Muss ein Farbkübel weiß sein?

Markt / 08.06.2018 • 20:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Forcierte Kreislaufwirtschaft sichert ökonomischen Umgang mit Rohstoffen.   VN/Steurer
Forcierte Kreislaufwirtschaft sichert ökonomischen Umgang mit Rohstoffen.   VN/Steurer

Recycling-Kreislaufwirtschaft der EU als Herausforderung für die Wirtschaft.

Schwarzach Die Europäische Union sagt dem Abfall den Kampf an. Bis 2025 soll mittels Kreislaufwirtschaft der Müll nicht nur verringert, sondern vor allem wiederverwertet werden. Papier zu 75 Prozent, Eisen, andere Metalle und Glas zu 70 Prozent und Verpackungen zu 67 Prozent. Beim Plastikmüll gibt sich die Union vorerst mit einem Ziel von 50 Prozent zufrieden. „Eine große Herausforderung“, wie der Vorstand der Abfall Recycling Austria, Werner Knausz (59), im Gespräch mit den VN betont, um dann gleich zu relativieren, denn Österreich ist in allen Bereichen Musterschüler, hat schon jetzt überall außer beim Kunststoff die 2025er-Ziele übertroffen. Kunststoff wird derzeit zu 34 Prozent wiederverwertet, geplant sind 50 Prozent.

Um aber den Vorsprung zu halten, braucht es nicht nur die Wirtschaft, die für entsprechendes Recycling und sparsamen Umgang mit den Ressourcen sorgen soll, es braucht auch die Endverbraucher. Dass dabei die Studie des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) zum Thema Mülltrennung (die VN berichteten) nicht unbedingt dienlich war, ist klar. Sie kontern mit den tatsächlichen Zahlen, die Vorarlberg beim Trennen nach wie vor ganz vorne sehen. Was die Studie des VOEB nicht in Abrede stellt, in ihr ging es eher ums Wissen, das Bewusstsein und die Einsatzbereitschaft der Bevölkerung. Immerhin: Sowohl Werner Knausz als auch Herbert Koschier (58) vom Vorarlberger Umweltverband wissen, dass es ohne ständige Bewusstseinsbildung nicht geht. „Man darf nicht nachlassen“, sagt Knausz. Und Koschier, der feststellt, dass „Vorarlbergs Bevölkerung keineswegs müde ist, was das Abfalltrennen angeht“, zählt auf, was alles unternommen wird, damit bereits Kindern die Trennung in Fleisch und Blut übergeht, z. B. die derzeit stattfindende Umweltwoche.

Nein zum Pfandsystem

Zurück zur Kreislaufwirtschaft: Bis 2025 sollen zehn Millionen Tonnen Recyclingkunststoff in die „Circular Action“ eingebracht werden, 2030 sollen dann alle Kunststoffverpackungen recyclingfähig werden. Die ARA, die sich im Auftrag ihrer Mitglieder aus der Wirtschaft seit 25 Jahren mit der Wiederverwertung beschäftigt, hat dafür ein Instrument geschaffen, das international nachgefragt wird. So wurde ein IT-Programm entwickelt, das die Verpackungen durchrechnet, geplante und verwendete Verpackungsmaterialien bestimmt und Optimierungsvorschläge macht, berichtet Knausz. Beispiel: „Mit kleinen Dingen kann man die Quote verbessern. Wer sagt denn, dass ein Farbkübel immer weiß sein muss?“ Scheinbare Patentrezepte wie das PET-Flaschenpfand lehnt Knausz ab. „Das kostet in Deutschland 200 Millionen Euro jährlich, außerdem wird so der Recylingware das gute Material entzogen“, argumentiert er, lässt aber keinen Zweifel daran, dass nur eine gemeinsame Anstrengung aller zu einem Gelingen des EU-Plans führen wird.

„Eine Kunststoffsteuer und Verbote führen nicht zum Ziel.“