Tschüss Teddybär, Hallo Elektro-Bike

Markt / 22.02.2017 • 22:24 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Die Inflation wird anhand von 770 Produkten berechnet – und das sind nun andere als im letzten Jahr.

Wien. Die Inflationsrate in Österreich ist im Jänner auf zwei Prozent gestiegen, das ist der höchste Wert seit 2013 und macht das Leben für die Menschen im Land auf jeden Fall teurer. Klar, das merkt jeder im Geldbeutel, doch anhand welcher Daten berechnet die Statistik Austria diese Rate überhaupt? Die Statistiker ermitteln dafür die Preise von bisher 801 Produkten und Leistungen, die für das tägliche Leben wichtig sind; das wird wie im richtigen Leben „Warenkorb“ genannt.

Cocktails im Warenkorb

Weil sich die Konsumgewohnheiten und -wünsche der Menschen ändern, ändert sich auch der Inhalt des Warenkorbs immer wieder. Bei der Präsentation der Jänner-Zahlen stellte Konrad Pesendorfer, Chef der Statistik Austria, am Mittwoch auch den neu zusammengestellten Warenkorb vor. Dieser hat nur noch 770 Posten, 36 Produkte sind neu, 67 Waren und Dienstleistungen wurden gestrichen, weil ihre Bedeutung zurückgegangen ist.

Neu erhoben werden nun unter anderem die Preise für E-Bikes, Löskaffee, Pay-TV und Tanzschulen. Herausgefallen sind 67 Waren und Dienstleistungen, von Teddybären bis zu Inlandsflügen, von der Mikrowelle bis zum MP3-Player. „Unser Geschäft ist sehr nüchtern, wir haben nicht den emotionalen Zugang, was uns gefällt“, erklärt Pesendorfer. Die Entscheidung spiegle einfach die Angaben der Konsumerhebung von 2014/15 wider. Das Plüschtier spielt in den Ausgaben der Österreicher keine Rolle mehr. Kriterium ist, dass weniger als ein Tausendstel der Haushaltsausgaben darauf entfallen. „Daher müssen wir manchmal auf den Teddybär verzichten.“

Für die aktuellen 770 Waren und Dienstleistungen werden Monat für Monat knapp 40.000 Preise erhoben. Die Statistiker spüren auch in Vorarlberg den Preisen nach. Die Statistik Austria hat derzeit 80 bis 85 Preisbeobachter, die in 20 Städten die Preise erheben. Zumindest bei Nahrungsmittel soll die Erhebung bald noch effizienter werden: Supermarktketten sollen nach EU-Vorgabe die Daten ihrer Scannerkassen zur Verfügung stellen. Damit würde die Statistik Austria Rabatte durchgehend erfassen, was bisher nur zufällig geschieht, wenn es gerade ein Aktion gibt, während die monatliche Preiserhebung stattfindet. Ganz am Anfang könnte das einen preisdämpfenden Effekt haben, doch der  verschwindet spätestens nach einem Jahr wieder. Andererseits könne man klar messen, welche Produkte Frau und Herr Österreicher am häufigsten kaufen und diese dann für die Inflationsberechnung berücksichtigen. Damit werde die Preisfeststellung wahrheitsgetreuer. Chef-Statistiker Pesendorfer ist zuversichtlich, dass es noch heuer eine Einigung mit dem „überschaubaren Kreis“ der großen Einzelhandelsketten im Land gibt.

Größtes Gewicht

Das größte Gewicht im österreichischen Warenkorb hat die Gruppe Wohnung, Wasser, Energie mit einem Fünftel, ihr Anteil ist im Vergleich

zum bisherigen Warenkorb noch gestiegen, erläuterte Statistik-Austria-Experte Josef Auer. Das sei vor allem darauf zurückzuführen, dass diese Produkte zuletzt im Vergleich zu anderen Produkten teurer geworden sind.

Die Gruppe Verkehr – dazu zählen alle Fortbewegungsmittel und die damit verbundenen Kosten – folgt mit fast 13 Prozent auf Platz zwei, vor den drei Gruppen Essen und Trinken, Freizeit und Kultur sowie Restaurants und Hotels mit jeweils über elf Prozent. Auch das Gewicht von Restaurants und Hotels an den Gesamtausgaben hat zugelegt, ebenfalls wegen Preiseffekten, so Auer. Allerdings haben sich auch die Konsumgewohnheiten geändert. Österreicher essen häufiger auswärts, wobei man auch den Fastfood-Bereich mitbedenken müsse. Erziehung und Unterricht ist bei den Ausgaben der Haushalte mit 1,2 Prozent der kleinste Korb, für Schule und Unis müssen die Haushalte aber nicht direkt zahlen.

Neu im Warenkorb

» Nahrungsmittel und nichtalkoholische Getränke: Laugengebäck, Kuchen / Roulade / Striezel, Fertigteig, Länger frisch Milch*, Frischmilch*, Beeren (ohne Erdbeeren), verpackter Salat, Bonbonniere/ Praline, Babymilchnahrung, löslicher Kaffee

» Bekleidung und Schuhe:
Schal/Tuch, Herrenpantoffel, Herrenfreizeitschuhe

» Verkehr: Pkw, Neuwagen (zehn Positionen), E-Bike, motorbezogene Versicherungssteuer

» Alkoholische Getränke und Tabak: Likör, Spezialbier

» Nachrichtenübermittlung:
Festnetztelefonie*, Mobiltelefonie*, gebündelter Tarif

» Freizeit und Kultur: Hundefutter (nass), Tanzschule, Pay-TV

» Erziehung und Unterricht:
Schulsportwoche *

» Restaurants und Hotels: Cocktails

» Verschiedene Waren und Dienstleistungen: Unfallversicherung

 

*) diese neuen Codes ersetzen alte,
der Konsumzweck bleibt unverändert

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.