Fronten festgefahren

30.11.2017 • 21:20 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Diskussion um die Messepark-Erweiterung hat nichts an Schärfe verloren. VN/Steurer
Die Diskussion um die Messepark-Erweiterung hat nichts an Schärfe verloren. VN/Steurer

Diskussion um Messepark: Standort-Experte plädiert für Erweiterung.

Dornbirn Bewegung sieht anders aus: Wenn sich die Betreiber des Einkaufszentrums nach einer Aussage des designierten Wirtschaftskammer-Direktorstellvertreters Marco Tittler einen Befreiungsschlag im Ringen um die erweiterbare Fläche erhofft haben, wird diese Hoffnung enttäuscht. Man könne die Entwicklung der Innenstadt nicht beschleunigen, wenn man ein Projekt an der Peripherie verhindere, sagte Tittler und das wird von Befürwortern einer Erweiterung genau gegenteilig interpretiert wie von den Gegnern. „Nein, wir werden uns an die bisher kommunizierte Lösung, die in Absprache mit dem Land erfolgt ist, halten“, heißt es vom Präsidenten der Wirtschaftskammer, Hans Peter Metzler. Er stellt überhaupt klar, dass die Wirtschaftskammer gar nicht Teil des Genehmigungsverfahrens sei. Das seien die Stadt Dornbirn und das Land. Dass auch Delegierte der Wirtschaftskammer im Raumplanungsbeirat sitzen, stehe dabei nicht zur Diskussion. „Das Gremium hat nur beratende Funktion.“

Causa Prima

Die Obfrau der Sparte Handel, Theresia Fröwis, weiß von keiner Neubewertung der Causa Prima im Vorarlberger Einzelhandel: „Wenn es diese gegeben hätte, wäre ich jedenfalls nicht informiert.“ Sie glaubt, dass die vom Land ins Spiel gebrachten 1500 Quadratmeter für eine Erweiterung des Shopping Centers ein annehmbarer Kompromiss sind. Die Kauffrau verweist auf die Studien des Handelsforschers CIMA: „Würde man die Ergebnisse negieren, dann müsste ich am Wert von Studien zweifeln“, so Fröwis. In Sachen Messepark jedenfalls wird es Anfang 2018 zum High Noon kommen – und zwar im „beratenden Gremium“ Raumplanungsausschuss.

Denn die Diskussion um die Erweiterung des erfolgreichsten Einkaufszentrums Österreichs (nach Quadratmeterumsätzen) hat auch zwei Jahre nach Präsentation des Vorhabens nichts an Schärfe verloren. Und die Vorstellungen sind einzementiert. Keine der derzeit beteiligten Parteien ist bereit, von ihren Wünschen Abstand zu nehmen: Messepark-Chef Guntram Drexel beharrt ebenso auf den angesuchten 4700 Quadratmetern Verkaufsfläche wie die Stadt auf den 2500 Quadratmetern, die für Bürgermeisterin Andrea Kaufmann ein gangbarer Weg zwischen den Interessen des Messeparks und der Innenstadt-Kaufleute sind. Und das Land wird sich auch nicht bewegen, wie Wirtschaftslandesrat Karlheinz Rüdisser im Gespräch mit den VN bekräftigte. „Es gab sogar Stimmen aus der Wirtschaft, die gar keinen Quadratmeter Erweiterung tolerieren wollten.“ Außerdem könne der Messepark ja wachsen – halt nicht bei den Verkaufsflächen, sondern beim Entertainment-Angebot oder in der Gastronomie.

Für den bekannten Standort- und Handelsexperten Hannes Lindner von der Standort & Markt Beratungsgesellschaft in Baden (NÖ), der in Vorarlberg derzeit nicht tätig ist, ist die Diskussion nicht nachvollziehbar. „Es geht hier um eine moderate Erweiterung, der Betreiber will die Verkaufsfläche ja nicht verdoppeln. Wer den Messepark kennt, der weiß, dass man was tun muss, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein“, so Lindner. Es sei auch unbestritten, dass der stationäre Handel dringend etwas unternehmen muss, um gegen den Online-Handel zu bestehen.

Derzeit lebe man im Messepark auch von den Währungsvorteilen, die viele Schweizer in das Shopping Center locken. „Doch wenn das einmal nicht mehr gegeben ist, dann muss das Einkaufszentrum mit einem attraktiven Branchenmix die Kunden überzeugen“, so der Standort-Fachmann. Für ihn stelle sich die Diskussion als politisches Machtspiel dar, das dem Standort nichts nütze, zumal ja der Messepark in einer Region sei, in der die Bevölkerung und damit die Konsumnachfrage weiter wachse, verweist er im Gespräch mit den VN auf die Entwickung, die auch in der CIMA-Studie eine Rolle spielt und die ebenfalls noch Potenzial für den Einzelhandel sieht.

Grundsatzdiskussion

Ob dem so ist, das will Wirtschaftskammer-Präsident Metzler jedenfalls genauer wissen: „Die Entwicklung des Handels gehört im Raumbild 2030, das derzeit in Arbeit ist, unbedingt berücksichtigt“, auch damit in Zukunft nicht bei jeder Erweiterung bzw. Ansiedlung eines Handelsbetriebes wieder von Neuem eine Grundsatzdiskussion losbreche. VN-sca

Fakten

4700 Quadratmeter zusätzliche Handelsfläche hat die Messepark Verwaltungsgesellschaft angemeldet. Sie will 40 Millionen in das Shopping-Mall-Update investieren.

2700 Quadratmeter Verkaufsfläche kann sich die Stadt Dornbirn vorstellen. Das sei auch für die Innenstadt verträglich, so Bürgermeisterin Andrea Kaufmann.

1500 Quadratmeter Handelsfläche und nicht mehr will das Land Vorarlberg genehmigen. Es argumentiert mit der Kaufstromanalyse des Beratungsunternehmens CIMA.