Trotz Vollzeitjob an der Armutsgrenze

26.01.2017 • 21:23 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Leistung soll sich lohnen: Gewerkschaft vida will mindestens 1500 Euro KV-Mindestlohn.

Dornbirn. (VN-reh) Wer 40 Stunden pro Woche arbeitet, soll auch so viel verdienen, dass er davon leben kann, fordert die Verkehrs- und Gastronomiegewerkschaft vida. Denn für den Vorarlberger Landesvorsitzenden und Betriebsratsvorsitzenden der ÖBB-Produktion, Reinhard Stemmer, muss sich Leistung lohnen. „Allerdings können viele Menschen trotz Vollzeitjob nicht von ihrer Arbeit leben.“ Dass so viele Menschen an der Armutsgrenze leben, sei Österreichs nicht würdig.

Jeder Achte gefährdet

Die Schwelle zur Armutsgefährdung liegt aktuell bei 1163 Euro im Monat für einen Einpersonenhaushalt. In Österreich gebe es nach Zahlen der Statistik Austria 356.500 Beschäftigte, die mit einem Vollzeitjob weniger als 1500 Euro brutto monatlich verdienen, kritisert Stemmer. Das entspricht 1198 Euro netto. Das seien Jobs im Kleintransportgewerbe oder im Hotel- und Gastgewerbe, Friseure, Reinigungspersonal, Gebäudereiniger oder Beschäftigte im Bewachungsgewerbe. In Vorarlberg schätzt er die Zahl auf rund 40.000 Menschen. In vielen Kollektivverträgen würde der Mindestlohn derzeit unter 1500 Euro liegen, bei Taxifahrern sogar unter 1300 Euro. Deshalb müsse man einen Mindestlohn 1500 Euro sofort umsetzen. Das sei aber die absolute Untergrenze, denn das nächste Etappenziel laute 1700 Euro. Damit würde man den Betroffenen auch ihre Würde zurückgeben.

Das Argument, dass viele Unternehmen bereits über dem Kollektivvertrag bezahlen, beeindruckt Stemmer indes nicht. Denn dafür müssten die Mitarbeiter auch mehr arbeiten als 40 Stunden in der Woche.

Sonderverhandlungsrunde

Die Gewerkschaft fordert nun Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl in einem Brief dazu auf, eine Sonderverhandlungsrunde einzuberufen, um die Kollektivvertrags-Mindestlöhne so bald wie möglich anzuheben. Vorteile hätte das nicht nur für die Beschäftigten, sagt Stemmer. Mehr Lohn bedeutet mehr Konsum und das kurble wiederum die Wirtschaft an.