„Schwarze Schafe gibt es überall“

Markt / 24.02.2017 • 19:28 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Unterwegs auf dem Firmenareal in Feldkirch.
Unterwegs auf dem Firmenareal in Feldkirch.

Feldkirch. Christian Böhlers Geschäft sind Abfälle und Problemstoffe. Im Interview spricht er über das Image der Branche, den Häusle-Skandal und Investitionen in die Zukunft.

Gefährliche Abfälle und Problemstoffe sind das Hauptgeschäft von Böhler und Sohn. Wie wird man in diesem sensiblen Bereich Marktführer?

Böhler: Wir sind mittlerweile seit über 30 Jahren in diesem Bereich tätig. Wir waren damals die Ersten am Markt, und so ist es relativ einfach. Wir haben aber nie aufgehört und immer etwas Neues entwickelt. Dadurch hat es sich mit der Zeit so ergeben. Man braucht aber eine gewisse Größe, damit sich das mit den Fixkosten und dem hohen Verwaltungsaufwand überhaupt trägt. In Vorarlberg sind wir die Einzigen, aber aus Tirol drückt so mancher herein.

Wie läuft dieses Geschäft? Man könnte meinen, für den Erfolg wäre es vorteilhaft, wenn möglichst viele gefährliche Abfälle produziert werden.

Böhler: Nein, so ist es nicht. Die Menge macht es nicht aus. Eine paar Tausend Tonnen Erdreich ist zwar eine riesige Menge, ist aber problemlos. Mit einer Tonne Gift kann man mehr anstellen. Zu uns kommen die Stoffe aus Industrie und Gewerbe. Problemstoffsammlung für Haushalte machen wir nicht mehr. Da ist das Problem, dass alles undeklariert drin ist. Farbdosen mit Rattengift beispielsweise. Hier ist die Gefahr beim Sortieren und Zerkleinern extrem hoch. Ein Industriebetrieb weiß, was er hat, und wenn nicht, sagt er es zumindest.

Böhler Technik ist auch international tätig und baut Abluftreinigungsanlagen für Zementwerke in Europa und Afrika. Was zeichnet Ihre Anlagen aus und wie entwickelt sich dieser Geschäftszweig?

Böhler: Sie funktionieren und sind im Preis interessant. Das Geschäftsfeld kann man aber nicht strategisch entwickeln. Es hat sich durch Zufall ergeben. Wir haben eine Abfallfirma, ein Labor, das Abluft messen kann, und einen Anlagenbau. Ein Zementwerk ist mit einem Problem auf uns zugekommen und wir haben gesagt: ,Wir probieren es.‘ Es hat funktioniert und das hat sich herumgesprochen. Das Problem ist nur, der Markt an Zementwerken ist überschaubar. Das Einzige, was uns in die Hände spielen könnte, ist, dass sich der Grenzwert ändert.

Sie haben selbst auch ein Zementwerk in Lorüns. Welche Pläne gibt es am Standort?

Böhler: Gleich neben dem Zementwerk ist die Firma Burtscher Transporte, an der wir beteiligt sind, und die ein Platzproblem hat. Vom Gelände nutzen wir aber nur einen kleinen Teil, der Rest ist vermietet. Letztlich ist es einfach eine Investition in die Zukunft.

So wie der Kauf des ÖAMTC-Fahrtechnikgeländes in Röthis?

Böhler: In Vorarlberg ein Grundstück zu finden, ist schwer genug. Wenn man eines zu einem halbwegs vernünftigen Preis bekommt, muss man es kaufen.

Sie halten auch Anteile an der Firma Häusle, die mit einem Müllskandal die Glaubwürdigkeit der ganzen Branche erschütterte. Wie reagiert man als Gesellschafter darauf?

Böhler: Erschrocken und persönlich enttäuscht. Davon haben wir nichts gewusst, sonst wäre es nicht so weit gekommen.

Kann man Vorkehrungen treffen, damit solche Skandale in Zukunft vermieden werden?

Böhler: Das Abfallwirtschaftsgesetz ist ohnehin schon fast unlebbar. Wenn man die Vorschriften alle erfüllen will, ist man wirklich beschäftigt. Aber auch wenn das Gesetz hundertmal schärfer wird, wird es immer jemanden geben, der eine Linke dreht. Nur weil ich alles melde, ist ein Betrieb noch lange nicht kontrolliert. Wenn jemand eine kreative Lösung sucht, findet er die auch. Banküberfälle sind ja auch verboten und trotzdem gibt es jedes Jahr welche. Das Image der Abfallbranche war nie das beste. Schwarze Schafe gibt es überall, in jeder Branche, und über die wird geredet, während viele eine gute Arbeit leisten. Das bei Häusle bleibt einem also noch jahrelang im Kopf. Spätestens dann, wenn man ein Häusle-Fahrzeug auf der Straße sieht.

Kritik gab es, weil Böhler Analytik für die Bodenproben bei Häusle zuständig war. Ist das der Grund, wieso Sie sich von dem Labor, immerhin das größte in Vorarlberg, getrennt haben?

Böhler: Überlegungen waren schon vorher da, aber das war dann quasi der letzte Anstoß. Gleich darauf konnten wir es nicht machen, weil das einen falschen Anschein gehabt hätte. Letztlich waren aber die Proben absolut in Ordnung. Das Land hat gegengeprüft, und das Ministerium hat das bestätigt. Ein Labor ist bei einer eigenen Firma um sehr viel vorsichtiger. Denn wenn da ein Fehler passiert, ist es kein Fehler, sondern Vorsatz.

Ihr Vater gilt bis heute als sehr umtriebiger Vertreter und Vordenker der Branche. Wie ist es, die Nachfolge einer solchen Persönlichkeit anzutreten?

Böhler: Wir kommen uns nicht in die Quere, es ist sehr entspannt. Ich bin froh, dass er uns unterstützt. Es ist auch beruhigend, wenn jemand da ist, den man bei Bedarf fragen kann. Er ist für die Immobilienverwaltung und -entwicklung zuständig. Das macht ihm Spaß. Für manches braucht man auch einfach das Alter und die Erfahrung, denn man braucht lange, bis man in der Branche die richtigen Menschen kennt.

War es für Sie klar, dass Sie das Geschäft einmal übernehmen würden?

Böhler: Am Freitag bin ich von der Maturareise zurückgekommen und am Montag habe ich angefangen, hier zu arbeiten. Es war nicht erzwungen, sondern hat sich so ergeben. Ich bin früher schon nach der Schule in die Werkstatt und bin so ins Geschäft hineingewachsen. Somit war es „learning by doing“, denn eine entsprechende Ausbildung gab es damals nicht.

Wenn man ein Meldedatum um eine Woche versäumt, ist das ein abfallrechtliches Vergehen.

Christian Böhler stieg gleich nach der HTL-Matura in das Familienunternehmen ein. Seine Tätigkeit bezeichnet er nicht nur als Arbeit, sondern genauso auch als Hobby. Fotos: VN/Paulitsch
Christian Böhler stieg gleich nach der HTL-Matura in das Familienunternehmen ein. Seine Tätigkeit bezeichnet er nicht nur als Arbeit, sondern genauso auch als Hobby. Fotos: VN/Paulitsch

Kennzahlen

Böhler und Sohn (Holding)

» Geschäftsführung: Christian Böhler (Abfall), Guntram Böhler (Technik)

Beteiligungen

» Böhler Technik (100 %)

» Böhler Abfall (100 %)

» Burtscher Transporte (50 %)

» BC Biochange GmbH (33,3333 %)

» Häusle GmbH (5,1525 %)

» Mitarbeiter: Böhler Technik und Abfall 40, Burtscher 25

Zur Person

Christian Böhler

geschäftsführender Gesellschafter Böhler und Sohn GmbH, Feldkirch

Geboren: 13. Juli 1970

Ausbildung: Pflichtschule, Höhere Technische Lehranstalt für Maschinenbau

Laufbahn: nach der HTL-Matura Eintritt ins Familienunternehmen

Familie: Lebensgefährtin, zwei Kinder