erledigt, andere arbeiten auf Basis von Werkverträgen“, betont Auer. Das erschwere besonders die sozialrechtliche Absicherung und brauche deshalb neue Denkansätze. Die klassische Biografie – Schule, Lehre und einen oder zwei verschiedene Arbeitsplätze bis zur Pension – werde künftig jedenfalls obsolet.

Viel Vorbereitung auf die neue Arbeitswelt beginnt bereits in der Schule, ist sich Sprickler-Falschlunger sicher. Die Forderung von Bundeskanzler Christian Kern nach einem eigenen Tablet ab der Volksschule sei daher absolut richtig. Zudem müsse man die sogenannten „MINT“-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) stärken. Denn bereits heute gebe es viel zu wenige Absolventen von HTL und Universitäten in diesem Bereich. Vom Frauenanteil ganz zu schweigen. Das Projekt „Arbeit 4.0“ brauche allerdings starke Partner und politischen Gestaltungswillen. Gabi Sprickler-Falschlunger und Manuela Auer wollen nun unter der Führung des Landes eine Plattform initiieren, in der neben Gewerkschaft, Arbeiterkammer, AMS, Industriellen- und Wirtschaftskammer auch die Fortbildungsinstitutionen eingebunden sind. Welche Maßnahmen notwendig sind und was diese kosten, soll ein Experte aus dem Ausland erheben. Erst dann könne man sagen, wieviel Budget das Projekt benötige, um die notwendigen Qualifizierungsmaßnahmen und Lehrpläne zu finanzieren.

Es soll schnell gehen

Einen entsprechend Antrag wollen die Sozialdemokraten nach ihrem Parteitag Ende März einbringen. Danach soll es schnell gehen. „Wir können nicht ewig diskutieren und so die Sache, bei der wir sowieso schon spät dran sind, verschlafen“, sagt die SPÖ-Landesvorsitzende, die das Thema gleichbedeutend mit der Integration gewichtet. Sie erwarte sich jedenfalls viel Unterstützung vonseiten der angesprochenen Partner. „Das Thema kann man ja gar nicht unsinnig finden.“

Wir müssen die Arbeitnehmer begleiten und qualifizieren.

Gabi Sprickler-Falschlunger