645,3 Kilogramm Abfall

Markt / 11.04.2018 • 19:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Vorarlberger beim Mülltrennen Musterschüler. Es gibt aber Verbesserungspotenzial.

Schwarzach In vielen Ländern Europas sorgte die Nachricht, dass China kein Plastik mehr importieren wird, für Verunsicherung. Anders in Österreich: „Unser Plastikmüll muss nicht exportiert werden, weil die heimischen Entsorgungsbetriebe schon seit Jahren bei der getrennten Sammlung, Sortierung und Verwertung von Kunststoff Vorreiter sind“, weist der Präsident des Verbands der österreichischen Entsorgungsbetriebe (VOEB), Hans Roth, auf die Leistungsfähigkeit der Abfallwirtschaft in Österreich hin. Er vergißt nicht zu erwähnen, dass auch die Produzenten in Österreich in den vergangenen Jahren ihre Verantwortung wahrgenommen und für recycelbare Verpackungen gesorgt haben. Aber natürlich leisten auch die vier Vorarlberger Mitgliedsbetriebe des VOEB und ihre 300 Mitarbeiter ihren Beitrag dazu und das nicht nur bei der Verwertung von Plastik.

Vorarlberg ist nicht nur in der Kunststoffverwertung auf der Höhe der Zeit, sondern auch im Österreichvergleich Musterschüler mit insgesamt 645,3 Kilogramm Abfall pro Einwohner im vergangenen Jahr, was vor allem für die Verursacher des Abfalls spricht. Im Bundesländervergleich verzeichnet Vorarlberg das niedrigste Aufkommen an Siedlungsabfällen, nämlich 369 Kilogramm pro Einwohner (Bundesdurchschnitt 482 Kilo) sowie an Sperrmüll (15 kg/EW, Österreich 26 kg/EW) und liegt auch bei biogenen Abfällen mit 74 kg je Einwohner (Österreich: 108 kg) im unteren Drittel. Wenn Roth bei den Vorarlbergern also noch Möglichkeiten sieht, Müll zu vermeiden, dann z. B. bei Lebensmitteln und Rohstoffen. „Es werden immer noch zu viele Lebensmittel entsorgt“, stellt er fest. Auch Lithiumbatterien landen oft nicht dort, wo sie hingehören, gibt Roth gute Tipps. Diese seien bei den Entsorgungsbetrieben im Land in den richtigen Händen.

„Unsere Lösungen in der Abfallwirtschaft gelten als Benchmark im europäischen Vergleich“, so Roth. Die Branche habe sich vom reinen Abfallentsorger zum Ressourcenmanager gewandelt, habe ökologisch neue Standards gesetzt und somit auch einen neuen, zukunftsträchtigen Markt eröffnet. Aus dieser privilegierten Position heraus begrüßt der Verband auch das Kreislaufwirtschaftspaket der EU. Roth: „Wir fordern hohe Recyclingquoten im gesamten EU-Raum, nur so können ökologische Verbesserungen mit ökonomischen Chancen verknüpft werden.“

Expertise, Innovationskraft und Servicequalität seien die wesentlichen Merkmale der Vorarlberger Entsorgungsbetriebe. „Stetige Optimierung und Weiterentwicklung sowie ein hoher Anspruch an die Qualität sind das A und O“, so Roth. „Mit dem Export erforschter und erprobter Lösungen leisten wir nicht nur einen maßgeblichen Beitrag zur heimischen, sondern auch zur internationalen Kreislaufwirtschaft.“ Voraussetzung dafür sei allerdings ein Bekenntnis der Politik, die dafür notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Die enge Zusammenarbeit zwischen Gesetzgeber und den Entsorgungsbetrieben habe bisher zu einer Erfolgsgeschichte der Abfallwirtschaft geführt. Eine Ausweitung des Andienungszwangs, um mehr Abfälle der Entsorgung durch die öffentliche Hand zuzuführen, sieht er aber kritisch: „Die Politik soll umweltpolitische Rahmenbedingungen schaffen, die den Betrieben ökonomischen Fortschritt ermöglichen“, empfiehlt Roth.

„Es werden immer noch zu viele Lebensmittel entsorgt. Und zu wenig Rohstoffe wie Lithium.“