“Unser Ziel war es immer, zu wachsen”

Markt / 09.06.2017 • 19:40 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Kupfer ist einer der Wertstoffe, die verarbeitet werden.
Kupfer ist einer der Wertstoffe, die verarbeitet werden.

Götzis. Karl Loacker leitet das gleichnamige Recyclingunternehmen. Im Interview spricht er über die Wachstumsstrategie des Unternehmens und was er über den Müllskandal bei Häusle denkt.

Das Bauvorhaben am Betriebsgelände in Götzis schreitet voran. Bis dahin war es aber ein langer Weg. Ist man als Recyclingbetrieb kein gern gesehener Nachbar?

Loacker: Jeder sagt zwar, euch Recycler braucht es unbedingt, aber ja nicht bei mir. Jeder, der zu uns aufs Gelände kommt, ist begeistert von unserer Sortierung, weil das positiv für die Umwelt ist. Aber mir ist auch klar, dass man nicht gern daneben wohnt. Ich habe die Autobahn auch lieber woanders, aber jeder braucht sie. Mit den Nachbarn generell hatten wir die letzten Jahre keine Probleme. Unser Problem war eine Person, die die Schredderanlage woanders platziert haben wollte. So mussten wir alles rechtlich lange ausstehen. Ich bin überzeugt, dass wir überall recht bekommen, nur dauert es sehr lange. Es ist furchtbar, dass man heute so ausgebremst wird, wenn man investieren will.

Ist das nur in Vorarlberg so oder auch in den anderen Ländern, in denen Sie tätig sind?

Loacker: Bei uns in Vorarlberg ist es natürlich ganz besonders. In anderen Ländern ist es einfacher, aber nicht für Ausländer. Wenn wir in Ungarn etwas Neues machen, brauchen wir den gleichen Standard wie hier. Die Mitbewerber vor Ort, die eine alte Bewilligung haben, nicht. Das ist unser Nachteil, denn dadurch ist die Kostenstruktur nicht mehr vergleichbar. Deshalb investieren wir laufend in die Dienstleistung. Wir wollen nicht immer nach dem Preis gemessen werden, sondern nach unser Leistung. Bis jetzt sind wir gut unterwegs und haben uns die letzten 20 Jahre sehr gut entwickelt.

Was waren die entscheidenden Schritte, um vom kleinen lokalen Betrieb zum international agierenden Unternehmen mit 44 Betriebsstätten zu werden?

Loacker: Unser Ziel war es immer, zu wachsen. Mein Bruder ist nach Ungarn gegangen, um einen Betrieb aufzubauen, und so hat es 1993 angefangen. Heute bekommen wir laufend Anfragen von bestehenden Firmen, die fragen, ob wir uns beteiligen wollen. Dabei geht es uns immer darum, ob es Synergien für die bestehenden Firmen bringt.

Das Recyclinggeschäft ist auch für andere attraktiv. Warum konnten gerade Sie so expandieren?

Loacker: Man kommt natürlich auch auf andere zu. Aber aufgrund unserer Geschichte haben wir gute Referenzen und sind in der Branche bekannt. Wir konnten uns im Gegensatz zu anderen auch in schwierigen Jahren kontinuierlich nach oben entwickeln. Das ist sicher ein Grund, dass uns viele Firmen ansprechen. Die meisten Betriebe, die wir übernommen haben oder an denen wir beteiligt sind, sind Kunden von uns. Vor 20 Jahren waren viele der Firmen größer als wir selbst, hatten aber nicht das Ziel, wie wir zu wachsen. Denn es ist nicht einfach, einen Betrieb zu übernehmen. Da sind vor allem die Mitarbeiter gefordert. Rückblickend haben wir natürlich auch Fehler gemacht, aber insgesamt haben wir doch mehr positive als negative Entscheidungen getroffen.

Die letzte Übernahme war die von Häusle. Wie wichtig war Ihnen die Komplettübernahme?

Loacker: Häusle hat natürlich eine ganz besondere Geschichte. Es war eine sehr schwierige Situation, die mich viel Nerven gekostet hat. Wir haben immer wieder versucht, die Mehrheit zu bekommen. Jetzt haben wir Gott sei Dank 100 Prozent und sind darüber sehr froh. Auch wenn wir wissen, dass es eine schwierige Aufgabe ist. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen. Ab 2019 wird der Name Häusle verschwinden und wir werden die Firma komplett integrieren.

Hätte es auch in einem Loacker-Betrieb zum Müllskandal kommen können?

Loacker: Ich weiß wirklich nicht, wie das passiert ist. Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, dass man das machen konnte, ohne dass jemand darauf aufmerksam wurde. Ausschließen kann man nie, dass irgendjemand in einer unserer Firmen eine Gaunerei macht. Aber wir haben bei uns verschiedene Kontrollsysteme, eine Rechtsabteilung, eine Abteilung für Qualität, Sicherheit und Umwelt. Wir schauen genau darauf, wo uns irgendetwas passieren kann, ob Betrug oder Umweltdelikt. Es gibt Gesetze und Auflagen, und die erfüllen wir alle.

Was in den letzten Jahren nicht leichter geworden ist.

Loacker: Die letzten 20 Jahre hat sich das gewaltig verändert. Früher hat ein Politiker etwas gesagt und so war es dann auch. Heute sind wir auf uns selber gestellt. Viel Hilfe bekommen wir da nicht. Aber die Politik ist letztlich dafür verantwortlich, dass man Rahmenbedingungen aufstellt, mit denen man Anliegen schneller durchbringen kann.

Wie geht es bei Loacker weiter? Wollen Sie weiter expandieren?

Loacker: Unser Ziel ist ein Wachstum von zehn Prozent. Das können wir durch eine noch tiefere Dienstleistung oder durch Zukäufe erreichen. Mit Häusle haben wir wieder einen Schritt gemacht und können so im Land noch einmal wachsen. Hier in Götzis sind wir platzmäßig voll und können nur mit besseren Maschinen die Materialien noch tiefer aufschließen. Da gibt es Projekte wie die Schredder-Flexibilisierung. Das heißt, wir möchten mit diesem auch am Dienstag- und Donnerstagnachmittag arbeiten. Die Auflage, die das verhindert, kommt aus dem Jahr 1986. Dabei muss es doch jedem einleuchten, dass es seither viel mehr Abfälle gibt. Zudem wollten wir eine Schredder-Filteranlage aufstellen. Dadurch hätten wir den Ausstoß um die Hälfte reduziert. Es war aber nicht möglich, sie aufzustellen. Die gleiche Filteranlage haben wir bei SRP Homburg und haben dafür den Innovationspreis bekommen.

Wachstum muss man sich als Unternehmen explizit vornehmen, sonst passiert da nichts. 

Karl Loacker auf dem Betriebsgelände des Recyclingunternehmens in Götzis. Was dort alles passiert, beeindruckt die Besucher immer wieder.  Fotos: VN/Hartinger
Karl Loacker auf dem Betriebsgelände des Recyclingunternehmens in Götzis. Was dort alles passiert, beeindruckt die Besucher immer wieder. Fotos: VN/Hartinger

Kennzahlen

Loacker Recycling GmbH

» Gegründet: 1886

» Gesellschafter: Loacker Privatstiftung, Familie Loacker

» Gesellschaften und Beteiligungen: 29 Firmen in acht Ländern, 44 Betriebsstätten, in Vorarlberg Loacker Recycling mit mehreren Betriebsstätten, Häusle (100 %), Branner (50 %)

» Mitarbeiter: 914, davon 262 in Vorarlberg

» Umsatz 2016: 520 Millionen Euro

Zur Person

Karl Loacker

Geschäftsführer und Miteigentümer

Geboren: 22. Oktober 1957

Ausbildung: Pflichtschule in Götzis, Handelsschule in Feldkirch, Learning by doing im Unternehmen, ständige Weiterbildung

Laufbahn: Eintritt ins Familienunternehmen

Familie: verheiratet, zwei Kinder, seit drei Monaten eine Enkelin