„Noten kein Kriterium“

Markt / 24.02.2017 • 10:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Begeisterung und Motivation sagen mehr über die berufliche Zukunft als Schulnoten.  Foto: Collini
Begeisterung und Motivation sagen mehr über die berufliche Zukunft als Schulnoten. Foto: Collini

Schulnoten sagen nicht viel über den zukünftigen beruflichen Erfolg aus.

Lehre. (cro) Die Noten im Abschlusszeugnis sind das Drohmittel der Eltern und Lehrer. Denn ein schlechter Schulabschluss prophezeit eine düstere Zukunft. Doch weit gefehlt: Den künftigen Chefs hingegen sind Zeugnisse eher gleichgültig. Auch bei Collini in Hohenems vertritt Lehrlingsbeauftragter Guntram Obwegeser die Meinung: „Schulnoten sind nicht das Auswahlkriterium für uns“, erklärt der ehemalige Mittelschullehrer und ist überzeugt: „Schulwissen kann man nachholen.“ Vielmehr hält das Unternehmen nach jungen Menschen Ausschau, die begeistert, motiviert und willig sind. Und das ließe sich nicht aus den Zeugnissen ablesen, sondern vielmehr, wenn die Schüler zum Schnuppern kommen.

Noten hinterfragen

Obwegeser hinterfragt im Einstellungsprozess konsequent die Relevanz von Schulnoten und Zeugnissen. „Das Zeugnis hat nur eine Aussagekraft von ein paar Prozent, was den beruflichen Erfolg betrifft. Entscheidend ist für uns das Potenzial, das in einem jungen Menschen steckt,“ erklärt der ehemalige Mittelschullehrer und setzt bei den jungen Menschen in der dualen Ausbildung auf eine hohe Eigenverantwortung und Selbstorganisation für ihren eigenen Lernprozess. Dabei werden sie jeweils von einem älteren Lehrling begleitet, der sie in ihre neue Verantwortung einführt.

Nicht aussagekräftig

Ein weiteres Beispiel, dass Noten und Schule nicht viel über den beruflichen Erfolg aussagen, ist Wolfgang Humml, Mitinhaber des industriellen Prototypen- und Modellherstellers 1zu1 Prototypen in Dornbirn. Er brach das Gymnasium ab, weil er einen handwerklichen Beruf lernen wollte. Das passte und er schloss seine Lehre als Werkzeugmechaniker mit Bestnoten ab. Schon bald wurden ihm Führungsaufgaben übertragen und er absolvierte die Werkmeisterausbildung und ein Studium in Wirtschaftsinformatik. Der Wunsch, selbstständig zu werden, wuchs. Da er mit seinem heutigen Mitinhaber, dem Ingenieur und Betriebswirtschafter Hannes Hämmerle, schon acht Jahre zusammengearbeitet hatte, waren die beiden sicher, dass sie sich gut ergänzen würden. 1996 gründeten sie ihre gemeinsame Firma.

Interessen kennen

Aber Vorsicht: Die Beispiele sollen kein Freibrief fürs Nichtstun sein. Denn alles, was man in der Schule nicht lernt, muss unter Umständen später mühevoll nachgelernt werden. Die Botschaft lautet viel mehr: „Es ist wichtig, seine eigenen Fähigkeiten zu kennen und über seine Interessen Bescheid zu wissen.“ Nur so kann man den richtigen Weg finden. Denn nur dann ist man begeistert und motiviert, sodass das Lernen letztlich leicht fällt.

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