Ende der langen Durststrecke für Opel

06.03.2019 • 17:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Opel-CEO Michael Lohscheller (l.) sprach am Rande des Genfer Automobilsalons mit VN-Redakteur Michael Gasser über den Umschwung beim Autobauer.AP, VN
Opel-CEO Michael Lohscheller (l.) sprach am Rande des Genfer Automobilsalons mit VN-Redakteur Michael Gasser über den Umschwung beim Autobauer.AP, VN

An der Kostenschraube gedreht: Opel-Chef Michael Lohscheller über die Gründe für den Turnaround.

Genf Darauf hat man in Rüsselsheim lange gewartet: Die traditionsreiche Marke Opel meldet nach fast zwei Jahrzehnten wieder schwarze Zahlen. Er sei froh, das so schnell geschafft zu haben, sagt Opel-CEO Michael Lohscheller (50) im Gespräch mit den VN. 2017 hatte der französische PSA-Konzern (Peugeot, Citroen) den kriselnden Autobauer übernommen. Nur ein Jahr später weist die Bilanz einen Gewinn von 859 Millionen Euro aus. „Wir haben weit mehr als nur ein bisschen Kleingeld gemacht“, bilanziert der Automanager zufrieden. Die Rückkehr in die Gewinnzone ist nachhaltig geschafft. „Nach einer Durststrecke, wie sie kaum ein anderes Unternehmen hatte“, so Lohscheller. 1999 gab es letztmals einen Betrag auf der Habenseite. Der US-amerikanische Konzern General Motors (GM) hatte danach rund 19 Milliarden Euro Verluste mit seiner deutschen Tochter geschrieben und sich schließlich von ihr getrennt.

Kosten pro Auto gesenkt

Mehr noch als die Zahlen allein freut den Opel-Chef, dass der Plan funktioniert habe. Die vom neuen französischen Eigner auferlegten Sparvorgaben zeigen Wirkung. So sei es gelungen, die Kosten pro Fahrzeug um 367 Euro zu senken, rechnet der Manager vor. Das hat wesentlich zum Turnaround beigetragen. Opel ist damit ein gutes Stück weiter, aber längst nicht am Ziel. Bei einer Industrie, die kein Wachstum verspricht, müsse an der Kostenseite gearbeitet werden. „Das geht aber nicht in einem Jahr.“ Ein wesentlicher Eckpfeiler sei es bisher gewesen, Komplexität zu reduzieren. Lohscheller nennt als Beispiel dafür 20 unterschiedliche Lenkräder, die man unter GM verbaut hatte. Heute ist es nur noch ein halbes Dutzend. Überdimensionierte Werke hätten so verkleinert werden können, Flächen wurden teils an Lieferanten verkauft.

Die Ausgabenseite in den Griff bekommen und in neue Modelle investiert: Bei Opel geht es Schlag auf Schlag. Neben dem Sparen gehören eine Elektrooffensive und die Internationalisierung zum Zukunftsplan der 120 Jahre alten Traditionsmarke. Lohscheller kündigt für die nächsten 24 Monate acht Produktneuheiten an, darunter mit der nächsten Corsa-Generation einen Bestseller. Diesen wird es ebenso wie den nächsten Mokka-X auch mit Batterieantrieb geben. Absatzprognosen für die E-Mobilität gibt der Hersteller keine, die Produktionskapazitäten sollen allerdings neue Dimensionen erreichen. „Wir gehen damit nicht in eine Nische, sondern in die ganz großen Segmente“, spricht Lohscheller von einem möglichen Volks-Elektroauto. Die Einpreisung soll im zweiten Quartal erfolgen, Weltpremiere feiert der kleine Stromer im September.

Die Produktoffensive sieht nach dem bereits erfolgreich eingeführten Combo mit dem Vivaro auch ein weiteres leichtes Nutzfahrzeug vor. Überhaupt hat Opel innerhalb des PSA-Konzerns in diesem Bereich die Entwicklungsverantwortung übernommen und sieht große Wachstumspotenziale, auch mit einer E-Variante des Transporters Vivaro.

Vor allem durch eine globalere Ausrichtung im Vertrieb rechnet sich Opel Chancen aus. Neue Märkte haben sich geöffnet. Unter anderem kehrt die Marke mit dem Blitz auf den wichtigen russischen Markt zurück. Auch einige afrikanische Länder werden jetzt bearbeitet. Das blieb dem Hersteller unter amerikanischer Führung verwehrt. „Opel hat Autos gebaut, durfte diese aber nicht außerhalb Europas verkaufen“, verdeutlicht Lohscheller die Misere früherer Jahre. Zum neuen Selbstbewusstsein gehört auch die neue Rolle im PSA-Konzern, die mehr Eigenständigkeit in wichtigen Bereichen wie Markenpositionierung und Design ermögliche. „Opel wird deutscher als es jemals zuvor der Fall war.“ Das wiederum kann beim Export nicht schaden.

No-Deal-Brexit bereitet Sorge

Der Blick über die Grenzen führt bei Opel unweigerlich auch nach Großbritannien, wo die Modelle unter dem Markennamen Vauxhall verkauft und zwei eigene Werke betrieben werden. Entsprechend bereitet ein mögliches No-Deal-Szenario Sorge. Auswirkungen auf die Kosten pro Fahrzeug werden befürchtet, Preise müssten angepasst werden. Lohscheller hofft jedenfalls, dass es dazu nicht kommen wird. „Wir brauchen Planungssicherheit.“

OPEL

Geschichte Opel baute 1898 erste Autos. 1929 wurde das Unternehmen von General Motors übernommen. 2017 erfolgte der Verkauf an PSA.

Bilanz 2018 Opel erzielte einen operativen Gewinn von 859 Millionen Euro. Zum PSA-Konzernumsatz von 74 Mrd. Euro steuerte Opel 18,3 Mrd. bei.