Wie Andreas Salcher die Digitale Agenda Vorarlberg umsetzen will

Markt / 12.03.2019 • 20:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Digitale Agenda bekommt nun eigene Koordinationsstelle.

Bregenz Noch ist er eine One-Man-Show, aber das soll nicht lange so bleiben. Andreas Salcher (47), Leiter der neuen Koordinationsstelle Digitalisierung, wird die Digitale Agenda Vorarlberg umsetzen. Diese wurde von Land, Arbeiter- und Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung, Fachhochschule, Pädagogische Hochschule sowie Mitgliedern der heimischen Start-up-Szene ausgearbeitet, um Antworten auf die Herausforderungen der Digitalisierung zu finden.

Gut, dass Andreas Salcher über sich selbst sagt, „Experte für Veränderungen mit ausgeprägter Affinität für das Thema Digitalisierung“ zu sein. Digitalisierung, so ist er überzeugt, mache nur Sinn, wenn sie auch Nutzen stifte. Seine Rolle in der Koordinationsstelle, die bei der Wirtschaftsstandort Vorarlberg GmbH (Wisto) angesiedelt ist, sieht er dabei als „Kümmerer“ und als „Brückenbauer“. Kümmern wolle er sich darum, dass die Digitale Agenda umgesetzt und weiterentwickelt sowie Leitprojekte initiiert werden. Brücken bauen will er zwischen alter und neuer Welt, zwischen etablierten Unternehmen und der digitalen Szene. „Sie können voneinander profitieren“, ist der Lauteracher, der zuletzt zwölf Jahre lang bei Raiffeisen Schweiz für den Firmenkundenbereich verantwortlich war, überzeugt.

„Es kommen erhebliche Umbrüche und Herausforderungen auf uns zu. Unser Ziel ist es daher, nicht nur die digitale Infrastruktur im Lande auszubauen, sondern auch verstärkt digitale Kompetenz in der Bildung zu vermitteln“, sagt Landeshauptmann Markus Wallner und ist froh, nicht nur ein Konzept dafür zu haben, sondern „die nötigen PS nun auf die Straße zu bringen.“

Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser, Landeshauptmann Markus Wallner, Koordinator Andreas Salcher und WKV-Präsident Hans-Peter Metzler.
Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser, Landeshauptmann Markus Wallner, Koordinator Andreas Salcher und WKV-Präsident Hans-Peter Metzler.

Darüber ist auch Wirtschaftskammer-Präsident Hans-Peter Metzler froh, der in der Vergangenheit immer wieder davor warnte, den Anschluss nicht zu verpassen. „Noch leben wir von der Substanz. Der Zug ist noch nicht abgefahren“, ist er zuversichtlich, nun in die Umsetzung zu kommen. Gerade wenn so viele Bälle in der Luft sind wie aktuell, sei es wichtig, dies in einer Stelle zu koordinieren. Dennoch ist es für Metzler nur ein erster Schritt. Schließlich gebe es anderenorts eigene Ministerien oder Departements, die sich dem Thema Digitalisierung widmen.

Die oft aufs Tapet gebrachte Befürchtung, dass die Digitalisierung am Ende Jobs vernichten wird, teilt Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser indes nicht. „Laut einer Schätzung der EU-Kommission kann mit jeder zehnprozentigen Erhöhung der Breitbanddurchdringung ein Wirtschaftswachstum von 1,0 bis 1,5 Prozent erzielt werden.“ In Vorarlberg habe 70 Prozent der Bevölkerung eine Anschlussqualität von 100 MB und mehr. Zudem gehe das Wifo davon aus, dass die Investition von einer Milliarde Euro in den Breitbandausbau 40.000 Arbeitsplätze schafft. „Es werden auch Jobs verloren gehen, aber die Erfahrung aus der Geschichte zeigt, dass das durch Arbeitsplätze mit höherer Qualifikation mehr als überkompensiert wird.“

Im Rahmen der Digitalen Agenda finden sich nun erste Projekte in der Umsetzung. Der Digital Campus Vorarlberg beispielsweise, der sich der Weiterbildung in digitalen Kompetenzen widmet, die Initiative Startupland als Anlaufstelle für Start-ups, die startupstube wiederum für Studierende mit Gründerinteresse oder die Digital Factory als neuer Forschungsbereich an der Fachhochschule. Dazu gibt es Projekte, die Kindern und Jugendlichen das Programmieren schmackhaft machen wollen (Code-Base-Camp und Code4Kids). Gerade gebaut wird am Innovationszentrum Postgarage in Dornbirn und FH-Studenten können ab Herbst den Bachelor-Studiengang „Informatik – Digital Innovation“ absolvieren.

Jedenfalls soll der Schwung beibehalten werden, sind sich die Verantwortlichen einig. Das ist auch unabdingbar. Schließlich kennt die Digitalisierung nur eine Geschwindigkeit. Eine noch nie dagewesene.