„Ein Segen für Opel, die Kunden und auch uns“

Markt / 06.03.2017 • 22:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Nach 88 Jahren verkauft General Motors Opel. Vorarlberger Partner und Händler sind optimistisch.

Dornbirn, Rüsselsheim. (VN-sca) „Wenn es eine europäische Lösung gibt, dann begrüße ich das sehr“, sagt einer der treuesten und prominentesten Opel-Fahrer des Landes, Gewerkschaftsboss Norbert Loacker, zum Megadeal in der Automobilbranche. „Meine Familie ist Opel schon in vierter Generation treu“, sagt er stolz. Auch aus gewerkschaftlicher Sicht glaubt er, dass die Übernahme des deutschen Autoherstellers durch die PSA-Gruppe, in der bislang die beiden französischen Marken Citroën und Peugeot beheimatet waren und die nun deutsch-englische Geschwister bekommen, für die Mitarbeiter besser ist als eine börsenorientierte US-amerikanische Mutter, die in den vergangenen Jahren oft sehr kurzfristig die Strategien wechselte.

Der Meinung des Opel-Fans Loacker – der auch Wert darauf legt, dass er beim Landeshändler Gerster der Marke bestens serviciert wird – schließt sich der Händler an. Christoph Gerster ist überzeugt, dass es jetzt wieder aufwärts geht mit der Traditionsmarke, die in den vergangenen Jahren wieder Punkte bei den Kunden sammeln konnte, weil sie Hochtechnologie auch bei kompakten Autos bietet. „Das bekommt man sonst nur im höchsten Segment“, so Gerster. Dass die europäische Hochzeit gelingt, ist für ihn sicher, denn „schon in den vergangenen vier Jahren haben Opel und PSA erfolgreich zusammengearbeitet und gemeinsam eine Plattform genutzt“.

Die vergangenen Jahre haben an seinen Nerven gezerrt, „denn es ist doch verrückt, dass man wegen der Aktionäre jedes Jahr die Strategie wechselt“, sagt der Opel-Landeshändler, dessen Unternehmen bereits seit 1936 die „Blitze“ verkauft. „Für die Kunden, Opel selbst und uns ist der Besitzerwechsel ein Segen“, verspricht er sich eine goldene Zukunft, denn nun wird der deutsche Hersteller auch Märkte bearbeiten können, die bislang anderen General-Motors-Marken vorbehalten waren, etwa Asien mit China, Afrika und Russland. Außerdem habe man mit dem Ampera ein Ass im E-Mobil-Ärmel.

Als Chance sieht der Dornbirner Automobilzulieferer Henn die Fusion. Henn-Chef Martin Ohneberg: „Für uns ist Opel ein sehr wichtiger Kunde. Wir beliefern auch PSA, aber ich kann mir vorstellen, dass die Aufträge für uns nun größer werden.“ Dass sich der Deal für Henn als gegenteilig herausstellen wird, glaubt er nicht. „Wir haben ein gutes, konkurrenzfähiges Produkt.“

Bereits 1929 verkaufte die Familie Opel ihr Werk an General Motors. Damals war Opel mit einem Anteil von über 37 Prozent Marktführer. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte das Werk seinen Erfolgskurs fort – Kapitän, Admiral, Commodore spielten in der Oberklasse mit. Kadett und Ascona überzeugten eine Klasse tiefer und im Rallyesport.

Opel GT und Manta waren Verkaufsschlager – bis in den 90er-Jahren eine falsche Modellpolitik und Qualitätsmängel die Kunden in Scharen vertrieb. Nach verlustreichen Jahren war Opel nun günstig zu haben. Der französische Autokonzern PSA zahlt für die GM-Europasparte, zu der auch Vauxhall gehört, rund 1,3 Mrd. Euro und wird mit seinen bisherigen Marken Peugeot, Citroën und DS die Nummer Zwei.

Ich sehe die Fusion der beiden europäischer Autohersteller für uns als Zulieferer als Chance. Opel ist schon bisher ein sehr guter Kunde, PSA könnte noch wichtiger werden.
               Martin Ohneberg, Fa. Henn

Ich sehe die Fusion der beiden europäischer Autohersteller für uns als Zulieferer als Chance. Opel ist schon bisher ein sehr guter Kunde, PSA könnte noch wichtiger werden.

Martin Ohneberg, Fa. Henn