Mohren & Co.: Brauereien kämpfen weiter gegen Patent auf Gerste

Markt / 27.03.2019 • 19:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die acht CulturBrauer (in der Biererlebniswelt) sehen sich als Bewahrer der Biervielfalt. VN/Paulitsch
Die acht CulturBrauer (in der Biererlebniswelt) sehen sich als Bewahrer der Biervielfalt. VN/Paulitsch

Acht mittelständische Brauereien machen gemeinsame Sache: Für Bierkultur und gegen die Übermacht der Konzerne.

Dornbirn Wenn das mal nicht der Traum vieler ist: Zum Jobprofil eines Brauereigeschäftsführers gehört der Gasthausbesuch. Vier solche Exkursionen haben dieser Tage die Chefs der Brauereien Hirter, Trumer, Zwettler, Braucommune Freistadt, Schremser, Eggenberger und Murauer in und um Dornbirn gemacht, angeführt wurden sie von Mohrenbräu-Chef Heinz Huber. Die acht Brauereien haben sich vor zehn Jahren zur Gruppe CulturBrauer zusammengeschlossen. Die Privatbrauer in den Bundesländern bedienen ihren jeweils regionalen Markt, verwirklichen aber eben auch gemeinsame Ziele. Zum Beispiel das Austrian Lager, ein gemeinsam entwickeltes Bier, das im vergangenen Jahr in der Gastronomie für Furore sorgte und seit Kurzem auch im Lebensmittelhandel für „Lager“-Denken sorgt. Großgeschrieben wird auch die Pflege der Bierkultur in ihren Regionen mit Führungen, Veranstaltungen und der Ausbildung von Biersommeliers.

Die acht Brauereien haben aber auch bewirkt, dass die Patentierung von natürlichen Züchtungen öffentlich zum Thema wurde. „Die Brauereien sind wegen der Patente auf Gerste durch Heineken und Carlsberg betroffen. Aber das Thema ist viel breiter“, so Karl Schwarz von der Zwettler Brauerei, „das betrifft vor allem die Landwirtschaft“. Der Streit um Patente auf Nutzpflanzen landete vor dem Europäischen Gerichtshof. Ergebnis: Die Patente wurden eingeschränkt, aber nicht abgeschafft. Für Mohren-Chef Huber ist das noch lange nicht genug: „Wir werden auf jeden Fall weiter dagegen vorgehen. Das Thema ist zu wichtig, es ist ein gesellschaftspolitisches Thema, das wir angeschoben haben.“ Es zeige auch, dass man, wenn man zusammenstehe, etwas bewirken könne: „Das ist ein wichtiges Signal an unsere Kunden.“

Gemeinsamer Widerstand

Dass die mittelständischen österreichischen Brauereien Initiatoren des Widerstands gegen die großen Braukonzerne waren, während aus anderen Ländern wenig Protest kam, hat einen Grund: „Es gibt dort keine mittelständischen Brauereien mehr“, erläutert Freistadt-Geschäftsführer Ewald Pöschko. Was es gibt, sind die ganz großen, die auch in Österreich tätig sind, und die Craftbeer-Szene, also die kleinen Handwerksbrauereien, die laut CulturBrauern durchaus ihren Anteil daran haben, das Getränk Bier aufzuwerten. Nicht in Österreich, aber wenn man die international erfolgreichen Kleinbrauer betrachtet, seien die CulturBrauer übrigens allesamt von der Größe her „Craftbeer“-Brauer, stellt Sepp Rieberer, Geschäftsführer der Murauer Brauerei, klar.

Culturbrauer Fakten

Gegründet 2009, acht Mitgliedsbetriebe

Mitarbeiter gesamt 640

Marktanteil 12 Prozent

Ausstoß 1,111 Mill. Hektoliter

Sortiment 96 verschiedene Biere