„Vieles dauert uns zu lange“

Markt / 25.06.2017 • 19:38 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Alexander Abbrederis, Vorsitzender der Jungen Wirtschaft Vorarlberg, mit GF Peter Flatscher (r.). VN/Steurer
Alexander Abbrederis, Vorsitzender der Jungen Wirtschaft Vorarlberg, mit GF Peter Flatscher (r.). VN/Steurer

50 Jahre Junge Wirtschaft und wieso Themen von damals heute noch brandaktuell sind.

schwarzach. Pünktlich zum Jubiläum wurde die Schallmauer von 500 Mitgliedern durchbrochen. 528 junge Wirtschaftstreibende und Wirtschaftsinteressierte sind heute Mitglied der Jungen Wirtschaft Vorarlberg (JWV). Dass es die Interessenvertretung bereits seit 50 Jahren gibt, mag man kaum glauben. Vielleicht, weil „Junge“ im Namen steht.

Aber es war 1967, als sechs Mitglieder des Arbeitskreises „Vorarlberger Volkswirtschaftliche Gesellschaft“ rund um Norbert Delacher den Startschuss dafür gaben. Der Grundgedanke war damals wie heute der gleiche – die Stärkung des jungen Unternehmertums im Land. Und wirft man einen Blick auf die Themen der vergangenen Jahrzehnte, erkennt man durchaus viele Parallelen zu heute. Denn manches ist heute immer noch brandaktuell, erzählen Vorsitzender Alexander Abbrederis und Geschäftsführer Peter Flatscher im VN-Gespräch. „In den 70er-Jahren war es Schule und Wirtschaft. Ein Thema, das wir uns bis heute auf die Fahnen geheftet haben, indem wir in Schulen gehen und dort die wirtschaftliche Ausbildung mit verschiedenen Modulen ergänzen, um die Relevanz des Jungunternehmertums aufzuzeigen.“ Das Format erreichte im letzten Schuljahr über 500 Schüler. „Wir reden von Start-ups, geben den jungen Menschen aber nicht das notwendige Werkzeug mit“, sagt Alexander Abbrederis über die Motivation.

Zeitreise durch Jahrzehnte

In den 80er-Jahren spielten Energiethemen eine wichtige Rolle bei der Jungen Wirtschaft. In den 90ern waren es neue Geschäftsmodelle und deren Auswirkung auf die heimische Wirtschaft sowie die Gewerbeordnung. „Schon damals hat sich die Junge Wirtschaft für deren Liberalisierung eingesetzt“, so Peter Flatscher. Auch der Fokus der 2000er-Jahre, GmbH-Reform, Betriebsnachfolge und Senkung der Lohnnebenkosten, habe nicht an Relevanz verloren. Der Beschäftigungsbonus, der ab 1. Juli für neu eingestellte Mitarbeiter die Lohnnebenkosten um die Hälfte senken soll, zeigt das treffend. Und so wird die 50-Jahr-Feier, die am Donnerstag im Palast Hohenems abgehalten wird, deshalb auch eine Zeitreise durch die letzten fünf Jahrzehnte. Frühere Vorsitzende wie Christian Beer oder Johannes Collini geben dabei spannende Einblicke.

Gegen Forderungskataloge

Permanent Forderungskataloge aufzustellen, liegt der Jungen Wirtschaft aber bis heute nicht. „Vielmehr wollen wir eine Plattform sein, die Dinge ermöglicht und in Bewegung bringt“, sagt Abbrederis. Vor den Karren spannen lassen gilt bis heute nicht. Vielmehr will die JWV festgefahrene Strukturen hinterfragen, Denkmöglichkeiten aufzeigen, damit sich junge Unternehmer selbst ihr Bild von der Zukunft machen können. „Ob ein Weg gut ist oder nicht, kann man nur erkennen, wenn man auch die Alternativen kennt“, so der JWV-Vorsitzende.

Die großen Themen sind dabei Zukunftsfähigkeit, Generationentauglichkeit und Digitalisierung. Bereiche, für die die Interessenvertretung brennt. „Wir brauchen aber nicht immer die Themenführerschaft“, so Flatscher. „Wir möchten, dass etwas weitergeht. Diese Themen sind zu wichtig, um sich damit persönlich zu bereichern.“ Insgesamt dauert ihnen aber vieles zu lange. Die Erkenntnis, etwas zu verändern, sei zwar da, aber man müsste schneller umsetzen. Und manches, das beschlossen werde, sei auch zu oberflächlich und erfasse nicht den Kern. Das sehe man am Beschäftigungsbonus, einer 17 Jahre andauernden Forderung der Jungen Wirtschaft.

Nur im Ansatz gut

„Im Ansatz finden wir ihn gut, in der Umsetzung nicht, weil am Ende eine Förderung daraus geworden ist. Zuerst nimmt man dem Unternehmer Geld, das dann durch die Mühlen der Bürokratie geht und letztlich als Förderung zurückfließt. Das ist nicht effizient.“ Gezielt machen Förderungen schon Sinn, aber den Dschungel gilt es zu lichten, so Abbrederis. Wohl auch ein Grund, wieso es die nächsten 50 Jahre eine starke Stimme der Jungen braucht.

50-Jahr-Feier der Jungen Wirtschaft am Donnerstag, 29. Juni, im Palast Hohenems. Infos und Tickets unter: www.jwv.at/events/50jahre