Wenn sicher nicht mehr sicher ist

Markt / 03.02.2017 • 18:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Patrick Schuchter
Patrick Schuchter

Rankweil. Das Börsenjahr 2017 ist erst wenige Tage alt, nichtsdestotrotz lassen sich bereits erste interessante Tendenzen aus den Kursentwicklungen ableiten. Insbesondere die Entwicklung an den Anleihenmärkten dürfte viele Anleger nicht gerade erfreuen.

Seit 2012 befand sich der europäische Anleihenmarkt im Aufwärtstrend und zauberte vor allem defensiv orientierten Anlegern mit hohem Sicherheitsbedürfnis ein Lächeln ins Gesicht. Seit Sommer 2016 aber hat sich das Blatt nun gewendet und die Zins- und Renditeniveaus befinden sich weltweit im Aufschwung: In den USA stiegen die Renditen von zehnjährigen Staatsanleihen von 1,4 Prozent auf über 2,4 Prozent, in Deutschland von -0,2 Prozent auf fast 0,5 Prozent. Seit Jahresbeginn beschleunigte sich der Trend noch einmal deutlich und sorgt so für rote Vorzeichen im Depot. Wir erleben derzeit die schlechteste Performance von europäischen Staatsanleihen seit Einführung der Gemeinschaftswährung 1999. Und der Druck auf die Kurse dürfte anhalten: Die Inflation in der Eurozone kletterte mit 1,8 Prozent jüngst auf den höchsten Wert seit vier Jahren, und steigende Energie- sowie Rohstoffpreise dürften diese im Jahresverlauf noch höher treiben. Analysten rechnen damit, dass die Renditen von zehnjährigen deutschen Staatsanleihen gegen Jahresende sogar knapp unter einem Prozent notieren könnten, sollte die Inflation wie geplant zulegen.

Für sicherheitsorientierte Anleger wäre dies keine gute Entwicklung: Ein Renditeanstieg von rund 0,4 Prozent bei zehnjährigen deutschen Staatsanleihen entspricht einem Kursverlust von rund vier Prozent, zusätzlich zu den heuer bereits erzielten Verlusten von rund zwei Prozent. Dieses einfache Beispiel zeigt, dass vermeintlich sichere Anlagen in wirtschaftlich guten Zeiten gar nicht so sicher sind und Anleger unter Umständen höhere Verluste in Kauf nehmen müssen, als sie eigentlich bereit sind zu tragen.

Folglich lohnt es sich, Kursgewinne bei defensiven Anleihen aus der Vergangenheit mitzunehmen und in andere Segmente mit besseren Aussichten wie beispielsweise Aktien zu investieren.

patrick.schuchter@vvb.at,
Patrick Schuchter,
Vermögensverwaltung
Volksbank Vorarlberg

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.