Stabile Preise, Innovation Lab

Markt / 06.02.2017 • 22:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vorarlbergs größte Baustelle ist nicht zu sehen: Das Obervermuntwerk II entsteht unterirdisch. Foto: Asaely
Vorarlbergs größte Baustelle ist nicht zu sehen: Das Obervermuntwerk II entsteht unterirdisch. Foto: Asaely

Mit einem „Innovation Lab“ und Investitionen in Kraftwerke rüsten illwerke VKW für die Zukunft.

Bregenz. (VN-sca) „Die Situation im Jänner hat einen Blick auf die Zukunft des Strommarktes freigegeben“, resümiert VKW-Vorstand Helmut Mennel. Allzu rosig war dieser Blick nicht. Denn wegen der extremen Kälte wurde mehr Energie als sonst benötigt, während die französischen Kraftwerke zu wenig lieferten, der Nachschub für Kohlekraftwerke auf Rhein und Neckar wegen Eisbildung stockte und wegen des anhaltend trockenen Wetters die Stauseen unter Wasserknappheit litten. „Die Preise an den Spotmärkten rauschten in die Höhe“, so Mennel.

Regelenergie hat Zukunft

Der Versorgungsengpass bestätigt allerdings den Kurs des Vorarlberger Industriekonzerns, so Vorstand Christof Germann, in neue Kraftwerke zu investieren. Denn genau die Energie, die in den Pumpspeicherkraftwerken Obervermuntwerk II  und Rellswerk erzeugt wird, nämlich Spitzen- und Regelenergie, ist gefragt, wenn in Deutschland in wenigen Jahren nacheinander die Atom- und die Kohlekraftwerke vom Netz genommen werden. Die Arbeiten im Hochmontafon gehen planmäßig voran. Bis im Mai sollen die Bauarbeiten abgeschlossen werden, dann wird das technische Equipment implementiert in die riesigen Felskavernen. Der Betrieb soll im Jahr 2018 anlaufen. Bis dato sind von den 475 Millionen Euro, die für das Kraftwerk Obervermunt II budgetiert wurden, bereits Aufträge in der Höhe von 333 Millionen Euro umgesetzt bzw. vergeben. „Fast 100 Millionen an Unternehmen in Vorarlberg“, betont Germann. Was in Vorarlberg gefertigt werden könne, werde soweit möglich auch hier vergeben. So liefert zum Beispiel die Hans Künz GmbH Rechen und Wehranlagen, und Ludescher Cable Cranes (LCS) sorgt für die Transportsysteme auf der Baustelle. Weitere Betriebe sind Jäger Bau, der Dornbirner Elektriker Elmar Graf und die Installateure Stolz und Wagner.

Auf der Agenda 2017 steht für illwerke VKW die Abwehr der Strommarkttrennung, die weniger für die Illwerke, die ihre Energie komplett nach Deutschland liefern, gefährlich werde, sondern für die VKW, die auf dem internationalen Strommarkt ein- und verkauft. Der Stromkonzern nutze alle Möglichkeiten, diese Trennung zu verhindern, versichert Germann, denn damit verbunden wäre eine Preiserhöhung beim Strom.

Zumindest im laufenden Jahr dürfte der Strompreis stabil bleiben. „Steigerungen sind keine in Sicht“, sagt Mennel, Preissenkungen allerdings auch nicht. Während sich der Strompreis nach dem Hoch im vergangenen Monat auf dem internationalen Markt eher „seitwärts entwickelt, steigt der Preis für Gas wieder“, erklärt Mennel und weist hin, dass man dennoch mit Jahresbeginn 2017 die Gaspreise gesenkt habe.

Kunden sind treu

Die Kunden bleiben den Vorarlberger Kraftwerken seit Jahren treu. Trotz freier Wahl des Stromlieferanten beziehen 98 Prozent der Haushalte in Vorarlberg und im deutschen Lindenberg VKW-Strom. Beweglicher sind die Großkunden, die durchaus „switchen“, wenn es sich rentiert. Rund 20 Prozent der Gewerbekunden sind nicht im Kerngebiet.

Neben dem Tagesgeschäft schaut das Unternehmen in die Zukunft. Die Strategieentwicklung berücksichtigt Investitionen, die innerbetriebliche Effizienz und Innovation. Seit Jahresbeginn arbeiten fünf Mitarbeiter im Innovation Lab, das „losgelöst vom Tagesgeschäft über neue Angebote und digitale Services nachdenkt“. Dafür wurden Fachleute von außen geholt, die einen frischen Blick auf das Stromgeschäft werfen, so Germann.

Konnten Blick auf die Zukunft des Strommarktes werfen.

Helmut Mennel

illwerke VKW Zahlen

» Bilanzsumme 2015:
1,74 Mill. Euro

» Investitionsvolumen:
600 Mill. Euro

» Mitarbeiter 2015: 1276

» Vorstand: Christof Germann, Helmut Mennel

» Aktuelle Projekte: Obervermuntwerk II, Rellswerk, Unternehmensstrategie 2030, Innovation Lab

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