Hannes Androsch

Kommentar

Hannes Androsch

Jetzt handeln

Markt / 27.01.2017 • 22:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Wir leben in aufgewühlten und unsicheren Zeiten. Für die erfolgreiche Bewältigung der Turbulenzen und Veränderungen braucht es Zuversicht, Hoffnung und Optimismus samt entschlossenem Handeln. Dafür wiederum ist eine Analyse der Ursachen und Zusammenhänge sowie der daraus resultierenden Notwendigkeiten unabdingbar.

Um den inzwischen auch offiziell eingeräumten Stillstand zu überwinden, gilt es vom Pannenstreifen wieder auf die Überholspur zu wechseln. Einige Staaten, darunter die Schweiz und Deutschland, haben uns bereits erfolgreich vorexerziert, wie dies gelingen kann.

 

Dafür benötigen wir in erster Linie eine höhere Wettbewerbsfähigkeit und größere Standort­attraktivität. Dafür ist wiederum das allgemeine Bildungsniveau durch längere vorschulische Betreuung und die Umsetzung autonomer Ganztagsschulen anzuheben. Ebenso müssen unsere Universitäten durch Studienplatzfinanzierung besser ausgestattet und effizienter gemanagt werden. Die Forschung braucht endlich wieder mehr finanzielle Mittel. Unsere Rekordsteuerbelastung, die weltweit zu den höchsten zählt, ist etwa auf deutsches Niveau zurückzuführen, zugleich sind die hypertrophen Lohnnebenkosten um fünf Milliarden Euro zu verringern.

Es bedarf auch der Hinterfragung unserer Rekordsozialquote auf Treffsicherheit. Auf den Prüfstand gehören zudem das luxuriöse Frühpensionssystem, die problematische Familienförderung, das zersplitterte und aufwendige Gesundheitswesen, das intransparente Förderungswesen und die wenig wirkungsvolle Arbeitsmarktpolitik. Der Regulierungsdschungel und die strangulierende Überbürokratisierung gehören beseitigt. Die Arbeitszeitregelungen sind zeitgemäß und auftragsbezogen zu gestalten.

 

Das sind die Voraussetzungen zur Überwindung des stotternden Wachstums, der zu geringen Produktivitätsentwicklung, der zurückgegangenen Innovationsdynamik und der anhaltenden Innovationsschwäche. Nur dann werden wir die Rekordarbeitslosigkeit, die immer Ausdruck einer mangelhaften Wirtschaftspolitik sowie Folge von Fehlanreizen ist, abbauen und die Schieflage der öffentlichen Haushalte überwinden können.

Wir haben die in den Neujahrsappellen enthaltenen sinnvollen Vorschläge vernommen, darunter insbesondere jene von Kanzler Kern. Bei all diesen Botschaften gibt es zahlreiche Übereinstimmungen oder Schnittmengen. Diese gilt es nun zu nutzen. Was letztlich zählt, sind nicht Worte oder Ankündigungen, sondern Taten. Die Knochen der Worte werden, wenn sie umgesetzt werden, zu wirkungsmächtigem Fleisch. Jetzt müssen Nägel mit Köpfen gemacht werden. Das wäre die beste Wahlwerbung.

Es gilt, vom Pannenstreifen wieder auf die Überholspur zu wechseln.

markt@vn.at
Dr. Hannes Androsch ist Finanzminister i. R. und Unternehmer.