„Ich bereue keine Sekunde“

16.03.2018 • 18:28 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Elmar Herburgers Devise: Ein Gasthaus muss man im Herzen leben.

Elmar Herburgers Devise: Ein Gasthaus muss man im Herzen leben.

Elmar Herburger ist leidenschaftlich gern Wirt und Branchenvertreter.

Rankweil Elmar Herburger betreibt den Mohren in Rankweil und setzt sich als Spartenobmann für die Anliegen der Tourismus- und Freizeitwirtschaft in Vorarlberg ein.

 

Sie sind einer der Initiatoren der Tourismusstrategie 2020. „Gastgeben nach Vorarlberger Art“ ist dabei ein Ziel. Wie setzen Sie das im Mohren um?

Herburger Wir setzen bereits seit 20 Jahren auf saisonale und regionale Produkte. Zudem bedeutet es auch eine natürliche Gastfreundschaft gegenüber den Gästen. Das betrifft die Unternehmerfamilie genauso wie die Mitarbeiter. Es geht auch um die Architektur. So haben wir unseren Neubau mit regionalen Handwerkern umgesetzt.

 

Sie haben in den vergangenen Jahren Ihr Haus erweitert. Erwarten das die Gäste, dass man immer wieder etwas Neues präsentiert?

Herburger Die Wünsche und die Erwartungshaltung der Gäste sind heute relativ hoch. Man kann nicht 15 Jahre lang die gleiche Einrichtung haben, zumindest in der Hotellerie nicht. In der Gastronomie tut man sich schwerer. Hier ist oft nicht so viel Ertrag drin, dass man ständig erneuern kann.

 

Wie hat sich der Gast in den letzten Jahren gewandelt?

Herburger Als ich ein Kind war, war der Ansturm von Urlaubern aus Deutschland und Holland so groß, dass die Zimmer nicht gereicht haben. Da sind wir ausgezogen, damit die Gäste Platz hatten. Die Urlauber waren zufrieden. Sie wollten hier Urlaub machen und der Anspruch an Komfort war viel geringer. Heute ist es komplett anders. Die Erwartungshaltung ist extrem hoch. Heute muss man überall up to date sein. In der Gastronomie ist eher die Spezialisierung gefragt. Sonst hat man einen Korb voll an Angeboten, die man gar nicht alle produzieren kann. Wir machen also keine italienischen Ausflüge. Das machen andere und das sehr gut.

 

Immer wieder zur Sprache kommt im Tourismus der Fachkräftemangel.

Herburger Es heißt immer, im Tourismus gibt es zu wenig Fachkräfte, aber es ist in allen Branchen so. Wir haben heute um 20 Prozent mehr Mitarbeiter als noch vor zehn Jahren. Aber der Anteil der Einheimischen ist weniger geworden. Zum einen können wir in Vorarlberg nicht mehr so viel abschöpfen und zum anderen haben die Kärntner oder Steirer selbst ein tolles touristisches Angebot und bleiben dort. Aus dem Ausland waren es zuerst die Ostdeutschen, die aber nun ebenfalls eine touristische Entwicklung in ihrer Heimat haben. Ähnlich ist es mit Bulgarien. Wir machen bis zu 18 Mitarbeiterbörsen im Ausland, aber man findet nicht die Menge, damit das Problem gelöst wäre. Darum sind wir dran, junge Menschen in Vorarlberg zu motivieren. Mit der Gascht sind wir erfolgreicher gestartet als gedacht. Wir haben zunächst mit 50 Anmeldungen gerechnet, am Ende waren es dann 170. Es braucht aber genauso eine entsprechende Saisonnierregelung, um zusätzliche Fachkräfte aus Drittstaaten zu bekommen.

 

Was unterscheidet denn die Gascht von einer üblichen Ausbildung?

Herburger Das Konzept wurde mit den drei Direktoren der Gastgewerbeschulen Bezau, Lochau und Bludenz entwickelt. Ziel war eine neue Lehre, die ein Jahr länger dauert und das Gute von Lehre und Hotelfachschule zusammenbringt. Da waren wir fast zwei Jahre lang dran. Danach haben alle gesagt, toll, aber das geht nicht. Lehre durften wir es nicht nennen, darum wurde es über Umwege eine Privatschule. Sie steht nun, wir sind im ersten Jahr und sie ist auch endgültig abgesegnet vom Bundesministerium. Generell ist es so: Wer eine Lehre macht, hat mehr Theorie, wer die Gascht macht, hat mehr Praxis. Die Jugendlichen können je nach Interesse zwei Wochen auf einer Alp, auf einem Weingut oder in einem Theaterkurs sein. Besonders wichtig bei den persönlichen Gesprächen im Vorfeld war uns, dass es Jugendliche sind, die wirklich in den Tourismus wollen. Wir hoffen, dass letztlich mehr in der Branche bleiben.

 

Wie bekommen Sie im Mohren gute Mitarbeiter?

Herburger Wir sind ein Jahresbetrieb und tun uns aus diesem Grund schon leichter. Vieles geht bei uns auch über Empfehlungen. Wobei es uns letzten Sommer auch einmal geschleudert hat, weil uns die Köche fehlten.

 

Hilft die Auszeichnung „Great place to work“ dabei?

Herburger Natürlich. Einerseits haben wir die Auszeichnung bekommen, was mich sehr freut. Andererseits war ich zusammen mit elf anderen Betrieben auch das Versuchskaninchen. „Great place to work“ hat für uns ein eigenes Konzept aufgestellt. Als Branche ist es unser Ziel, bis in drei Jahren 100 bis 150 Betriebe dabei zu haben. Es ist ein Imagegewinn und soll auch den Mitarbeitern signalisieren, dass es hier im Land ausgezeichnete Betriebe gibt.

 

Die Regierung hat die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Übernachtungen von zehn auf 13 Prozent wieder zurückgenommen. Wird der Tourismus nun mehr gehört?

Herburger Wir sind in den letzten Jahren oft stiefmütterlich behandelt worden. Der Druck war nun groß, etwas zu tun. Die Steuergeschichte war reine Geldbeschaffung, in allen anderen EU-Ländern liegt der Satz zwischen sechs und zehn Prozent. Die Abschreibungsdauer war auch unvernünftig. Ich kann ein Hallenbad nicht 35 Jahre lang abschreiben, wenn es nicht einmal 25 Jahre lang hält. Das will man nun ändern. Es tut sich einiges und wir sehen dem positiv entgegen.

 

War für Sie immer klar, dass Sie Wirt werden?

Herburger Zu meiner Zeit war es die Verantwortung, den Eltern zu helfen. Ich wollte sie nicht enttäuschen. Die Hotelfachschule hat mich dann sehr motiviert und ich bereue es keine Sekunde.

„Als Jahresbetrieb tun wir uns bei den Mitarbeitern schon viel leichter.“

Begegnung auf Augenhöhe und ein partnerschaftliches Miteinander heißt das Erfolgsrezept von Elmar Herburgers Mitarbeiterführung. Viele kommen deshalb auch nach Jahren wieder nach Rankweil zurück. VN/Stiplovsek
Begegnung auf Augenhöhe und ein partnerschaftliches Miteinander heißt das Erfolgsrezept von Elmar Herburgers Mitarbeiterführung. Viele kommen deshalb auch nach Jahren wieder nach Rankweil zurück. VN/Stiplovsek

Kennzahlen

Gegründet 1904 durch die Familie Fulterer (derzeit in dritter und vierter Generation)

Geschäftsführung und Eigentümer Michaela Herburger, Elmar Herburger

Mitarbeiter 25

Art des Betriebs Gastronomie und Hotellerie (3-Sterne-Superior)

Investitionen 2017 rund zwei Millionen Euro

Privat

Elmar Herburger

Geschäftsführer Herburgers Mohren GmbH, Obmann der Sparte Tourismus in der Wirtschaftskammer Vorarlberg

Geboren 4. Juni 1955

Ausbildung Pflichtschulen, Hotelfachschule, Weiterbildungen

Laufbahn Praktika in der Schweiz, am Arlberg und in England, ab 1975 im Mohren, seit 1978 Geschäftsführung

Familie verheiratet mit Gerda, vier Kinder

 

Die viele Arbeit in Gasthaus und Hotel hält Elmar Herburger nicht davon ab, sich in der freien Zeit für die Berufskollegen und die Lehrlingsausbildung in der Branche zu engagieren. Derzeit ist Herburger Obmann der Sparte Tourismus in der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Er hat an der Tourismusstrategie maßgeblich mitgearbeitet und spricht damit für eine der wichtigsten Branchen des Landes.

Wichtig war und ist ihm aber auch, dass er die freie Zeit mit seiner Familie verbringt, betont er. Im Winter nimmt er sich Zeit, um Ski zu fahren, regelmäßig geht Herburger joggen.