Abstimmung am Kühlregal

Markt / 13.03.2019 • 22:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Vorarlberg Milch-Geschäftsführer Raimund Wachter im Jahr 1999, als die Vorarlberg Milch Vorreiter bei der Verwendung von Glasflaschen war. VN
Vorarlberg Milch-Geschäftsführer Raimund Wachter im Jahr 1999, als die Vorarlberg Milch Vorreiter bei der Verwendung von Glasflaschen war. VN

Comeback für Milch in der Pfandflasche. Doch wie ökologisch ist ihr Einsatz?

FELDKIRCH „Wir waren die letzten, die die Milchflaschen 2009 aus den Regalen genommen haben“, erinnert sich Vorarlberg Milch-Geschäftsführer Raimund Wachter. Und nein, die Vorarlberg Milch überlege nicht eine Wiedereinführung der Flasche, egal, was der Mitbewerb mache, erklärt er auf Anfrage und weiß das auch zu begründen.

Geschmack und Öko-Bilanz

Der Vorarlberger Milchverarbeitungsbetrieb, der im Besitz von 505 Landwirten ist, habe es sich nicht leicht gemacht bei der Umstellung und verwende derzeit das Gebinde mit der besten Nutzen- und Umweltbilanz. Das ist aus Sicht Wachters der Tetra Pak. Nur drei Prozent des Gewichtes entfallen auf die Packung, 97 Prozent auf den Inhalt. So werde z. B. für den Transport von 9000 Litern Milch im Karton lediglich ein Lkw benötigt – dagegen stehen zwei Lkw für den Transport derselben Menge Milch in Glasflaschen. Außerdem werden, so Wachter, die Umwelteinwirkungen der Tetra-Pak-Produkte auf jeder Stufe ihres Lebenszyklus‘ untersucht und bewertet – von der Produktentwicklung, dem Einkauf und der Packstoffherstellung über den Transport und die Abfüllung hin zum Gebrauch, Entsorgung und Recycling. Und diese Bewertung spreche für die Zupack-Milch und gegen die Milchflasche.

Wahlmöglichkeit

Auch für den Geschmack, die Haltbarkeit und Verträglichkeit der Milch selbst sei die blickdichte Kartonverpackung die beste Lösung, so Wachter weiter. Die Abschaffung der Flasche sei quasi eine Umfrage am Kühlregal gewesen, verweist er darauf, dass die Konsumenten sich für die Einwegpackung entschieden haben. Laut einer aktuellen Umfrage von Greenpeace sprechen sich derzeit nämlich rund 80 Prozent der Konsumenten für eine Wahlmöglichkeit zwischen Mehrweg-Glasflasche und anderen Gebinden aus. Sogar 91 Prozent sehen die Glasflasche als ökologischste Verpackung an, heißt es in der vom Meinungsforschungsinstitut Akonsult im Februar durchgeführten Umfrage. Und anders als Wachter sehen die Umweltschützer nicht nur die gefühlte, sondern die tatsächliche Ökobilanz auf Seiten der Glasflasche, zumal dann, wenn es sich um eine Mehrwegflasche, die entsprechend oft verwendet wird, handelt.

Handel bereit für Flaschen

Der Handel jedenfalls ist bereit, den neuen Trend aufzunehmen. Spar hat im vergangenen Jahr Bio-milch in Glasflaschen eingeführt, um die Kundennachfrage zu testen. Für den Test wurde allerdings eine Einweg-Glasflasche verwendet, da für ein Mehrweg-System große Investitionen in neue Anlagen in der Molkerei und eine Adaption der Mehrweg-Automaten in den Märkten nötig seien, heißt es seitens des Unternehmens. Nach dem großen Zuspruch der Konsumenten für die Milch in der Glasflasche habe sich die Molkerei nun zu diesem Schritt entschlossen. Voraussichtlich ab Herbst werde es das Angebot geben. Auch bei Sutterlüty werde man den Konsumenten die Option auf Mehrweg eröffnen, so Geschäftsführer Alexander Kapaurer, der darauf hinweist, dass es derzeit noch kein Angebot von Produzentenseite gebe. Glas-Mehrwegflaschen werden heute schon von kleineren Hof- und Genossenschaftsmolkereien verwendet.

Die Vorarlberger Getränkeproduzenten bieten je nach Kundschaft bereits Pfandsysteme an. Bei Bier funktioniert das Pfandsystem auch im Lebensmittelhandel. Fruchsafthersteller Rauch hat ein Rückgabesystem für die Gastronomie, „das sehr gut funktioniert“, so Rauch-Geschäftsführer Daniel Wüstner. VN-LEV, SCA

Jeder muss sich selbst entscheiden. Ich bevorzuge Glas, weil mir die Umwelt wichtig ist. Außerdem befinden sich im Tetra Pak oft kleine Plastikpartikel die gesundheitsschädlich sein können. Dagmar Matloch, 60, Götzis

Jeder muss sich selbst entscheiden. Ich bevorzuge Glas, weil mir die Umwelt wichtig ist. Außerdem befinden sich im Tetra Pak oft kleine Plastikpartikel die gesundheitsschädlich sein können. Dagmar Matloch, 60, Götzis

Meinen Freunden und mir liegt die Umwelt am Herzen. Mir sind Glasflaschen lieber, weil sie wiederverwendbar sind. Wenn Glasflaschen wieder in Geschäften auftauchen, würde ich umsteigen. Fabienne Loretz, 16, Bartholomäberg

Meinen Freunden und mir liegt die Umwelt am Herzen. Mir sind Glasflaschen lieber, weil sie wiederverwendbar sind. Wenn Glasflaschen wieder in Geschäften auftauchen, würde ich umsteigen. Fabienne Loretz, 16, Bartholomäberg

Glasflaschen sind wiederverwendbar und nachhaltiger. Ich bevorzuge deshalb ganz klar die Milch in Glasflaschen. Eine Umstellung ist leicht umzusetzen und hat viele Vorteile. Rebecca Fetz, 27, Mäder

Glasflaschen sind wiederverwendbar und nachhaltiger. Ich bevorzuge deshalb ganz klar die Milch in Glasflaschen. Eine Umstellung ist leicht umzusetzen und hat viele Vorteile.
Rebecca Fetz, 27, Mäder

Ich finde, dass beides bei vernünftiger Entsorgung okay ist. Meiner Meinung nach ist Glas angenehmer zum Trinken, auch der Geschmack ist im Tetra Pak anders als im Glas. Ich würde die Glasflasche vorziehen. Marco Plörer, 35, Mäder

Ich finde, dass beides bei vernünftiger Entsorgung okay ist. Meiner Meinung nach ist Glas angenehmer zum Trinken, auch der Geschmack ist im Tetra Pak anders als im Glas. Ich würde die Glasflasche vorziehen. Marco Plörer, 35, Mäder