Oft geht Probieren über Studieren

19.04.2017 • 20:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
AMS-GF Bernhard Bereuter, Bettina Beer (Personalentwicklung Heron), Silvia Stampfer (AMS Service für Unternehmen). Foto: AMS
AMS-GF Bernhard Bereuter, Bettina Beer (Personalentwicklung Heron), Silvia Stampfer (AMS Service für Unternehmen). Foto: AMS

Chancen für arbeitslose Jugendliche und Ältere. Arbeitsmarktservice geht wieder auf Tour in die Betriebe.

Dornbirn. (VN-reh) Bettina Beer ist Leiterin der Personalentwicklung bei Heron. Eine der Besonderheiten beim Hersteller von Automatisierungskomponenten ist es, dass man in der Lehrlingsausbildung Wert darauf legt, Legasthenikern eine Chance zu geben. So werden Jugendliche mit Lese- und Rechtschreibschwächen gezielt gefördert. Und auch sonst hat Bettina Beer einen anderen Zugang als andere. „Wir schauen bei Lehrlingen nicht so auf das Zeugnis, sondern auf deren Motivation.“ Denn den Gesellschaftstrend, dass sich überproportional viele Jugendliche für Gymnasium und Studium entscheiden, sieht sie kritisch. „Die Lehre ist eine super Alternative.“

Es mit Jugendlichen zu versuchen, dafür appelliert auch Bernhard Bereuter, der Landesgeschäftsführer des Arbeitsmarktservice Vorarlberg. Und auch wenn es später in der Berufsschule Probleme gibt, gebe es im Land dementsprechende Unterstützungsangebote. Genauso kommt es für ihn bei den über 50-Jährigen auf einen Versuch an. „Statt nur auf den Lebenslauf zu schauen, kann man in einem persönlichen Gespräch viele Vorurteile ausräumen“, so Bereuter.

Diesen zwei Gruppen, Jugendlichen und Menschen über 50, gehört aktuell auch die größte Aufmerksamkeit des AMS. So wird jungen Menschen mit maximal einem Pflichtschulabschluss eine Ausbildung ermöglicht, weil dadurch das Risiko, arbeitslos zu werden, drastisch sinkt. Zusätzliche 1,4 Millionen Euro stehen dafür heuer zur Verfügung. Zudem sollen Unternehmen durch Lohnkostenzuschüsse motiviert werden, Älteren eine Beschäftigung zu geben.

Bei 450 Betrieben auf Tour

Um die heimischen Betriebe noch mehr auf das Dienstleistungs- und Serviceangebot des AMS aufmerksam zu machen, gehen die Berater nun die nächsten fünf Wochen verstärkt auf Tour. Rund 450 Unternehmen sollen besucht werden, erklärt Silvia Stampfer, Leiterin des „Service für Unternehmen“ beim AMS.

Die Voraussetzungen sind jedenfalls gut. Im vergangenen Jahr gab es 2342 Betriebskontakte in Vorarlberg, rund 21.600 Stellen konnten besetzt werden und das AMS förderte die Weiterbildung von rund 740 Mitarbeitern in den Vorarlberger Unternehmen. Heuer ist die Zahl der Arbeitslosen weiter im Sinken begriffen. Ein Trend, der sich im Jahresdurchschnitt verfestigen soll. „Ein erfreulicher Ausblick“, sagt der AMS-Chef. Dennoch bleibt der Fokus: „Wir richten unser Förderangebot auf Personen aus, die am Arbeitsmarkt benachteiligt sind.“

Bei unseren Lehrlingen geht es uns um die Motivation.

Bettina Beer, Heron