„Es ist mehr Stolz als Verantwortung“

Markt / 17.03.2017 • 18:50 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Die Produktpalette von Helfe ist äußerst vielseitig.
Die Produktpalette von Helfe ist äußerst vielseitig.

Feldkirch. Seit 1927 stellt das Helfe-Labor in Feldkirch pflanzliche Badezusätze und Körperpflegeprodukte her. Alexander Heller verantwortet Marketing und Verkauf und übernimmt bald auch in vierter Generation den Familienbetrieb von seinem Vater. Im Interview spricht er über traditionelle Werte und neue Ideen und wie gut beides kombinierbar ist.

Sie sind die vierte Generation, die im Unternehmen Helfe das Ruder in die Hand nimmt. Ist die Verantwortung größer, wenn man ein Traditionsunternehmen weiterführt?

Heller: Ich spüre die Verantwortung in gewisser Weise, aber ich weiß auch, auf was ich aufbaue. Da ist ein großer Stolz da, dass ich das weiterführen darf und mit einem traditionsreichen Produkt, das ich mein Leben lang kenne, auch neue Wege gehen kann. Also ist es mehr Stolz als Verantwortung.

Welche neuen Wege wollen Sie künftig gehen?

Heller: Wir werden uns viel mehr in Richtung Kunden orientieren. Bislang haben wir uns stark auf die Produkte konzentriert. Um heute aus der Vielfalt an Produkten am Markt herauszustechen, reicht es aber nicht mehr, das bessere Produkt zu haben. Darum müssen wir den Kunden die Firma Helfe noch mehr zum Begriff machen – als Unternehmen, das seit 90 Jahren Produkte mit höchstem Qualitätsstandard produziert.

Bei der Produktpalette – vom Bad bis zur Kohlensäure – kommt Ihnen der Wellness-Boom zugute. Allerdings gibt es in dieser Branche starke Konkurrenz. Wie behauptet man sich da als kleiner Anbieter?

HEller: Unser Alleinstellungsmerkmal ist ganz klar die Qualität. Behaupten kann man sich, wenn man seine Nische perfekt ausschöpft. Ein klassischer dm-Käufer, der einen Badezusatz will, der gut riecht, wird nicht unbedingt zu unserem Produkt greifen. Wer aber einen medizinischen oder körperlichen Nutzen will, der schon und wird es künftig auch tun.

Über welchen Vertriebsweg verkaufen Sie Ihre Produkte?

Heller: Zum einen verkaufen wir über Großhändler an Apotheken, zum anderen direkt an Kliniken, Kuranstalten oder vermehrt auch Hotels. Künftig wollen wir auch auf den E-Commerce-Bereich setzen. Mit unserem eigenen Onlineshop, mit Partner-Apotheken oder wie in der Schweiz mit einem Generalimporteur, der unsere Produkte dort online vertreibt. Wir haben bewusst nicht den Onlineshop mit den meisten Kunden gesucht, sondern jemanden, der in dem Bereich tätig ist, am Produkt interessiert ist und mit uns das Produkt weiter in der Schweiz vermarktet. Darum gibt es uns auch nicht auf Amazon. Wir wollen auch nicht in eine Einzelhandelskette, obwohl wir schon Anfragen hatten. Aber da passt unser Produkt nicht rein. Wir wollen Spezialisten, die sich damit befassen, und die Kunden entsprechend beraten.

Seit 1927 gibt es die Mitizyn-Creme, die vielen ein Begriff ist. Wie wichtig ist sie heute noch im Portfolio?

Heller: Für mich spielt die Creme eine ganz zentrale Rolle und sie ist nach wie vor eines der meist verkauften Produkte. Ich bin mit ihr aufgewachsen und weiß, wie gut sie wirkt. Ich nehme sie als Handcreme, nach dem Rasieren, gegen Sonnenbrand oder reibe sie bei Schnupfen unter die Nase. Andere verwenden sie als Tattoo-Creme. Die Anwendungsbereiche sind also extrem vielseitig. Und das soll auch die Botschaft sein: Egal wer und wo du bist oder wie alt du bist, jeder wird seine Anwendung finden.

Sind neben den Traditionsprodukten Neuheiten geplant?

Heller: In den nächsten Monaten werden wir ein Basen-Bad auf den Markt bringen, weil viele auf Detox Wert legen. Langfristig sind weitere neue Produkte geplant. Da wir uns gut mit Ölen auskennen, sind ein Bartöl oder aufbauend auf unsere Creme auch eine Körpercreme sicher Produkte, die wir angehen wollen.

Gibt es auch Pläne, in weitere Länder zu expandieren?

Heller: Wir sind seit längerer Zeit an einem Deal dran, unsere Produkte nach China zu bringen. Die Nachfrage ist da, denn nach dem Milchpulver-Skandal vertrauen viele Chinesen ihren eigenen Produkten nicht. Hier strecken wir die Fühler nun nach und nach immer mehr aus. Wir glauben, dass es realistisch ist, im kommenden Geschäftsjahr zwischen 15 und 20 Prozent zu wachsen.

Ihr Vater ist nach wie vor im Betrieb. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Heller: Es funktioniert gut. Natürlich führen wir auch Diskussionen, aber immer auf konstruktiver Basis. Mein Vater ist Pharmazeut, ich habe eine Ausbildung im Marketing. So versuchen wir unsere beiden verschiedenen Bereiche in zwei verschiedenen Generationen miteinander zu kombinieren und zu schauen, was der Firma und dem Kunden am meisten bringt. Ich bin der erste Nicht-Pharmazeut im Betrieb. Es sind zwei ganz unterschiedliche Welten, aber ich glaube, dass die Verbindung aus Traditionellem und Neuem eine gute Harmonie für die Firma bringt. Ein bekanntes Zitat besagt ja: „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe der Flamme.“ Das passt auch sehr gut mit unserem Logo der Helfe- Flamme zusammen.

War Ihnen schon früh klar, dass Sie einmal in den Familienbetrieb einsteigen wollen?

Heller: Eigentlich hat sich das erst in den letzten eineinhalb Jahren herauskristallisiert. Ich habe für den Betrieb während des Studiums viel im Bereich Online-marketing gemacht. Dadurch hat es mich immer mehr interessiert und ich habe auch das Potenzial in der Firma gesehen. Es ist schön, nun auch über die Online-Kanäle Rückmeldungen der Konsumenten zu bekommen. Viele schreiben uns und finden es super, dass es beispielsweise unsere Mitizyn-Creme noch gibt, die sie noch von ihrer Oma kennen.

Wir überzeugen nicht durch einen harten Verkauf, sondern mit unserer hohen Qualität.

Alexander Heller ist stolz auf den Familienbetrieb und darauf, was über Generationen im Feldkircher Unternehmen geleistet wurde. Fotos: VN/Hofmeister
Alexander Heller ist stolz auf den Familienbetrieb und darauf, was über Generationen im Feldkircher Unternehmen geleistet wurde. Fotos: VN/Hofmeister

Kennzahlen

» Gegründet: 1927 (Herz-Jesu Apotheke in Feldkirch), 1935 Übernahme der Firma Sedlitzky & Co, damals größter Hersteller von Badezusätzen und Kohlesäurebädern

» Geschäftsführung: Wolfgang Heller

» Mitarbeiter Helfe-Labor und Herz-Jesu-Apotheke: 22

» Produkte: Badezusätze, Miti­zyn-Creme, Cordis Kohlensäure

» Märkte: Österreich, Export im Aufbau

Zur Person

Alexander Heller

Direktor Marketing & Sales, Helfe-Labor

Geboren: 25. November 1991

Ausbildung: Gymnasium, Studium Marketing und Vertrieb, div. Praktika

Laufbahn: Herba Chemosan Apotheker AG als Praktikant und Freelancer, CSSP Center for social and sustainable Products AG, Kästle GmbH, Helfe

Familie: ledig, keine Kinder