Letzter Akt bei Alge Elastic in Lustenau

Markt / 27.02.2019 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Beim Textilband-Erzeuger Alge Elastic ist nach jahrelangen Verlusten nun die letzte Schicht. Für viele Mitarbeiter haben Vorarlberger Firmen Angebote gemacht. Für die Maschinen gibt es mehrere ernsthafte Interessenten.
Beim Textilband-Erzeuger Alge Elastic ist nach jahrelangen Verlusten nun die letzte Schicht. Für viele Mitarbeiter haben Vorarlberger Firmen Angebote gemacht. Für die Maschinen gibt es mehrere ernsthafte Interessenten.

Nach 96 Jahren werden am Donnerstag, beim Textilunternehmen Alge Elastic die Maschinen abgeschaltet.

Lustenau Die vergangenen Wochen waren alles andere als ruhig – nicht für die Mitarbeiter des Traditionsunternehmens und nicht beim Masseverwalter Ralph Vetter. Wegen einer technischen Panne und auch weil nicht immer ganz klar war, auf welches Geld er zurückgreifen kann, wurden die Löhne für Jänner mit Verspätung ausbezahlt. Das hatte Interventionen bei der Arbeiterkammer, beim Masseverwalter und auch bei der Bezirkshauptmannschaft zur Folge.

Und es hatte Auswirkungen auf den letzten Monat, in dem noch ausstehende Aufträge abgearbeitet wurden. Rund die Hälfte der 120 Mitarbeiter haben sich nämlich in den Krankenstand begeben. Ob das mit den ausstehenden Löhnen zusammenhängt, dazu möchte sich Anwalt Vetter nicht dezidiert äußern, betont allerdings, dass das insolvente Unternehmen bekanntermaßen außergewöhnlich hohe Löhne in der Branche bezahlt hat.

Betriebsversammlung zum Schluss

Am Donnerstag, schließt der letzte Akt. Ab 10 Uhr werden Arbeitsrecht-Fachleute der Arbeiterkammer und Mitarbeiter des Arbeitsmarkt im Unternehmen die Fragen der Mitarbeiter beantworten bzw. weiterhelfen, wo Hilfe benötigt wird, so Marco Agostinelli, Insolvenzrechtsspezialist bei der AK. Er geht auch davon aus, dass die Löhne inzwischen auf den Konten der Mitarbeiter gelandet sind, aber das sei „Sache des Masseverwalters“ erklärt er. Die technische Panne passierte übrigens in der Lohnverrechnungs-EDV, die Jänner-Löhne mussten, so die Auskunft des Masseverwalters händisch abgerechnet werden. Dasselbe gilt für die Februarlöhne.

Eine anonym bleiben wollende Mitarbeiterin betont in Gespräch mit den VN, dass die Betreuung durch AK und AMS sehr gut sei, allerdings habe man den Eindruck, dass man derzeit die Ansprüche der Mitarbeiter in der Gläubiger-Rangfolge nach hinten gereiht habe. Neben den Löhnen geht es dabei auch um Abfertigungen für die oft langjährigen Mitarbeiter, Urlaubsauszahlungen und Überstunden. Erfreut zeigt sich die Frau im Gespräch über die Hilfe des AMS und der Arbeiterkammer, aber auch der Vorarlberger Firmen, die den betroffenen Alge-Mitarbeitern Arbeitsplätze angeboten haben.

Verwertung im Gange

Die Verwertung der vorhandenen Masse geht indes weiter. Vetter hat für den Maschinenpark mehrere Angebote, auch die zur Gruppe zählenden HORA Holding GmbH und die unter diesem Dach arbeitende Alge-Innotex liegen nun die Bewertungen vor, die Basis sind für die weitere Verwertung. Der Konkurs des 1923 gegründeten Unternehmens ist der Schlusspunkt einer seit dem Geschäftsjahr 2008/09 anhaltenden tiefroten Ära. Seit damals schrieb das Unternehmen Verluste, „seit 2011/12 in Millionenhöhe, welche von den Eigentümerfamilien finanziert wurden.

Alge Elastic hat laut Eigenauskunft zum Zeitpunkt der Konkurseröffnung 14,4 Millionen Passiva und Aktiva in Höhe von 7,8 Millionen Euro. Der Maschinenpark sei hochwertig und auf aktuellem Stand, was auch das Interesse mehrerer Unternehmen aus der Branche erklärt. Wenn allerdings heute die Lichter ausgehen, werden nicht alle Mitarbeiter zum letzten Mal im Firmengebäude sein. Für die komplette Abwicklung werden noch einige von ihnen, weiterarbeiten.