Strommarkt: Vorarlberg setzt auf Kretschmann

Markt / 22.01.2017 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
LH Wallner baut auf die Hilfe von MP Kretschmann. Foto: Serra
LH Wallner baut auf die Hilfe von MP Kretschmann. Foto: Serra

Vorarlberg stemmt sich weiter gegen das Ende der deutsch-österreichischen Strompreiszone.

Bregenz. (VN-sca) Sicher ist sicher, denkt sich Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner im seit Herbst schwelenden Streit um die Trennung des bislang deutsch-österreichischen Strommarktes (die VN berichteten mehrfach). Zwar befinde  sich das Land aufgrund gültiger Verträge, die bis 2041 gelten, in einer rechtlich gut abgesicherten Position. Das ändere aber nichts daran, dass eine mögliche Trennung den Interessen Vorarlbergs entgegenstehe, so Landeshauptmann Markus Wallner gegenüber den VN. Auf das energiepolitisch eng mit Vorarlberg verbundene Baden-Württemberg treffe das ebenso zu. Der Landeshauptmann hat daher Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann nun um Unterstützung und enge Abstimmung ersucht.

Starke Partnerschaft

Mit Baden-Württemberg besteht seit Jahrzehnten eine Energie-Partnerschaft. Bereits die Gründung der Illwerke AG im Jahr 1924 wurde von den Oberschwäbischen Elektrizitätswerken (OEW) unterstützt. Seit 1930, dem Jahr der Inbetriebnahme des Vermuntwerkes, liefern die Illwerke Spitzen- und Regelenergie nach Deutschland und damit auch nach Baden-Württemberg. Die Kraftwerksgruppe Obere Ill – Lünersee ist seit diesem Zeitpunkt über Kraftwerksdirektleitungen Bestandteil des deutschen Regelblocks. Die Zuordnung der Illwerke-Kraftwerksanlagen und -leitungen zum deutschen Regelblock ist im November 2011 bestätigt worden.

Deutscher Regelblock

Selbst bei einer Trennung der deutsch-österreichischen Strompreiszone sollte diese Zuordnung und Zusammenarbeit „nicht beeinträchtigt werden“, schreibt Wallner an den grünen Ministerpräsidenten Kretschmann. Die Zuordnung der Vorarlberger Illwerke zum deutschen Regelblock liege sowohl im Interesse von Vorarlberg als auch im Interesse Baden-Württembergs, begründet Wallner seine Bitte um Unterstützung: „Sie ist Zeichen einer langjährigen, erfolgreichen Zusammenarbeit.“ Wie stark die Partnerschaft sei, zeige sich auch daran, dass die Illwerke im Fall eines europäischen „Blackout“ Ausgangspunkt für den Netzwiederaufbau in Baden-Württemberg wären, argumentiert Wallner in seinem Schreiben an den Ministerpräsidenten.

Beschwerde der E-Control

Aber nicht genug mit der Bitte um Unterstützung an die Baden-Württemberger – das Land unterstützt auch ausdrücklich die Beschwerde, die jüngst die österreichische E-Control gegen die Trennung der deutsch-österreichischen Strompreiszone  eingelegt hat. Die Austro-Regulatoren sind der Ansicht, dass die europäische Regulierungsagentur ACER gar nicht befugt ist, über die Preiszone zu entscheiden. „Vorarlberg unterstützt alle Maßnahmen, die den Erhalt der gemeinsamen Strompreiszone zum Ziel haben. Auch mit dem Bund halten wir in dieser für den Standort Vorarlberg wichtigen Frage engen Kontakt“, betont der Landeshauptmann.

„Stromautobahn“ zwischen Vorarlberg und Deutschland könnte blockiert werden. Land wehrt sich dagegen. Foto: meznar
„Stromautobahn“ zwischen Vorarlberg und Deutschland könnte blockiert werden. Land wehrt sich dagegen. Foto: meznar

Stichwort

Gemeinsamer Strommarkt. Österreichische Energieversorger kaufen derzeit in großem Umfang deutschen Strom, der durch die deutsche Energiewende billig ist und im Überangebot vorliegt. Das Handelsvolumen beträgt in der Spitze bis zu acht Gigawatt, die Leitungen zwischen den Ländern können aber nur drei bis vier Gigawatt transportieren. Die fehlende Kapazität erfordert teure Eingriffe in den europaweiten Stromfluss.

Die europäische Regulierungsagentur ACER hat deshalb im November die Trennung des gemeinsamen sogenannten Regelblocks beschlossen. Doch aus Sicht der österreichischen E-Control ist ACER nicht befugt, über die Preiszone zu entscheiden. Deshalb hat E-Control Beschwerde gegen die Entscheidung eingelegt.