Schrauben an der Zukunft

04.04.2017 • 18:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Vorarlberger Gewerbe- und Handwerksbetriebe sind in allen Belangen österreichweit top, nur an Fachkräften mangelt es.  Foto: Berchtold
Die Vorarlberger Gewerbe- und Handwerksbetriebe sind in allen Belangen österreichweit top, nur an Fachkräften mangelt es. Foto: Berchtold

Vorarlberger Gewerbe und Handwerk mit positiver Geschäftslage, aber auch mit Nachwuchssorgen.

Feldkirch. (VN-reh) Die Zahlen sprechen eine positive Sprache. Der Konjunkturmotor im Vorarlberger Gewerbe und Handwerk läuft rund. Laut neuesten Daten der KMU Forschung Austria liegt man in allen wichtigen Kennzahlen über dem österreichischen Durchschnitt. Der nominelle Umsatz stieg gegenüber dem Jahr zuvor um 4,9 Prozent. Preisbereinigt waren es 3,6 Prozent. Knapp die Hälfte (42 Prozent) der Gewerbe- und Handwerksbetriebe sind im Export tätig. 45 Prozent der Unternehmen wollen heuer investieren.

Diese positiven Zahlen sollen auch der Lehre helfen, sagt Bernhard Feigl, Spartenobmann Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Vorarlberg, im VN-Gespräch. Denn auch wenn die Stimmung „zwar nicht euphorisch“, aber gut ist, wird doch der Fachkräftemangel immer mehr zur He­rausforderung.

3191 Lehrlinge werden derzeit ausgebildet. Vor sechs Jahren waren es noch um 12 Prozent mehr. Dasselbe Bild zeigt sich im ersten Lehrjahr. Hier sind aktuell mit 1009 Jugendlichen um 13,5 Prozent weniger in Ausbildung. Die Demografie macht auch vor dem Handwerk nicht Halt. Zudem gibt es Berufe, die mit Imageproblemen kämpfen. „Wir müssen die duale Ausbildung künftig abermals attraktiver und durchlässiger gestalten“, sagt Feigl. Das sei die einzige Chance, mittel- und langfristig den Bedarf an Fachkräften decken zu können. Viele Betriebe würden händeringend nach Lehrlingen suchen und daher befürchten, dass in Zukunft die Fachkräfte wegbleiben.

Zukunftsweisendes Modell

Einen sehr positiven Ansatz, dem entgegenzuwirken, sieht Feigl in innovativen Projekten wie der Werkraumschule Bezau, ein 5-jähriges Ausbildungsmodell von Werkraum Bregenzerwald und Handels­schule, bei dem die Jugendlichen sowohl mit Lehrabschluss als auch Handelsschulabschluss abschließen. Diese Kombination sei zukunftsweisend, so der Spartenobmann.

Genauso auch die Tatsache, dass sich Handwerker zusammenschließen, um die Vorzüge des Handwerks zu transportieren. Denn das müsse man viel gezielter tun. Also zeigen, wie kreativ der Beruf ist, dass man im Kundenkontakt steht, dass es eine zukunftsorientierte Ausbildung mit guten Perspektiven ist und dass hier die persönliche Betreuung im Lehrbetrieb gelebt wird. „Große Lehrwerkstätten sind nicht der Weg des Handwerks“, verdeutlicht Feigl. Vielmehr sei es im Handwerk so, dass die Gruppe den Einzelnen trägt. Hat jemand eine Rechtschreibschwäche, werde er nicht den Schriftverkehr führen, sondern einen anderen wichtigen Beitrag leisten. Denn jeder habe seine Stärken. Die Ausbildungsbetriebe im Land würden hier eine hervorragende Arbeit leisten, sagt der Spartenobmann. Und genau mit der Qualität der Ausbildung könne man sich im Wettbewerb mit anderen Branchen abheben. Nur zeigen muss man es noch mehr.

Wir müssen die duale Ausbildung weiter attraktivieren.

Bernhard Feigl