Vorarlbergs Haushalte sammeln weniger Bioabfälle als der Rest der Österreicher

20.02.2019 • 05:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Für viele Vorarlberger ist der Komposthaufen im Garten die eigene Mülldeponie mit integrierter Biodünger-Erzeugung.

Schwarzach, Wien Die Vorarlberger verzichten zusehends auf Verpackungen aus Kunststoff, ja auf Verpackungen überhaupt Damit dem Ansinnen der Konsumenten auch Genüge getan werden kann, helfen alle mit. Supermärkte bieten auch für Obst und Gemüse spezielle Papiersäckle an, viele Kunden bringen eigene Behältnisse mit. Das beste überhaupt: Vorarlberger Familien produzieren entweder kaum Essens- bzw. Grünabfälle oder aber sie sorgen selbst für die Kompostierung

Auf dem Kompost

Anders kann sich auch der Sprecher der Vorarlberger Abfallwirtschaft, Christian Böhler, nicht erklären, wieso in unserem Bundesland die Sammelquote pro Kopf so niedrig ist. Der Feldkircher Entsorger, der im eigenen Betrieb allerdings wenig mit Biomüll zu tun hat, macht es nicht anders als ganz viele Vorarlberger. „Ich werfe meinen Biomüll auf den Komposthaufen meines Bruders“, erzählt der Problemstoffspezialist. Allerdings, schränkt er ein, findet sich auch im Restmüll immer wieder ordentlich Bioabfall. Die Trennung in richtige Bahnen zu lenken, sei allerdings nicht Aufgabe der Entsorger, sondern des Umweltverbandes, stellt er klar. Pro Kopf sammeln die Vorarlberger jährlich 80 Kilo, weniger sammeln nur noch die Kärntner mit 50 Kilogramm und die Wiener mit 62 Kilo

Entsorgt statt verarbeitet

Die 80 Kilo sind allerdings schon wieder viel, denn in den Jahren 2015 bis 2016 gab es einen Durchhänger, in dem die Vorarlberger deutlich weniger Grünmüll gesammelt und abgeben haben, erst 2018 stieg die Menge wieder signifikant an. Die Zahlen des Ministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus (das früher Landwirtschaftsministerium und auch schon mal Lebensministerium hieß) zeigen aber nicht, was hinterm Haus selbst kompostiert wurd, sondern nur, was auf der Deponie landet.

„Viele Vorarlberger kompostieren ihren Bioabfall selbst. Manche werfen ihn in den Restmüll.“

Christian Böhler
Sprecher der Vorarlberger Entsorger

Gestiegen sind österreichweit die sogenannten Siedlungsabfälle um rund 9,6 Prozent zu verzeichnen. Das Sperrmüllaufkommen z. B. ist in den letzten Jahren gesunken, das Aufkommen an getrennt gesammelten Altstoffen sowie insbesondere der biogenen Abfälle ist stark gestiegen. Das Pro-Kopf-Abfallaufkommen aus dem Bereich Siedlungsabfälle von Haushalten variiert zwischen 79 kg in Vorarlberg und 285 kg in Wien. Die Unterschiede seien auf viele Ursachen, wie landesrechtliche Bestimmungen, bestehende Sammelsysteme, Anzahl von Zweitwohnsitzen, Intensität des Tourismus oder Anteil der mitentsorgten Abfälle aus gewerblichen Betrieben zurückzuführen, erklären die Autoren des Berichts. Siedlungsabfälle setzen sich aus Restmüll, Sperrmüll, biogenen Abfällen, Problemstoffen, Elektroaltgeräten, Altbatterien und Altstoffen wie Verpackungen, Altpapier, Glas, Metallen, Kunststoffen, Textilien usw. zusammen. 7000 Tonnen Sperrmüll entsorgten die Vorarlberger übrigens, 19 Kilo pro Person. 31 Tonnen gemischte Siedlungsabfälle landeten im Beobachtungsjahr 2016 bei den Vorarlberger Entsorgungsbetrieben.

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