Den Unkenrufen zum Trotz

Markt / 26.01.2017 • 22:23 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Für Elmar Herburger soll die Tourismusstrategie langfristig über Strukturen abgesichert werden. VN/Hofmeister
Für Elmar Herburger soll die Tourismusstrategie langfristig über Strukturen abgesichert werden. VN/Hofmeister

Neuer Tourismusobmann Elmar Herburger über Belastungsgrenzen und eigene Wege.

Rankweil. Spätestens wenn im Herbst die neue Tourismusausbildung an den Start geht, zeigt sich, was im Land alles möglich ist, was vorher als nicht umsetzbar galt. Über dreieinhalb Jahre lang hat die Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer darum gekämpft und am Ende vielen Unkenrufen getrotzt. „Die Schule hat viel Kraft gekostet“, sagt Elmar Herburger. Er ist seit gestern der neue Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft.

Dass er es sein würde, der die Nachfolge des neuen Wirtschaftskammerpräsidenten Hans-Peter Metzler antritt, lag quasi auf der Hand. Schließlich war er nicht nur Bildungssprecher, sondern hat als Stellvertreter alle Projekte maßgeblich mitbegleitet, insbesondere jene der Tourismusstrategie 2020. Viele Aktivitäten sind bereits angelaufen, andere gilt es fertig zu entwickeln. Immer mit dem Ziel, Regionalität, Nachhaltigkeit und Gastfreundschaft in den Vorarlberger Tourismusbetrieben erlebbar zu machen.

Das alles verlangt nach Erfahrung und Kontinuität. Dafür sorgt Herburger. Der Chef des Traditionsgasthofs und Hotels Mohren in Rankweil weiß, was Hartnäckigkeit bedeutet. Und sie gibt ihm und seinen Mitstreitern recht. So werde die Tourismusausbildung „Gascht“, bei der viele anfangs sagten, das gehe nicht, im Herbst sicher mit drei vollen Klassen starten. Zudem haben bereits andere Bundesländer angeklopft, die dem Beispiel Vorarlbergs folgen wollen. Das Schulsystem sei inhaltlich wie methodisch revolutionär und biete künftig auch Quereinsteigern alle Chancen, sagt Herburger über den Vorarlberger Weg, der die touristische Zukunft maßgeblich absichern soll.

Arbeitgebermarke werden

Den Mitarbeiter im Tourismus sehe man dabei schon längst nicht nur als reine Arbeitskraft. „Wir fahren hier eine andere Politik als andere Destinationen. Wir wollen die Mitarbeiter hochleben lassen, sie an Vorarlberg binden, genauso wie wir es mit den Gästen tun“, sagt Herburger. Das Ziel sei es, zur Arbeitgebermarke zu werden. Neben einheimischen Arbeitskräften brauche man aber auch jene aus dem Ausland. Jährliche Kürzungen bei den Saisonierkontingenten würden daher bei den Tourismusbetrieben nur für Unruhe sorgen. Ein vollumfassendes Verständnis der Politik für die Tourismusbranche sieht Herburger jedenfalls nicht. 

Negative Stimmung

Denn die Tourismusbetriebe sehen sich immer mehr den Mühlen der Bürokratie ausgesetzt. Die Allergenverordnung oder der erhöhte Mehrwertsteuersatz hätten den Unmut unter seinen Kollegen nur verstärkt, sagt Herburger, der die Stimmung in der Branche derzeit negativ sieht. „Nicht weil die Geschäfte schlecht laufen oder die Gäste unzufrieden sind, sondern weil man auf der einen Seite gefordert ist, ständig zu investieren, und man auf der anderen Seite jedoch mit Fachkräftemangel und Überbürokratisierung konfrontiert ist“, umschreibt der Spartenobmann den Ärger um ständig neue Verordnungen und Kontrollen. Damit würden viele an ihre Grenzen stoßen. Irgendwann reiche es ihnen einfach.

Zumindest sehe er vonseiten des Landes Vorarlberg und der Behörden ein Bemühen und Verständnis dafür, dass viele Gesetze und Verordnungen durchforstet gehören. „Wir als Dienstleistungsbranche können ja weder rationalisieren noch automatisieren. Wir sind es, die künftig die Arbeitsplätze sichern“, fordert der Spartenobmann Erleichterungen für die Branche in Form von Lohnnebenkostensenkung, Verwaltungsvereinfachungen und Arbeitszeitflexibilisierungen.

Nebensaisonen vermarkten

Die aktuelle Analyse, dass die Bettenauslastung in Vorarlberg mit 40 Prozent im Winter und 30 Prozent im Sommer zu gering ist, sieht Herburger indes zwiespältig. Denn berechnet wird immer ein halbes Jahr. „Wenn ein Saisonbetrieb vier Monate im Jahr zu hat oder im Rheintal 80 Prozent der Zimmer unter der Woche auf Einzelzimmer-Basis vermietet werden, dann senkt das natürlich die Bettenauslastung insgesamt.“ Zudem würden in der Berechnung alle Betten – vom Privatzimmer bis zum 5-Sterne-Hotel – einbezogen, zeigt Herburger die Diskrepanz. Dennoch ist er davon überzeugt, dass man die Vor- und Nebensaisonen künftig zielgerichteter vermarkten muss. Hier gebe es noch Potenzial, weil es für viele Betriebe wirtschaftlich wichtig wie notwendig sei, auch um die Mitarbeiter zu halten.

Zur Person

Elmar Herburger

neuer Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft

Geboren: 4. Juni 1955

Ausbildung/Laufbahn: Hotelfachschule, seit 1979 Hotel Gasthof Mohren Rankweil, 2010-2015 Obmann-Stv. der Sparte Tourismus