„Unsere Zuckerbergs heißen Lehner und Blum“

Markt / 05.06.2017 • 19:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Für die Zukunft gewappnet: Wirtschaftslandesrat Karlheinz Rüdisser sieht Vorarlberg gut aufgestellt in der Standortentwicklung. Foto: Scopoli
Für die Zukunft gewappnet: Wirtschaftslandesrat Karlheinz Rüdisser sieht Vorarlberg gut aufgestellt in der Standortentwicklung. Foto: Scopoli

Vorarlberg wächst
stärker als andere Bundesländer. Dennoch gibt es genug zu tun.

Bregenz. (VN-sca) Das
Wifo (Wirtschaftsforschungsinstitut) bescheinigt Vorarlberg das höchste Wirtschaftswachstum aller Bundesländer für 2016, auch die Konjunkturanalyse der Bank Austria vergibt an Vorarlberg die Bestnote im Ländervergleich. Und doch steht die Wirtschaftspolitik des Landes im Fokus kritischer Beobachter, etwa der Industriellenvereinigung oder der Buchautoren Siegfried Steininger und Wolfgang Herburger (Titel: „Die Zukunft Vorarlbergs“). Wirtschaftslandesrat Karlheinz Rüdisser zur Wirtschaftspolitik und zu Herausforderungen:

Raumplanung

Thema Nummer eins: Expansionsmöglichkeiten für die Wirtschaft. Noch gebe es genug Platz für Unternehmen, das zeige die Bautätigkeit im gewerblichen Bereich. Die Vorschläge einer Novelle zur Raumplanung seien weit fortgeschritten, die Präsentation erfolge zeitnah. Dass allerdings rückgewidmet und fürs Nichtbebauen gestraft wird, ist für Rüdisser nicht vorstellbar. Eine Absage erteilt er auch radikalen Forderungen: „Wenn vorgeschlagen wird, dass wir im Land nur das produzieren, was wir hier brauchen, kann ich nicht mehr mit.“ Es werde immer sein Bestreben sein, den Firmen eine Entwicklung im Land zu ermöglichen. Die Raumplanung neu soll für klare Verhältnisse sorgen. Auch eine effiziente Verdichtung soll Entspannung bringen. Was man aus der Vergangenheit lernen könne, ist, dass gemischte Wohn- und Gewerbegebiete nicht funktionieren. Noch in diesem Jahr soll in anhängigen Verfahren, wie z. B. der Erweiterung des Messeparks und der Umwidmung in Weiler, entschieden werden, verspricht er.

Innovation

„Unsere Zuckerbergs heißen Lehner und Blum“, kontert der Landesrat der Kritik, dass im Land zu wenig Forschung und Entwicklung (F & E) betrieben werde. „Wir liegen mit den Patentanmeldungen in Relation zur Bevölkerung im Spitzenfeld“, so Rüdisser. Richtig sei, dass es aufgrund einer fehlenden Universität wenig Grundlagenforschung gebe, aber ihm sei lieber, wenn die angewandte  Forschung exzellent sei. „Eine gute Fachhochschule mit hohem Bezug zum Standort ist besser als eine mittelmäßige Universität.“ F & E seien für den Standort aber mindestens so wichtig wie Grund und Boden, das werde sich auch in der Wirtschaftspolitik des Landes niederschlagen.

Bildung

Die duale Ausbildung sei ein Asset, das zu Unrecht oft unterschätzt werde. Für Rüdisser muss eine Bildungsreform bereits im primärschulischen Bereich greifen. Die Bildungsdebatte sei aber ein Gesellschaftsthema, nicht nur eine der Wirtschaft, mahnt er.

Mehr Informationen: http://vorarlberg.at/pdf/wi_fo-strategie2020_web.pdf