Lohn und Leistung in keinem Zusammenhang

Markt / 05.03.2017 • 18:12 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Aktienkurse allein taugen nicht dazu, die Leistungen des Managements zu beurteilen. Foto: Reuters
Die Aktienkurse allein taugen nicht dazu, die Leistungen des Managements zu beurteilen. Foto: Reuters

Managergehälter sind in der Öffentlichkeit ein Reizthema. Und das nicht zu unrecht.

Zürich, Schwarzach. Dass das Management des  Volkwagen-Konzerns in den vergangenen Jahren nicht gerade glänzte, um es vorsichtig auszudrücken, ist bekannt. Seit aber bekannt wurde, welche Boni die Damen und Herren Vorstände einstreiften, obwohl sie Milliarden Euro verbrannten, kocht die Volksseele. Zu recht?

Der „Pay for Performance Report 2016“ der Schweizer Beratungsgesellschaft FehrAdvice, die von  Ernst Fehr, dem aus Hörbranz stammenden Professor für Mikroökonomik und Experimentelle Wirtschaftsforschung und Vorsitzender der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Zürich, gegründet wurde, zeigt auf, dass tatsächlich Bedarf an einer Optimierung der Vorstandsgehälter besteht.

Zufall spielt große Rolle

Die Studie wurde von FehrAdvice-CEO Gerhard Fehr (CEO) und COO Marcus Veit anhand der Daten von Aktiengesellschaften erstellt, die in den Leitindizes Dax, SMI und ATX in Deutschland, der Schweiz und Österreich abgebildet sind. Doch die Leistung des Vorstands anhand der Aktienperformance auszumachen, ist, so FehrAdvice, problematisch, da der Zufall dabei eine zu große Rolle spielt und das Management immer im Informationsvorteil gegenüber dem Aufsichtsgremium ist. „Das ist ein Spiel mit unterschiedlichen Spießen“, so Veit. Wenn es schlecht läuft, gibt es tausend Gründe dafür, welche unglücklichen Einflüsse dafür verantwortlich sind. „Das nachzuprüfen, ist nicht so einfach.“ Das gilt natürlich genauso, wenn es gut läuft. „Dann beansprucht das Management die Urheberschaft für sich.“ Deshalb brauche es klare, nachvollziehbare Regeln, so Fehr. „Wir müssen die Leistung objektivieren, alles, was nicht mit Leistung zu tun hat, darf nicht vergütungsrelevant sein“. Marcus Veit verweist darauf, dass der Ansatz von FehrAdvice für eine leistungsgerechte Entlohnung von Managern in die gleiche Richtung zielt, die auch Wirtschaftsnobelpreisträger Bengt Holström mit seiner Vertragstheorie verfolgt: Nicht für Zufall bezahlen, die Notwendigkeit Anreize zu balancieren und stärkere Anreizsysteme gegen Ende des Vertrags.

„Dem Leistungsprinzip wird derzeit bei der Managerentlohnung nicht Genüge getan, es wird nicht nach Performance entlohnt“, kommentiert Veit das Ergebnis der Studie, die Basis für den von den Beratern zusammen mit Ernst Fehr entwickelten MAPI (Market Adjusted Performance Indicator) ist, der es Aufsichtsräten ermöglicht, die tatsächliche Leistung des Managements zu beurteilen und andererseits dem Management die Sicherheit gibt, dass seine Leistung im richtigen Licht erscheint. „Es nimmt damit auch Druck vom Management“, so Veit. In Vorarlberg wurde der Market Indicator bei der Zumtobel Group auf Betreiben
des Aufsichtsratsvorsitzenden Jürg Zumtobel ab 2012 „mustergültig“ (Zitat Veit) eingeführt (siehe Factbox).

Längerfristige Ausrichtung

Zufrieden mit dem System zeigt sich auch der Vorstandsvorsitzende des Zumtobel-Konzerns, Ulrich Schumacher, der auf die Frage der VN dazu sagt: „Kurzfristige Aktiengewinne kann man ja immer erzielen. Wir denken aber an die längerfristige Ausrichtung des Unternehmens. Wenn man pro Mitarbeiter die Menschen, die von seiner Arbeit abhängen, hochrechnet, dann sind das schon 25.000 Menschen. Das ist eine große Verantwortung, und dabei hilft meines Erachtens die Kurzfristigkeit nicht. Anderseits sind wir börsennotiert; dazwischen zu balancieren, ist eine spannende Herausforderung. Der Bonusvertrag, den wir haben, unterstützt uns dahingehend,  eben nicht kurzfristig zu agieren. Es ist ein komplexes System, das aber fair ist. Von allen Systemen ist das meiner Meinung nach das beste.“ 

Stichwort. Modell Zumtobel

Eine über fünf Jahre gestaffelte variable Entlohnung, in der die Tranchen mit dem Zielerreichungsfaktor des jeweiligen Jahres bewertet werden, gewährleistet den Fokus auf nachhaltigen Entscheidungen. Die Leistungskennzahl dafür ist der Total Shareholder Return, der mit dem Ergebnis ähnlicher Unter-
nehmen verglichen wird. Dieser Leistungsindikator eliminiert im Nega-
tiven wie im Positiven Faktoren, auf diedie Manager keinen Einfluss haben, etwa Währungs- und Konjunkturschwankungen.  Aufsichtratsvorsitzender Jürg Zumtobel zu seinen Erfahrungen: „Früher haben wir über die Verteilung des Kuchens gesprochen, jetzt endlich wieder über die Produktion.“