„Wir wollen uns in Nischen bewegen“

Markt / 23.02.2019 • 11:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Reinhold Elsässer und Margit Klotz leiten die Geschicke bei Rentschler Fill Solutions, Experte für die Produktion von kleinen bis mittelgroßen Chargen mit bis zu 60.000 Vials (Injektionsfläschchen).  VN/Paulitsch
Reinhold Elsässer und Margit Klotz leiten die Geschicke bei Rentschler Fill Solutions, Experte für die Produktion von kleinen bis mittelgroßen Chargen mit bis zu 60.000 Vials (Injektionsfläschchen).  VN/Paulitsch

Rentschler Fill Solutions beschäftigt sich mit der Abfüllung von Biopharmazeutika.

Rankweil Rentschler Fill Solutions in Rankweil füllt Medikamente für Biotech-Unternehmen und Pharmahersteller ab. Die Geschäftsführung bilden Margit Klotz und Reinhold Elsässer. Im Interview spricht Elsässer über den technologischen Vorsprung und die besonderen Herausforderungen einer spannenden Branche.

Was hat die Firma Rentschler bewogen in Vorarlberg, wo es so gut wie keine Betriebe Ihrer Branche gibt, dieses Werk zu bauen?

Elsässer Es gab mehrere Gründe. Der Standort Rankweil liegt zunächst sehr verkehrsgünstig. Unsere Kunden sind international und können von überall her einfliegen. Die Flughäfen Zürich, München, Stuttgart, Altenrhein und Friedrichshafen sind gut erreichbar. Zudem war Rankweil der erste internationale Expansionsschritt. Bisher war die Rentschler Gruppe ausschließlich in Laupheim bei Ulm ansässig und man wollte einen Auslandsstandort, der nicht allzu weit entfernt liegt.

Haben sich die Erwartungen erfüllt?

Elsässer Die Herausforderung war zunächst, die entsprechenden Arbeitskräfte nach Vorarlberg zu bekommen. Denn die pharmazeutische Industrie ist hier noch nicht vertreten. Wir haben es aber letztlich geschafft, die richtigen Experten zu überzeugen, nach Vorarlberg zu kommen.

Die Firma wurde auf der grünen Wiese gebaut.

Elsässer Das war schon spannend am Anfang. Ich war Mitarbeiter Nummer zwei. Heute sind wir 60 Leute. So hatten wir die Möglichkeit, das Gebäude genau an die Prozesse anzupassen. Jetzt sind wir dabei, aus der Start-up-Phase in den Routinebetrieb zu kommen. Dabei geht es darum, Aufträge abzuarbeiten für Kunden, die sich schon entschieden haben, zu uns zu kommen. Wir haben heute ein bis zwei Abfüllungen pro Woche und werden im Jahr 2020 bzw 2021 in der Vollausbaustufe bei einer Abfüllung pro Tag liegen. Eine Abfüllung kann bis zu 60.000 Glasfläschchen bedeuten.

Was sind die größten Herausforderungen bei der Abfüllung?

Elsässer Die Vor- und Nachbereitung hat einen großen Anteil und hier vor allem das Reinigen. Auch wenn wir Einweg-Materialien haben, die nur einmal genutzt werden. Denn in der aseptischen Produktion ist die größte Herausforderung die Keimfreiheit. Wir füllen flüssige Pharmazeutika ab. Das sind biotechnologische Wirkstoffe. Die kann man nicht einfach nur erhitzen, denn das würde auch die Wirkstoffe zerstören. Wir haben deshalb eine geschlossene Produktion. Die Abfüllung ist eingeschlossen und hat ein spezielles Lüftungssystem mit Überdruck, damit die Keime raus geblasen werden. Dort haben wir die höchste Reinraumklasse, die es gibt.

Woher kommt das Produkt?

Elsässer Wir sind Lohnabfüller. Das heißt, die Produkte gehören unseren Kunden. Sie kommen in großen Behältern, gekühlt oder tiefgefroren. Man mischt dann nach Vorgabe unserer Kunden noch bestimmte Stoffe hinzu und wird über mehrere Filterstufen in die Abfüllanlage eingebracht.

Wieso entscheiden sich Pharma-Unternehmen für eine Lohnabfüllung?

Elsässer Die Kunden haben mehrere Gründe dafür. Bei uns sind die Kunden meist Start-up-Unternehmen, die sich auf die Entwicklung des Wirkstoffes konzentrieren. Wir unterstützen sie daher in den klinischen Phasen, also in der Zeit, die man braucht, um ein Medikament zulassen und die Wirkung beweisen zu können. Die Rentschler Biopharma, mit der wir eine strategische Partnerschaft haben, kann den Wirkstoff für den Kunden produzieren und wir können ihn abfüllen. Zum anderen sind es auch große Unternehmen mit großen Anlagen, mit denen sie aber nur für den Marktbedarf produzieren. Innerhalb der Zulassungen in einer klinischen Studie haben sie oft nur 1000 Patienten. Und wir produzieren auch Medikamente gegen seltene Krankheiten, von denen oft nur 20 Patienten betroffen sind. Deshalb sourcen sie das aus. eine große Rolle spielt das Know-how. Bei einer klassischen Tablette ist es egal, ob man eine oder eine Million davon produziert. Die Rezeptur ist immer gleich. Bei Biopharmazeutika wiederum funktionieren die Prozesse anders, je nachdem ob man 20 oder 100 Liter ansetzt.

Wie ist die Konkurrenzsituation in diesem Bereich?

Elsässer Es gibt mehrere Mitbewerber, die zum Teil deutlich größer sind. Diese können dann auch die Marktproduktionen für große Unternehmen übernehmen. Das ist aber nicht unser Ziel. Wir wollen uns in Nischen bewegen, klinische Phasen unterstützen und kleine Marktproduktionen abdecken. Einer unserer Vorteile ist unsere Technologie. Die Gefriertrocknung ist eine der nachgefragten Abfülltechnologien. Andere Unternehmen haben das auch erkannt und investieren in Kapazitätserweiterungen. Aber wenn man heute beschließt zu bauen, kann man das erst in drei Jahren in Betrieb nehmen. Diesen Vorsprung wollen wir nutzen.

Blicken wir in die Zukunft. Welche Pläne verfolgen Sie am Standort?

Elsässer Das Ziel ist es, Ende 2020 die Vollausbaustufe zu erreichen. Mit Ende des Jahres erwarten wir die Genehmigung durch die amerikanische Behörde. Diese brauchen wir für die Abfüllung für einen US-Kunden. Gleichzeitig bedeutet das aber auch die Eröffnung des gesamten US-amerikanischen Marktes

Hier erwarten Sie künftig auch das größte Wachstum?

Elsässer Ja, denn die Vereinigten Staaten sind der größte biopharmazeutische Markt der Welt. Zudem gibt es dort auch viel Finanzierungskraft für kleine Unternehmen mit guten Ideen. Irgendwann wird noch Asien folgen, aber derzeit haben wir dort noch keine konkreten Pläne.