Almdudler-Chef Gerhard Schilling setzt auf Tradition, Österreich und Eigenständigkeit

Markt / 28.03.2019 • 17:00 Uhr / 1 Minuten Lesezeit
Almdudler-Chef Gerhard Schilling: „Wir sind in Tourismusregionen, wie hier am Arlberg, besonders aktiv, auch im Marketing.“   VN/sca

Die Trennung vom Vertriebs- und Abfüllpartner Coca-Cola soll Marke und Absatz der österreichischen Nationallimonade stärken.

Zürs, Wien Gerhard Schilling (54) fühlt sich sichtlich wohl im hochalpinen Ambiente, das ihn in Zürs umgibt. Es ist die Landschaft, die zu seinem Produkt, zu seiner Marke passt, quasi den Markenkern darstellt. Der studierte Betriebswirt ist seit 2004 Geschäftsführer des Limonadeherstellers Almdudler. Almdudler ist eine österreichische Ikone. „Wir sind die beliebteste Limonademarke des Landes“, freut sich Schilling, „noch vor den großen multinationalen Marken.“

Bis Ende 2018 war nichtsdestotrotz die Zusammenarbeit mit dem größten multinationalen Softdrink-Konzern, Coca-Cola, allerdings eng. Sowohl die Abfüllung wurde in den vergangenen Jahren von Coca-Cola durchgeführt, als auch der Vertrieb für die Gastronomie erfolgte in den vergangenen fünf Jahren über den Limo-Riesen. Nun ist das Wiener Unternehmen, das den Almudler 1957 auf den Markt brachte, wieder solo unterwegs. Obwohl man betont, dass die Trennung einvernehmlich und in guter Atmosphäre erfolgte, war sie doch zwingend für das österreichische Unternehmen, das in den vergangenen Jahren für die Original-Kräuterlimonade, die Erfinder Erwin aus 32 natürlichen Alpenkräutern zur Hochzeit mit seiner Frau Ingrid mixte, viele „Kinder“ entwickelte.

Inzwischen gibt es Energydrinks, limitierte Saison-Limonaden, Getränke für die Gastronomie und ganz neu die Spezi-Familie aus dem Hause Klein. Zu vielen dieser Produkte gab und gibt es vergleichbare Coca-Cola-Produkte. Erst recht, seit Almdudler sich die Markenrechte für Spezi in Österreich gesichert hat, das direkt mit Mezzo Mix konkurriert. Deshalb, so Schilling im Gespräch mit den VN, habe sich der Vertrieb mehr oder weniger auf die Original-Almdudler beschränkt. Almdudler sei trotzdem oft ein Türöffner für den nun ehemaligen Partner gewesen.

Jetzt ist ein neues, eigenes Vertriebsteam im Einsatz, das bei den Gastronomen vorstellig wird, ihnen erklärt, dass sie in der Wahl ihres Sortiments freie Hand haben, „was viele gar nicht wissen“, die ganze Produktpalette vorstellen und „gute Rückmeldungen der Gastromen haben“. Vertriebspartner sind in Vorarlberg die Brauereien Mohrenbräu und Fohrenburger sowie der Limonadehersteller Alfi, der bis 2013 genauso wie Ganahl Getränke auch Abfüller des Alpensprudels war.

„Richtige Entscheidung“

Die Entscheidung, die Abfüllung nur noch an einem Standort durchzuführen, sorgte damals für herbe Kritik, weil die Limo durch die ganze Republik gefahren wird. „Es war richtig“, sagt Schilling heute, das hänge mit den immer strengeren Hygieneregeln in der Verarbeitung zusammen, aber auch damit, dass die großen Händler über ihre Zentralen in die Bundesländer verteilen. „Es ging gar nicht anders“, so der Geschäftsführer, den mit Vorarlberg auch seine Zeit als Geschäftsführer einer bekannten Vorarlberger Destillerie verbindet. Heute wird die Nationallimo bei Vöslauer abgefüllt, in PET-Flaschen von Alpla. Glas kommt ebenfalls zum Einsatz, am meisten in der Gastronomie, nimmt er zur aktuellen Verpackungsdebatte Stellung. Den Recyclinggedanken unterstützte man u. a. mit einer Partnerschaft mit dem Alpenverein, um die Berge sauber zu halten. Und Zucker? „Wir verwenden schon seit Jahren weniger Zucker als die anderen Produzenten, in der Regel mindestens 30 Prozent weniger.“

Almdudler Fakten

Gegründet 1886 durch die Brüder Adalbert und Siegbert Klein, Erfinder

Almdudler Erwin Klein

Eigentümer Familie Klein

Geschäftsführung Gerhard Schilling

Mitarbeiter 63

Umsatz 2018 über 40 Millionen Euro

Exportanteil 25 Prozent (hauptsächlich Deutschland, daneben Schweiz, Benelux, Südtirol, östl. Nachbarländer)

Produktion über 80 Millionen Flaschen jährlich, Tendenz steigend