Am Schluss gab es noch Pfiffe

Markt / 29.06.2017 • 23:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bei der Anmeldung und Registrierung für die 88. VKW-Hauptversammlung bildeten sich lange Schlangen. Foto: VN/Hartinger
Bei der Anmeldung und Registrierung für die 88. VKW-Hauptversammlung bildeten sich lange Schlangen. Foto: VN/Hartinger

Der Ausschluss der Aktionäre der VKW ist beschlossen. Doch diese wehrten sich redlich.

Wolfurt. Es war von Anfang an ein Kampf David gegen Goliath. Aber das zeigt schon die Begrifflichkeit bei Aktionärsversammlungen. Denn Kleinaktionär ist man eben, wenn man nicht viele Aktien hält. Am Donnerstag luden die VKW ab 16 Uhr zu ihrer 88. Hauptversammlung ins Wolfurter Veranstaltungszentrum Cubus – vier Punkte standen auf der Tagesordnung. Von Interesse war für die schlussendlich rund 220 Teilnehmer der vierte Punkt, der „Beschluss über den Gesellschafterausschluss gemäß Gesellschafterauschlussgesetz aufgrund des Verlangens des Hauptgesellschafters Vorarlberger Illwerke AG“. Dieser ist laut Vorstand und Aufsichtrat der Illwerke VKW deswegen notwendig, um die Strukturen zu straffen, um gewappnet zu sein im härter werdenden Geschäft mit der Energie – um es auf einen Nenner zu bringen: Um Kosten einzusparen.

Im Vorfeld abgestimmt

Rund 900 Aktionäre haben 2013 das Angebot des Konzerns, die Aktien um 180 Euro mit einem inkludierten Bonus von 50 Euro, der auf dem Delisting an der Wiener Börse fußte,  zurückzukaufen, nicht angenommen. Das Angebot für das Squeeze Out, wie der Ausschluss von Aktionären in der Fachsprache heißt, ist deutlich niedriger. 96,60 Euro in bar oder als Anteil an einer Genossenschaft, die sich an der Vorarlberg-Netz-Gesellschaft beteiligt, pro Aktie. Der größte Teil hat schon im Vorfeld der Hauptversammlung abgestimmt. Durch die Nichtteilnahme haben rund 700 Aktionäre ihr O.K. zum Angebot gegeben. Dafür waren ein größerer Teil der Aktionäre, die die Hauptversammlung besuchten, umso entschlossener, ihren Unmut kundzutun – und zwar mit ihren nummerierten Abstimmungskarten, die sie zuvor bei der Anmeldung ausgefasst haben.

98,848392 Prozent

Wäre es an diesem Abend nach Köpfen gegangen und nicht nach Aktien, hätte das Ergebnis anders ausgesehen. Die Mehrheit im Saal stimmte gegen das Angebot. Am Schluss, nach einem knapp sechsstündigen Sitzungsmarathon, erntete der Vertreter des Hauptaktionärs Illwerke, Dr. Christoph Herbst, auch noch Pfiffe, als er erklärte, dass diese nach der Abstimmung, die mit exakt 98,848392 Prozent Zustimmung gegen 0,700425 Prozent Nein-Stimmen ausgegangen ist, exakt das bezahlt, was im Vorfeld angekündigt wurde, nämlich 96,60 Euro.

Gewünscht hätten sich die Kleinaktionäre, dass zumindest die Delisting-Prämie aus dem Jahr 2013, nämlich die 50 Euro, noch draufgepackt werden, wie es ein Aktionär beantragte. Oder dass wie damals einfach 180 Euro ausbezahlt werden. Da halfen im Vorfeld der Jahresabschluss 2016 samt Lagebericht des Vorstandes und des Aufsichtsrates nicht viel. Auch die Erklärungen der Experten, Dr. Alfred Geismayr von RTG Treuhand, die im Vorfeld die Bewertung des Unternehmens inklusive Prognosen vornahm, und von Dr. Christina Khinast-Sittenthaler vom Unternehmensprüfungsunternehmen EY (Ernst & Young), die im Auftrag des Landesgerichts Feldkirch prüfte, ob das Ausschluss-Angebot in Ordnung ist, fruchtete nur bei etwa einem Drittel der anwesenden Aktionäre. Vorstand Christoph Germann machte die Aktionäre aber auch darauf aufmerksam, dass sie das Angebot selbst nochmals vom Gericht prüfen lassen können. Die Kosten trägt der Energiekonzern.

„Es ist nicht so, dass wir unsere Kleinaktionäre loswerden wollen“, betonte er, deshalb biete man als Alternative die Netz-Genossenschaft an. Das sei ihm ganz wichtig gewesen, betonte Aufsichtrat Landesrat Erich Schwärzler, er habe darauf gedrängt, dass nicht nur Geld angeboten wird. Angesprochen waren er und sein Aufsichtsratskollege Landesrat Johannes Rauch von einer Aktionärin, die die moralische Seite des Squeeze Out ins Spiel brachte. Rauch: „Ich erwarte mir von Ihnen keine Zustimmung, aber ich bin überzeugt, das es die richtige Entscheidung für die eigenständige Energieversorgung im Land ist.“