Dicke Bretter, die man bohren muss

Markt / 17.03.2017 • 22:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Integra-Geschäftsführer Robert Baljak (l.) und Stefan Koch in der Car-Wash-Werkstatt in Wolfurt. Foto: VN/Hofmeister
Die Integra-Geschäftsführer Robert Baljak (l.) und Stefan Koch in der Car-Wash-Werkstatt in Wolfurt. Foto: VN/Hofmeister

Mit der Arbeitslosigkeit steigen bei Integra die Teilnehmerzahlen und die Herausforderungen.

Wolfurt. Früher hieß es oft, wenn du nichts gelernt hast, wirst du eben Hilfsarbeiter. Heute gibt es diese Jobs kaum mehr und somit mehr Menschen, die aufgrund ihrer Niedrigqualifizierung arbeitslos sind. Brüche in der Bildungskarriere lassen sich heute nicht mehr so leicht kompensieren. Höherqualifizierung ist auch für Integra das nachhaltigste Mittel.

Das soziale Unternehmen bietet Beschäftigung, unterstützt mit Bildung und hat dicke Bretter zu bohren. Denn einfach ist es nicht, jedem die nötige berufliche Perspektive zu geben. Dass der Bedarf da ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen. In den vergangenen vier Jahren hat sich die Zahl der Arbeits- und Teilnehmerplätze auf 685 verdoppelt. „Leider“, sagen die Integra-Geschäftsführer Stefan Koch und Robert Baljak im VN-Gespräch. 90 davon sind fixe Arbeitsplätze in der Betreuung und Verwaltung, der Rest sind Menschen ohne Job, die durchschnittlich sechs Monate bei Integra sind. Mit dem Anstieg an arbeitslosen Personen steigen auch die Herausforderungen für das Sozialunternehmen.

Aber wie sozial darf man im Umgang mit arbeitslosen Menschen eigentlich sein und darf man dabei auch wirtschaftlich denken? Integra will beides, will fördern und fordern, will fit für den Arbeitsmarkt machen, aber genauso marktfähige Dienstleistungen anbieten, mit denen sich Erlöse erzielen lassen. Der Umsatz von zwölf Millionen Euro wird zur Hälfte durch Förderungen und zur Hälfte selbst erwirtschaftet. Die Dienstleistungen sind vielfältig und reichen von Gartenarbeit bis zur Autoreinigung, Gastronomie und Postpartnerschaften. 75 Prozent des Geschäfts wird direkt für Firmen erbracht.

Fast ein Drittel der Integra-Teilnehmer sind Jugendliche. Die einen haben die Schule abgebrochen, die anderen finden keine Lehrstelle. „Wenn man 40 Jahre Arbeitsleben vor sich hat und gleich zu Beginn einen Fehler macht, ist die Startposition schlecht“, sagt Baljak. Vor allem die Niedrigqualifizierung ist ein ständiger Begleiter. In den Produktionsschulen von Integra sollen die Jugendlichen fit für eine Lehre gemacht und ihnen soziale Kompetenzen vermittelt werden. Betreut werden auch viele Flüchtlinge. Im Jugendcollege werden sprachliche und kulturelle Defizite aufgeholt, um so die Möglichkeit für Pflichtschulabschluss und Lehrstelle zu ebnen.

Von den Teilnehmern, die langzeitarbeitslos sind, kann ein Drittel in den Arbeitsmarkt vermittelt werden. „Ich habe Respekt vor allen, die arbeiten gehen. Wir sagen auch jedem, nimm die Arbeit an, auch wenn sie am Anfang nicht top bezahlt ist“, so Koch. Durch einen Job sei man besser integriert und habe die Möglichkeit aufzusteigen. Ansonsten drohe man in eine Abwärtsspirale zu geraten. Aber natürlich gibt es auch jene, die nicht vermittelt werden können. „Wir können nicht alles lösen, aber einiges abfangen“, sagen Koch und Baljak. Zu viel an Illusion wäre wahrscheinlich auch fehl am Platz.

Es geht um Perspektiven. Wir dürfen niemanden zurücklassen.

Stefan Koch