Innovation, damit das Leben leichter wird

02.04.2017 • 17:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Thomas Fröis ist Geschäftsführer und Hauptgesellschafter der Texible GmbH, die 2016 den Vorarlberger Innovationspreis erhielt. W. Berchtold
Thomas Fröis ist Geschäftsführer und Hauptgesellschafter der Texible GmbH, die 2016 den Vorarlberger Innovationspreis erhielt. W. Berchtold

Smart Textiles klingt nach Hightech. Doch die Textilien sorgen schon heute dafür, dass es vielen besser geht.

Hohenems. (VN-sca) Der Fimenstandort ist bewusst gewählt. Die an Mitarbeitern kleine Firma Texible, erst im vergangenen Jahr gegründet, hat sich in der ehemaligen Textilfabrik Otten in Hohenems eingemietet und arbeitet an der Zukunft des Textillandes Vorarlberg, ja an der Zukunft der Textilien. Thomas Fröis, Geschäftsführer und Hauptgesellschafter der jungen Firma, durfte für die Arbeit von Texible im Herbst 2016 den Vorarlberger Innovationspreis entgegennehmen.

Ganz konkret waren die Juroren von einem Produkt begeistert, das damals noch nicht auf dem Markt war und erst am 21. April in den Handel kommt: eine Betteinlage, die Nässe erkennt, Texible Wisbi genannt, und zukunftsweisend für die Pflegeversorgung bei Inkontinenz. Wisbi ist die weltweit erste industriell waschbare Inkontinenz-Betteinlage, die bei Kontakt mit Nässe automatisch das Pflegepersonal alarmiert und so für ein deutlich besseres Wohlbefinden bei den betroffenen Personen sorgt.

„Wir haben im Vorfeld analysiert, in welchen Bereichen wir mit smarten Textilien nachhaltig Nutzen schaffen können“, schildert Fröis im Gespräch mit den VN, „und haben wegen der alternden Gesellschaft die Pflege fokussiert.“ Viele Menschen leiden im Alter unter Harninkontinenz und liegen oft stundenlang auf einer feuchten Unterlage. Bei entsprechender Alarmierung des Pflegepersonals oder der Angehörigen muss das nicht sein.

Viele Aufgaben zu erfüllen

Es gab eine ganze Reihe von Aufgaben zu lösen. Der Stoff sollte so dünn wie möglich sein, die Sensoren müssen aber darin so verwoben werden, dass sie möglichst flächendeckend reagieren und trotz vieler Wäschen lange funktionieren. Dazu kommt die entsprechende Elektronik, die Alarm schlägt.

Drei Jahre dauerte es, bis das Produkt nun die Marktreife erlangt hat. Jetzt aber ist sich Fröis sicher, dass es am Markt auch bestehen kann. Neben den textilen Bestandteilen – „es hat sich gezeigt, dass Edelstahlfäden das beste Material für die Sensoren sind“ – musste auch das Alarmgerät, das wie ein Babyphon in einem anderen Raum installiert wird, entwickelt werden, so der gelernte Steuerungstechniker. Schließlich begannen auch die Marketingaktivitäten, damit die Zielgruppe auch von der Innovation erfährt. Vertrieben wird Wisbi über den Sanitätsfachhandel und via Internet. Die Präferenz liege aber beim stationären Fachhandel.

Bei der Entwicklung wirkte das in Dornbirn beheimatete Institut für Textilchemie und Textilphysik ebenso mit wie die Pflegeheime der Stadt Dornbirn sowie die Harder Großwäscherei Berendsen mit zahlreichen Testwaschgängen. Regional sind auch die Partner bei der Produktion. Bei Fussenegger wird der Membranstoff hergestellt, die Elektronik kommt aus Tirol. „Uns ist es wichtig, die Wertschöpfung in der Region zu halten“, erklärt der Firmenchef, der bei der Forschung und Entwicklung auch Unterstützung aus dem Land und durch die Forschungsförderungsgesellschaft erhielt. Dank der Aktivitäten durch „Smart Embroideries Austria“ sei der Zugang zu entsprechenden Institutionen sehr gut. Für die Forschung stehen für den gesamten Smart-Textile-Bereich in den nächsten vier Jahren neun Millionen Euro zur Verfügung.

Das Unternehmen Texible wurde im Frühjahr 2016 von Vorarlberger Textilforschern und Textilunternehmen als Ausgründung der Universität Innsbruck ins Leben berufen. Das nun marktreife Produkt „ist die Mutter vieler Entwicklungen“ für viele andere Anwendungsfelder, ist sich Fröis sicher. Er denkt bereits über den nächsten Schritt nach: „Wir werden Wisbi mit einer App auf dem Smartphone verbinden, das macht die Bedienung noch einfacher.“

Texible GmbH

» Gegründet: 2016

» Gesellschafter: Univ. Prof. Dr. Thomas Bechtold (Anteil: 39%), Thomas Fröis (51%) Universität Innsbruck Unternehmens­beteiligungsgesellschaft mbH (10%)

» Geschäftsführung: Thomas Fröis

» Geschäftszweig: Entwicklung, Herstellung und Handel von bzw. mit technischen Textilien und Zubehörartikeln

» Auszeichnung: Innovationspreis des Landes Vorarlberg 2016