Rotes Geflimmer

05.03.2019 • 21:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zumtobel lässt den Aufzug der Kunst­uni Linz erstrahlen. Zumtobel
Zumtobel lässt den Aufzug der Kunst­uni Linz erstrahlen. Zumtobel

Preiswettbewerb und Brexit-Chaos: Zumtobel verliert bei Umsatz und baut Verlust aus.

Dornbirn Restrukturierung ist ein eher unliebsames Thema. Ein Unternehmen neu zu ordnen und mit einer neuen Struktur zu versehen, wird aber oftmals notwendig, um es wieder auf Kurs zu bringen. Beim Leuchtenhersteller Zumtobel Group dauert diese Phase an. Vielfältige Maßnahmen wurden getroffen, um die Ertragskraft zu verbessern. Zuletzt wurde das Management-Team verschlankt und die Produktion im burgenländischen Jennersdorf geschlossen.

Dieser Kurs zeige Wirkung, heißt es bei Zumtobel, trotzdem schaffte es das Unternehmen noch nicht aus der Verlustzone. Das zeigen die Zahlen für die ersten drei Quartale des aktuellen Geschäftsjahres (Mai 2018 bis Jänner 2019). Konkret erzielte Zumtobel in den ersten drei Quartalen einen Umsatz von 863,8 Millionen Euro. Das entspricht einem Minus von 4,9 Prozent, ohne die negativen Währungseffekte von 3,8 Prozent.

Schwieriges Marktumfeld

Als Gründe gibt Vorstandsvorsitzender Alfred Felder das schwierige Marktumfeld an. Dazu gehöre der intensive Preiswettbewerb in der Beleuchtungsindustrie, negative Währungseffekte sowie die Situation in Großbritannien. Im wichtigsten Zumtobel-Absatzmarkt gingen die Umsätze um 14 Prozent zurück.

Trotzdem oder gerade deshalb dauert die Neuausrichtung des Unternehmens weiter an. Felder verweist darauf, dass das Hochfahren der Produktion im neuen Werk in Serbien nach Plan verlaufe. „Jetzt geht es darum, Niš als voll funktionsfähiges Werk mit hoher Wertschöpfungstiefe aufzubauen, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und flexibler auf sich ändernde Marktanforderungen reagieren zu können“, so der Vorstandsvorsitzende über die Aufgabenstellung der nächsten Monate.

Zumindest ist Felder froh, dass trotz des Umsatzrückganges die Ertragskraft zuletzt verbessert wurde. Das um Sondereffekte bereinigte Gruppen-EBIT stieg in den ersten neun Monaten auf 23,9 Millionen Euro (nach 20,5 Mill. Euro). Zurückzuführen ist das vor allem auf die Effizienz- und Einsparmaßnahmen. Allein bei den Vertriebs- und Verwaltungskosten wurden 21,9 Millionen Euro eingespart.

Allerdings führten der Umsatzrückgang und die Kosten aufgrund der Restrukturierungsmaßnahmen letztendlich zu einem Verlust. Im dritten Quartal weitete er sich von 9,3 auf 14,8 Millionen Euro aus. Über alle drei Quartale stand ein Verlust von 6,1 Millionen Euro.

Wie geht es nun weiter? Für Alfred Felder steht fest, dass Zumtobel noch nicht jene Kostenstruktur hat, um im Wettbewerb bestehen zu können. Sie sei hoch im internationalen Vergleich. Dafür müsse man ständig sämtliche Prozesse, Geschäftsbereiche sowie Werke auf den Prüfstand zu stellen.

China-Werk wird heruntergefahren

Neben den geplanten weiteren Einsparungen im Vertriebs- und Verwaltungsbereich steht auch die Produktion im Fokus. Nach der stufenweisen Schließung der Produktion in Jennersdorf soll nun auch die Fertigung im chinesischen Werk in Guangzhou bis Ende des Geschäftsjahres heruntergefahren werden, konkret auf eine minimale Auslastung für die Fertigung von Kleinserien. Die großvolumige Produktion für den asiatischen Leuchtenmarkt soll indes mithilfe von Partnern bewältigt werden. Verstärkt fokussieren wolle sich Zumtobel hingegen auf Services und schlüsselfertige Lösungen, auf das Komponentengeschäft sowie die Kernmarken. Für Felder ist das Geschäftsjahr 2018/19 darum auch ein Übergangsjahr.

Die Aktien der Zumtobel Group haben gestern auf das Ergebnis dementsprechend reagiert. Sie fielen im Tagesverlauf um bis zu 10,40 Prozent auf 7,15 Euro. VN-REH

„Wir werden uns weiter auf die Stärkung unserer Wettbewerbsfähigkeit fokussieren.“

Fakten Q1-Q3

Umsatz 863,8 Mill. Euro (-4,9%)

bereinigtes EBIT 23,9 Mill. Euro (+16,9%)

Periodenergebnis -6,1 Mill. Euro (Vorjahr -1,7 Mill.)

Mitarbeiter 5905 (-9,1%)