Daten ohne Mut zur Lücke

01.05.2018 • 17:01 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Erfolgsallianz: David Moosbrugger (GF Künz GmbH), Michael Breidenbrücker (CEO Speedstartstudio), Dietmar Nussbaumer (CTO Schelling Anlagenbau). Senseforce
Erfolgsallianz: David Moosbrugger (GF Künz GmbH), Michael Breidenbrücker (CEO Speedstartstudio), Dietmar Nussbaumer (CTO Schelling Anlagenbau). Senseforce

Vorarlberger „Internet der Dinge“-Allianz: Wie Senseforce den traditionellen Maschinenbau mit der digitalen Welt verbindet.

Dornbirn Was ein Kran und eine Säge auf den ersten Blick gemeinsam haben? Beides sind Maschinen, in beiden sind Computer eingebaut, die das Ganze steuern und mittels Sensoren den Zustand der eingebauten Teile überwachen. Eine Maschine ist heute also komplett datengesteuert. Nur: Verlässt sie einmal den Hersteller, sind diese Daten nicht mehr verfügbar.

Im Gegensatz zum traditionellen Maschinenbau kommt Michael Breidenbrücker aus der digitalen Welt. „Im Webbereich sind wir es so gewohnt, dass man nur besser werden kann, wenn man Daten zur Verfügung hat.“ Er hat nicht nur den Onlinemusikdienst „Last.Fm“ mitbegründet, sondern mehrere Start-ups erfolgreich begleitet. Mit dem Dornbirner Si Speedstartstudio bauen er und sein Team Unternehmen von null an auf. Einige erfolgreiche Projekte sind so entstanden. Eines ist Senseforce.

Die Idee dahinter: Eine Internet of Things (IoT)-Lösung für den Maschinenbau. Also eine Technologie, die die Daten von Gegenständen wie Maschinen erfasst, speichert und untereinander austauscht.

Know-how verbunden

Wie diese Lösung letztlich in den Kran und die Kreissäge kam? „Wir sind damit zunächst auf den Kranhersteller Künz zugegangen und haben gesagt, wir würden unser Know-how gerne einbringen“, erklärt Geschäftsführer Michael Breidenbrücker. Danach kam Schelling Anlagenbau hinzu und am Ende stand mit Senseforce ein Unternehmen, das die Kompetenzen von Maschinenbauern mit jenen der digitalen Welt verbindet.

Was das Senseforce-Analysetool genau tut? „Wir schließen die Datenlücke zwischen dem Maschinenbauer und dem Betreiber der Maschine“, sagt Breidenbrücker. Die daraus gewonnenen Daten in Echtzeit zeigen quasi das Innenleben und das Befinden der im Einsatz befindlichen Maschine auf einen Blick. „Wie hoch ist die Auslastung oder die Belastung auf ein Bauteil?“, „Haben die eingebauten Teile die richtige Dimension?“ oder „Sind deren Parameter richtig eingestellt?“ sind nur einige der Fragen, die sich damit beantworten lassen und die dafür sorgen, dass die Lebensdauer von Bauteilen deutlich erhöht werden kann. „Der Maschinenbau durchläuft gerade einen ähnlichen Trend wie die Softwareindustrie vor 20 Jahren“, sagt Breidenbrücker. Vor allem gehe es immer mehr in Richtung Service­orientierung. „Der Maschinenbauer hat früher einfach das Produkt verkauft. 85 Prozent des Umsatzes wurden durch einmalige Verkäufe erzielt, 15 Prozent über Service. Das wird sich ändern. Aber dazu muss man auch etwas bieten. Will man den Servicelevel erhöhen, reicht es nicht, nur einen Kundendienst zu haben, der bei Problemen einen Techniker vorbeischickt. Das gelingt nur mit einer Datenverbindung zur Maschine, wo auch immer auf der Welt diese steht.“

Expertenteam zur Maschine

Wie das in der Praxis funktioniert? „Durch das datenbasierte Monitoring kaufe ich mit der Maschine ein Team an Experten dazu, das die Maschine rund um die Uhr im Auge hat und bei Unregelmäßigkeiten oder Problemen sofort agiert“, so der Senseforce-Geschäftsführer über ein wichtiges Verkaufsargument. Schließlich muss ein Terminal-Kran im besten Fall dauerhaft verfügbar sein. Der Betreiber der Maschine bekommt also letztlich einen besseren Service. Der Maschinenbauer wiederum kann diesen Service besser verkaufen. Qualität sei bei Maschinen mittlerweile die Regel, darum könne man sich heute vielmehr im Service und mit Innovation unterscheiden. Zudem führe das Monitoring und „das daraus Lernen“ dazu, dass jede neue Generation an Maschinen noch besser werde. So wie es bei jeder Software-Version bereits heute der Fall sei. Auch habe die Lösung Vorteile für den Einkauf. Schließlich sehe man in der Auswertung auf einen Blick, welches Zulieferer-Bauteil für wie viele Alarme sorgt. Insgesamt, so Breidenbrücker, sei die „Plug and Play“-Lösung preislich attraktiv, einfach integrierbar und somit international skalierbar. Aktuell ist man bei Senseforce im Verkaufsmodus. Neue Kunden sollen gewonnen werden. Zunächst vor allem im Maschinenbau. Die Lösung sei aber genauso auf andere Industrieteilnehmer ausdehnbar.

Die IoT-Allianz

Inzwischen ist auch Speedinvest, Österreichs größter Risikokapitalfonds, bei Senseforce eingestiegen. Miteigentümer sind zudem die Gründer der quasi ersten „Internet der Dinge“-Allianz in Vorarlberg – Si Speedstartstudio, Künz und Schelling. Ein gelungenes Beispiel also, wie man durch Zusammenarbeit das oft herrschende Kirchturmdenken erfolgreich überwindet.